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Jogi Löw
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Bundestrainer Joachim Löw auf dem Trainingsplatz. (Archivfoto)

EM 2021

Jogi Löw legt sein Ego beiseite - und liefert bei vier DFB-Stars den Beweis

  • Nico Scheck
    VonNico Scheck
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Bei seinem letzten großen Turnier als DFB-Trainer geht Joachim Löw auf‘s Ganze. Der EM-Kader beweist, dass der Bundestrainer sein viel kritisiertes Ego hinten anstellt.

Frankfurt - Mit dem Ego ist das immer so eine Sache. Insbesondere dann, wenn man Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft ist. Und man stelle sich nur mal vor, was ein Weltmeister-Titel aus diesem Ego zu machen vermag. Unvorstellbar? Joachim Löw, Bundestrainer seit 2006, Nivea-Ikone seit immer, zeigte in den vergangenen drei Jahren, wie groß der berühmte Schatten ist, über den das eigene Ego nicht springen kann. Oder möchte.

Die WM-Schmach 2018 in Russland hatte Löw erkennbar zugesetzt, der semi-optimal verlaufene Umbruch seither ebenfalls. Nun reicht Löw nach der EM 2021 den Staffelstab weiter, vorher will er es nochmal wissen. Dafür hat der 61-Jährige sein eigenes Ego hinten angestellt.

Die „Machtspielchen“ von Jogi Löw beim DFB

Der Aufschrei war groß, als Löw die Herren Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels im Frühjahr 2019 vorzeitig vom DFB-Team subtrahierte. Und der Aufschrei war mindestens genauso groß, als die Herren Müller, Boateng und Hummels in ihren Vereinen zwar wieder zur Höchstform aufliefen, Löw aber bei seiner Rechnung blieb.

Seither musste sich der Bundestrainer reichlich Kritik anhören. Immer im Mittelpunkt: sein Ego. Rudi Völler, Sportchef bei Bayer Leverkusen und einst ebenfalls im Trainerstuhl des DFB gesessen, betonte noch im November 2020 bei Sky90: „Die Kritik mit den drei Ausgemusterten muss er sich gefallen lassen.“ Vizeweltmeister Dietmar Hamann sprach in gleicher Runde sogar von einem „Werteverfall beim DFB“. Bei Löw komme es ihm „wie ein Machtspielchen vor, zu sagen, das ist die letzte Hoheit, die wir noch haben, den Kader zu besetzen“. Da hatte die deutsche Nationalelf gerade mit 0:6 gegen Spanien verloren.

EM 2021: Jogi Löw nominiert Hummels und Müller für DFB-Kader

Das „Machtspielchen“, um im Hamann-Duktus zu bleiben, hat Löw zum Wohle des Erfolgs bei der EM aufgegeben. Zumindest in Teilen. Bei der Bekanntgabe des DFB-Kaders für die EM 2021 prangten die Namen Hummels und Müller auf der Grafik des Verbandes. Schon in den Wochen zuvor hatte Löw die Aufhebung der Degradierung mehrfach durchklingen lassen.

Einzig Boateng schaffte es von den drei ehemals Aussortierten nicht in den Kader, „weil die Defensive ausreichend besetzt ist“, wie Löw findet. Über die These lässt sich freilich streiten. Unstrittig ist jedoch die in den vergangenen drei Jahren erheblich angeschwollene Unfähigkeit der Kritikfähigkeit seitens Löw (und des ganzen DFB). Löw wollte den Umbruch unbedingt, sprach immer wieder von der nächsten Generation, die doch endlich, endlich die Chance erhalten solle. Darüber schien er etwas zu vergessen: In der Nationalmannschaft sollten immer noch die besten Elf des Landes spielen, nicht die talentiertesten.

Dieses Credos hat sich Löw nun rechtzeitig vor seinem letzten großen Marsch als Bundestrainer erinnert. „Wir mussten alles nochmal überdenken. Ein erfolgreiches Turnier steht über allem“, erklärte er bei der Kader-Bekanntgabe in Bezug auf Hummels und Müller. Es sollte nicht der einzige Schatten bleiben, über den Löw an diesem Mittwoch sprang.

Überraschungsgast bei EM 2021: Jogi Löw holt Volland zurück

Denn dort oben, auf der DFB-Grafik, prangte ein weiterer Name, mit dem nicht zu rechnen war, während ein anderer Name fehlte. „Er war sicherlich einige Jahre nicht bei der Nationalmannschaft. Nachdem wir in dieser Saison gesehen haben, was er in Frankreich geleistet hat, ist er wieder dabei. Er ist körperlich stark, hat viel Durchsetzungsvermögen und mit seiner Torgefahr wird er uns bereichern“, erklärte Löw mittwochs die Nominierung von Kevin Volland.

Der Neu-Monegasse spielt in Frankreich in der Tat eine Sahne-Saison, die Chance auf eine EM-Teilnahme tendierte dennoch gegen null. Seit dem 15. November 2016, einem Testspiel gegen Italien, hatte Löw Volland - ja, man muss es fast so sagen - ignoriert. Tore, Vorlagen, nichts schien Löw seit jenem Testspiel umzustimmen. Volland selbst übte sich irgendwann in Resignation, man müsse das schlicht „akzeptieren. Ich sitze nicht mehr zu Hause und warte auf den Anruf des Bundestrainers. Ich genieße diese Pausen und versuche, das Positive darin zu sehen“. Jetzt kam der Anruf dann doch.

DFB-Kader ohne Draxler: Jogi Löw verzichtet auf seinen Lieblingsschüler

Wohl einen Anruf, aber eben keine EM-Teilnahme bekam Julian Draxler. Löw hatte seinem Lieblingsschüler seit dem Umbruch 2018 stets die Treue gehalten - trotz dürftiger Spielzeiten bei Paris Saint-Germain, trotz vieler Leistungsdellen beim DFB-Team. Jetzt, vor der EM, hat Löw jedoch die Reißleine gezogen. Der Anruf bei Draxler sei ihm „schwer gefallen“, verriet Löw, „weil wir ihn kennen und schätzen“.

Grundsätzlich, erklärte Löw am Mittwoch auf der Pressekonferenz weiter, könne Draxler „extrem viel“, doch: „Das Potenzial hat er vielleicht nicht immer so gezeigt.“ Und dann wäre da noch das leidige Thema mit der fehlenden Spielzeit in Paris. Da fügt es sich auf beinahe krude Art und Weise, dass Draxler seinen Vertrag bei PSG vor wenigen Tagen bis 2024 verlängert hat. Löw hatte seinem Schützling immer wieder zu einem Wechsel geraten.

Die Pein, Draxler nun zuhause zu lassen: Man mochte sie Löw glauben, es war ihm geradezu anzusehen, dort oben auf dem Podium. Doch Löw strebt vor Tor(e)schluss nochmal nach dem EM-Titel. Dafür braucht es nicht die 26 talentiertesten, sondern die elf besten Spieler. Und dafür braucht es manchmal eben auch einen Sprung über den eigenen Schatten. (nc)

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