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Nationalmannschaft

EM 2021: Jogi Löw plant Rückholaktion und übt Selbstkritik

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Bundestrainer Joachim Löw deutet für das EM-Jahr eine neue Wandlungsfähigkeit an - dazu gehört auch die mögliche Rückholaktion der drei Weltmeister.

  • Jogi Löw plant seinen Kader für die EM 2021.
  • Der Bundestrainer ist offen für eine Rückholaktion von bereits aussortierten Spielern in der DFB-Auswahl.
  • Nächsten Spiele der DFB-Elf sind im März.

Frankfurt - Es dauert nur noch drei Wochen, bis sich das deutsche Nationalteam wieder in voller Mannstärke versammelt. Am 22. März soll in einem derzeit bevorzugt von Geschäftsreisenden frequentierten Kongresshotel in Düsseldorf eine Blase für Deutschlands beste Fußballer errichtet werden. An der Wichtigkeit besteht bei den nächsten Länderspielterminen keine Zweifel: Gegen Island (25. März), Rumänien (28. März) und Nordmazedonien (31. März) beginnt die Qualifikation für die WM 2022 in Katar, wo die DFB-Auswahl trotz aller Ungereimtheiten im Ausrichterland nicht fehlen sollte.

EM 2021: Holt Jogi Löw Weltmeister zurück?

Besonders unter Beobachtung steht Bundestrainer Joachim Löw, dessen Kurs noch kritischer öffentlich verfolgt wird als die Corona-Politik der Regierung. Gegenüber der ARD-Sportschau und dem Fachmagazin „Kicker“ hat Löw nicht nur eingeräumt, demnächst in der Bringschuld zu stehen („auch ich muss jetzt absolut liefern“), sondern zugleich die Tür für die ausgebooteten Thomas Müller (31 Jahre), Mats Hummels (32) und Jérôme Boateng (32) wieder für mehr als einen Spalt geöffnet.

Reflektierend: Bundestrainer Joachim Löw.

Das kommt vom Zeitpunkt überraschend. Aber wie sagt Löw ja selbst: „Dieses Jahr gleich einem Drahtseilakt.“ Absturzgefahr inklusive. In der Causa der vor zwei Jahren bei einem Blitzbesuch in München ausgemusterten Weltmeister-Troika deutete der 61-Jährige erstmals an, dass es besondere Umstände geben könnte, „die mit Blick auf ein Turnier eine Unterbrechung des Umbruchs rechtfertigen.“ Neu ist in dem Duktus, dass die Pandemie als Argumentationsstrang auftaucht.

EM 2021: Holpriger Re-Start der DFB-Auswahl

Das Coronavirus habe seiner Mannschaft fast ein Jahr gestohlen, was insofern stimmt, dass zwischen November 2019 und September 2020 kein Länderspiel stattfand. Der Re-Start geriet holprig, der Bundestrainer nahm viel Rücksicht auf die Befindlichkeiten von Bundesligisten wie dem FC Bayern München oder RB Leipzig, so folgten viele Länderspiele mit wenigen Erkenntnissen – und am Ende blieb jenes verstörende 0:6 gegen Spanien übrig, mit der das Corona-Jahr endete.

NameAlterVereinPosition
Jerome Boteng32 JahreFC Bayern MünchenAbwehr
Mats Hummels32 JahreBorussia DortmundAbwehr
Thomas31 JahreFC Bayern MünchenMittelfeld

Die Lehrstunde von Sevilla spülte den Weltmeistertrainer trotz aller Verdienste nach fast 15 Jahren beinahe aus dem Amt. In diesem Jahr will Jogi Löw aktiver wirken, was sich auch daran zeigt, dass der Südbadener vermehrt Bundesligaspiele abseits von Freiburg besucht – und erlebt, wie wichtig das Spieler-Coaching im Geisterspielbetrieb geworden ist.

Und da gibt es kaum einen besseren als Bayern-Wortführer Müller, der auch verbal den Laden zusammenhält. Der von Löws ehemaligen Assistenten Hansi Flick aufs Höchste geschätzte Offensivallrounder sei ein „Energiegeber“, sagte der Bundestrrainer jetzt, der sich für seine Mannschaft generell „eine andere Kommunikation auf dem Platz“ wünscht.

EM 2021: Keine Rückkehr für Länderspiele im März geplant

In den März-Länderspielen kommt aber keiner der wortstarken Weltmeister zurück. Er wolle „den Umbruch nicht unterbrechen“, stellte Löw klar: „Am Ende muss ich irgendwie im Mai entscheiden.“ Dann wird auch feststehen, ob die EM 2021 vor leeren Rängen oder mit Zuschauern gespielt wird. Wird sogar eine Turnierblase in nur einem Land (oder einer Region) ohne größere Reisebewegungen errichtet, muss das Team von innen heraus funktionieren. Das Stichwort Kaderhygiene hätte in diesem Falle eine doppelte Bedeutung.

Was die Rückholaktion angeht: Jeder Einzelfall würde separat mit allem Für und Wider durchleuchtet, heißt es beim DFB: Müller bekleidet auf dem Platz eine zentrale, offensive Position, in der sich gerade Leon Goretzka entfalten möchte. Ein weiterer Konkurrent könnte der für die März-Länderspiele fest eingeplante Frankfurter Amin Younes werden, der Löw bei seiner letzten Inspektion gegen beim Triumph der Eintracht gegen die Bayern (2:1) imponierte.

Bei Hummels gelten die Schnelligkeitsdefizite als Problem, Boateng spielt aus verschiedensten, teils privaten Gründen kaum noch eine Rolle in den Nationalmannschaftsplanungen. Bedenken, dass meinungsstarke Typen wie Müller und Hummels das Binnenklima verändern, hat Löw angeblich nicht: „Der Charakter von Thomas Müller und Mats Hummels ist, dass sie andere nicht unterdrücken.“

Er selbst übrigens wird sich auch treu bleiben, wie einige Spitzen in Richtung DFB-Präsident Fritz Keller verrieten. Löw will genau wie der DFB erst nach der EM 2021 ausloten, ob die Erfüllung seines bis 2022 laufenden Vertrags Sinn macht: „Nach dem Turnier wird man nochmal sprechen mit dem DFB, kann man noch irgendwie etwas bewegen, hat man die Energie und die Inspiration.“

EM 2021: DFB-Trainer Jogi Löw ist motiviert

Ausführlich ging der Bundestrainer auf die Skepsis bezüglicher seiner Person ein, die für ihn „eine Form von besonderem Ehrgeiz und eine Zusatzmotivation“ wecke. Selbstkritik schimmerte beim bestbezahlten Verbandsangestellten durch, was sein Habitus beim Spanien-Spiel anging: „Meine Körpersprache war schlecht. Ich hatte das Gefühl, nichts mehr bewegen zu können. Das war ein falsches Zeichen“.

Dass Löw erst mit Verspätung zum Selbstankläger wird, ist nicht neu: Nach dem WM-Desaster 2018 dauerte es wochenlang, ehe er sich auf einer Pressekonferenz in München selbst geißelte. „Das war schon arrogant“, sagte Löw über den langatmigen Ballbesitzfußball, den Gegner wie Mexiko oder Südkorea entschlüsselt hatten. Es scheint, als brauche der oberste Fußballlehrer des Landes nach kritischen Phasen tatsächlich ausreichend Abstand, um eigene Fehler zu erkennen.

Rubriklistenbild: © Robert Michael/dpa-Zentralbild/d

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