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Auch mal rauskommen und ablenken: Die Nationalspieler Robin Koch (re.) und Robin Gosens unterwegs auf ihren E-Bikes. dpa
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Auch mal rauskommen und ablenken: Die Nationalspieler Robin Koch (re.) und Robin Gosens unterwegs auf ihren E-Bikes. dpa

DFB-Camp in Seefeld

EM 2021: Die Furcht des DFB vorm Lagerkoller

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Bundestrainer Joachim Löw hat Watutinki bei der WM 2018 noch im Hinterkopf, und weiß deshalb: Bloß keine schlechte Stimmung bei der EM 2021 aufkommen lassen.

Eine der wichtigsten Lehren aus der vermaledeiten Fußball-WM 2018 in Russland war aus deutscher Sicht: Bloß keinen Lagerkoller! In den Birkenwäldern des WM-Camps von Watutinki vor den Toren von Moskau hatte sich seinerzeit niemand wohlgefühlt. Aber es war ja dann auch schnell zu Ende gegangen. „Gute Laune in der Gruppe“, weiß Bundestrainer Joachim Löw seit Watutinki 2018 noch genauer als zuvor, „ist wichtig für die Leistung auf dem Platz.“ In Russland hatte es Stress gegeben, zwischen Jung und Alt, zwischen Stammspielern und Ersatzleuten, zwischen Deutschen mit und ohne Migrationshintergrund.

Drei Jahre später ist die Corona-Pandemie das große Thema, das die Verantwortlichen für die Nationalmannschaft beschäftigt. Die Nationalspieler müssen sich noch strenger abgeschirmt von der Öffentlichkeit bewegen, als sie das ohnehin gewohnt sind. Der DFB hat deshalb sehr darauf geachtet, dass es ihnen allen miteinander gut geht in Seefeld.

Das Mannschaftshotel „Nidum“, frisch renoviert, liegt an einem Hang, alle Balkons gehen zum Süden raus, jeder Spieler kann auf ein hochmodernes E-Bike steigen, um mal rauszukommen oder zum Training zu fahren, in der Lobby gibt es einen Rennsimulator zum Spielen. Für die nächsten Wochen in Herzogenaurach hat Adidas eigens ein neues Dorf mit 14 Wohneinheiten für den DFB-Tross bauen lassen.

Weltumsegler als Motivator

Für die Spieler ist es gewöhnungsbedürftig, dass sie nach dem zehntägigen Trainingslager in Seefeld nicht noch einmal zwei, drei Tage zu ihren Lieben nach Hause dürfen. Sie müssen in der Blase bleiben und werden nach einem letzten Testländerspiel am Montagabend in Düsseldorf gegen Lettland direkt ins EM-Basecamp nach Herzogenaurach überführt. „Es muss Teil der Mentalität werden, dass unsere Spieler das Turnier trotz dieser Widrigkeiten positiv angehen und sich durch nichts aufhalten lassen“, erklärt der Manager Oliver Bierhoff.

Um mit der Situation klarzukommen und noch einmal neuen Motivationsinput zu bekommen, hat Bierhoff den Abenteurer und Weltumsegler Mike Horn - laut „Zeit“ des „Schöpfers härtester Hund“ - nach Seefeld zum Vortrag eingeladen. Die Spieler sollten gut zuhören, wie Horn mit den Monaten der Einsamkeit bei seinen Expeditionen klargekommen ist. Und um einzuordnen, was sie da gerade beruflich tun und was Horn getan hat: „Wenn ich einen Fehler mache im Sturm oder im Eis, verliere ich mein Schiff oder mein Leben. Die Fußballer verlieren schlimmstenfalls ein Spiel.“

Kapitän Manuel Neuer ist jedenfalls begeistert von Horn, den er schon vor der WM 2014 in Brasilien persönlich erlebt hat. Seinerzeit hatte Bierhoff vor dem ersten Spiel einen Segeltörn mit dem gebürtigen Südafrikaner organisiert. Jetzt ist Horn wieder dagewesen. Kein ganz schlechtes Omen, wie Neuer findet: „Mike Horn ist einmalig, er hat einen sensationellen Vortrag gehalten und kann einen unglaublich motivieren.“

Für Löw ist dieses „Horn-Gen“ Grundstein für einen möglichen Erfolg: „Die Mannschaft muss eine Gewinnermentalität entwickeln. Das geht nur mit einem guten Teamgeist.“ Der Bundestrainer erinnert sich lieber an den Titel 2014 als an die missglückte Mission 2018, wiewohl die im Subtext immer mitschwingt. „Wir brauchen Spieler, die sich gegenseitig helfen. Auch diejenigen, die nicht spielen, müssen jede Minute bereit sein. Das müssen wir jeden Tag leben. Das macht eine Mannschaft bei so einem Turnier aus.“

Und er nennt das Beispiel des seinerzeit stets gut gelaunten Mönchengladbachers Christoph Kramer damals in Brasilien: „Er ist erst in letzter Minute in den Kader gerutscht und war immer voll da im Training. Er hatte sich seine Finalteilnahme verdient.“ Löw braucht jetzt 26 solcher Gute-Laune-Typen. Einfach wird das nicht.

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