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EM 2021
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Die Forscher haben das Phänomen des „Präsentismus“ untersucht. Ein DFB-Star ist offenbar auch betroffen.

Europameisterschaft

Überbelastung bei der EM 2021: Thomas Müller als warnendes Beispiel

  • Tobias Utz
    VonTobias Utz
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Die EM 2021 als Höhepunkt einer langen Saison. Doch die Belastung ist hoch, was zu Problemen führen kann.

Hagen/Frankfurt – Bundesliga, DFB-Pokal, Champions- oder Europaleague und Turniere der deutschen Nationalmannschaft: Die Belastung vieler Profifußballer hat mittlerweile das Maximum erreicht. Die Spielpläne sind eng getaktet, es bleiben kaum Erholungsphasen für die Akteure. Es wird versucht, fehlende Zeit durch optimierte Regeneration zu negieren. Durch die Corona-Pandemie musste der Plan zusätzlich gestrafft werden, da aufgrund des Infektionsgeschehens pausiert wurde.

„Ich verstehe das schon, dass jeder Verband seine Wettbewerbe irgendwie noch voll durchziehen will. Aber wenn keiner zurücksteckt, wird es irgendwann schwierig“, betont Jeannine Ohlert von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Jedoch vermutet sie, dass „es eine Weile lang“ gutgehe, jedoch Belastungsfälle sich wohl häufen werden, so Ohlert im Gespräch mit der Deutschen Welle. Ohlerts Bedenken teilt auch die Spielergewerkschaft FIFPro. „Der internationale Match-Kalender ist dichter geworden. Gleichzeitig ist das Spiel schneller, physischer und globaler als jemals zuvor“, heißt es im Bericht, welcher den Titel „Am Limit“ trägt. Auch internationale Top-Trainer, wie Pep Guardiola oder Jürgen Klopp, werden nicht müde, diese „Dauerbelastung“ anzuprangern.

EM 2021: Thomas Müller als Antreiber der DFB-Elf

Ein Spieler, der für maximalen Einsatz steht und nahezu alle Spiele in einer Saison absolviert, ist Thomas Müller. Der 31-Jährige ist eine tragende Säule des FC Bayern München und weilt derzeit mit der DFB-Elf bei der EM 2021. Bevor es für Müller zur Europameisterschaft ging, stand er in 46 Pflichtspielen für den deutschen Rekordmeister auf dem Platz. „Du darfst drei Wochen Luft holen, dann wirst du wieder unter Wasser gedrückt. Mental ist das schon eine große Belastung“, sagte Müller einst selbst – und verwies lediglich auf die „mentale“ Belastung. Hinzu kommt ein erhöhtes Verletzungsrisiko.

Das läge jedoch nicht nur an den entsprechenden Spielplänen, sondern auch an der Einstellung der Stars, legt nun eine neue Studie nahe. Dr. Hendrik Sonnabend von der Fern-Universität Hagen und Mario Lacker von der Universität Linz haben den „Präsentismus“ in Bezug auf Profifußballer empirisch analysiert. Bei „Präsentismus“ handelt es sich um ein Phänomen, das bislang lediglich in der modernen Arbeitswelt untersucht wurde. Es bedeutet, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zwar ihre Aufgaben verrichten, jedoch nicht voll leistungsfähig sind – oftmals, da sie eigentlich krank sind, jedoch negative Konsequenzen fürchten. Übertragen auf Profifußballer wären mögliche negative Konsequenzen ein Platz auf der Bank oder der Tribüne.

Groß angelegte Studie im Vorfeld der EM 2021 zur Belastung von Profi-Fußballern

Um „Präsentismus“ im Profifußball auf den Grund zu gehen, haben die beiden Forscher insgesamt 180.000 Fälle von Fehlzeiten und Verletzungen zwischen den Jahren 2010 und 2019 untersucht. Die Daten stammen aus der deutschen Bundesliga, der italienischen Serie A und der spanischen Primera Division. Das Ergebnis: „Präsentismus“-Effekte betreffen überdurchschnittlich oft Akteure, die Führungsspieler in ihrer Mannschaft sind. Als Beispiel nennt Sonnabend Thomas Müller: „Als Leistungsträger läuft er trotz Knieverletzung beim EM-Spiel gegen Ungarn auf, um sein Team zu unterstützen“, betont der Wissenschaftler. Neben dem Aspekt, dass es sich oftmals um Führungsspieler handelt, nennt Sonnabend zusätzlich das „hohe Arbeitsaufkommen“. „Es gibt in so ziemlich jedem Job Phasen, da ist so viel los, dass man nicht krank werden kann oder das Gefühl hat, es sich nicht leisten zu können. In einer Steuerberatung ist das kurz vor Jahresabschluss, im Fußball ist das – von internationalen Turnieren einmal abgesehen – besonders die zweite Hälfte einer Saison“, erklärt der Wissenschaftler

Weitere Informationen zur Studie finden Sie hier

Insbesondere in der zweiten Hälfte der Saison, wozu auch Turniere wie die aktuelle Europameisterschaft mit K.o.-Spielen zählt, komme dieser Aspekt zum Tragen. „Die Vereine können in den Pokalspielen, in internationalen Wettbewerben, weiterkommen. Sie absolvieren zusätzliche Spiele, es geht einfach um mehr.“ Als Konsequenz des „Präsentismus“ erkannten die Wissenschaftler, dass die Verletzungsanfälligkeit ansteigt. „In der heißen Phase kehren Spieler der Teams mit den Extra-Spielen etwa nach einem Muskelfaserriss viel früher als erwartet aus ihrer Verletzungspause zurück.“ Laut den Studienergebnissen setzen sich Profifußballer, die zu früh aus einer Verletzungspause zurückkehren, dem Risiko aus, sich im Durchschnitt 27 Tage früher erneut zu verletzen.

Deutschland trifft am Dienstagabend auf England im Achtelfinale der EM 2021. (Archivfoto)

Thomas Müller ist eine schwere Verletzung in dieser Spielzeit bislang erspart geblieben. Er war lediglich, wie bereits angesprochen, „nur“ am Knie verletzt. Doch obwohl Bundestrainer Jogi Löw im Vorfeld der Ungarn-Partie zur Vorsicht mahnte, wechselte er Müller in der Schlussphase ein. Die Verantwortung trägt eben nicht nur der Spieler, sondern auch der Trainer.

Vor dem Achtelfinale gegen England sind beispielsweise zwei weitere DFB-Stars angeschlagen und drohen auszufallen. (Tobias Utz)

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