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Mit Blick auf die Skisprungschanzen beobachten die Reporter das ungestörte Training der DFB-Elf: Die Blicke neugieriger Zuschauer vom Waldweg auf der anderen Seite wurde wieder abgeschirmt.
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Mit Blick auf die Skisprungschanzen beobachten die Reporter das ungestörte Training der DFB-Elf: Die Blicke neugieriger Zuschauer vom Waldweg auf der anderen Seite wurde wieder abgeschirmt.

Jan Christian Müller berichtet

Tagebuch zur EM 2021: Den DFB zu früh gelobt

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Jan Christian Müller hat sich auf den Weg zur EM 2021 und zum Trainingslager des DFB-Teams gemacht. In seinem Tagebuch berichtet er über die Ereignisse vor Ort.

  • FR-Sportreporter Jan Christian Müller berichtet täglich aus dem Trainingslager des DFB-Teams und von der EM 2021.
  • Spannende, witzige und wichtige Hintergrundgeschichten zu Jogi Löw, der EM 2021 und der DFB-Elf.
  • Tag 6: Blickdicht verpackt, der schöne Waldweg.

Tag 6 – Da hatte ich den Deutschen Fußball-Bund wohl etwas voreilig gelobt, weil er Touristen und Fans erlaubt hatte, von einem Waldweg beim Training zuzuschauen. Die ollen Sichtschutzblenden waren leider nur einen Nachmittag entfernt worden und hängen jetzt wieder da. Blickdicht verpackt, der schöne Waldweg. Weil das so hässlich aussieht, füge ich diesem Blogeintrag lieber ein Bild in die andere Richtung, rüber zu den Skisprungschanzen, bei. Bisschen was fürs Auge. Auf der anderen Seite passt die Polizei passt auf, dass niemand am Hang vor dem Zaun hochklettert, um so einen freien Blick auf Jogi Löw und seine Männer beim Training für die EM 2021 zu erkämpfen und dabei womöglich hinunterzupurzeln.

Das ganze Gewese führt nun dazu, dass die ganz Hartnäckigen unter den Kiebitzen noch weiter den Berg hochklettern in den Wald hinein, um über die Sichtschutzblenden drüber schauen zu können und das DFB-Team beim ziemlich harten Training zu begutachten. Sinn der Sache kann das natürlich auch nicht sein, aber herrje, wir Presseleute kennen es seit ewigen Jahren nicht anders. Die Nationalmannschaft will gern so ungestört wie möglich trainieren. Nicht gesichtet wurden allerdings Späher der französischen oder portugiesischen Nationalmannschaft, den ersten Gegnern bei der EM 2021.

Und ehrlich gesagt: Viel bringen würden derlei Undercover-Aktionen sowieso nicht. Noch sind Jogis Jungs nämlich dabei, wie verrückt diagonal den Platz hoch und wieder runter zu rennen und Zweikämpfe zu üben. Sie müssen ganz schön schuften, logische Konsequenz aus den mageren Vorstellungen der vergangenen Monate. Nullsechs in Spanien, einszuzwei gegen Nordmazedonien. Man mag sich gar nicht ausmalen, was passieren könnte, wenn es irgendwann auch mal ein Südmazedonien gäbe oder ein Westmazedonien.

Tagebuch exklusiv bei FR-online

Die täglichen Tagebuch-Einträge von FR-Sportreporter Jan Christian Müller zur EM 2021 und alles rund um Jogi Löw und das DFB-Team finden Sie exklusiv bei uns online auf der Themenseite zur Fußball-EM und in unserem Newsletter zur EM 2021. Dieser erscheint während der EM täglich – Sie bleiben somit immer top informiert.

Tagebuch zur EM 2021:  Ein Herz für Kiebitze

Tag 5 – 15 Meter über dem Trainingsplatz des DFB-Teams, nur durch eine Straße getrennt, schlängelt sich ein Wanderweg um den Berg. Eigentlich eine perfekte Aussicht auf Jogi Löw und seine Männer. Tatsächlich aber war der Tourismusverband Seefeld vom DFB angewiesen gewesen, den Blick vom Waldweg auf das Übungsgelände mit Sichtschutzplanen zu verhüllen. So sollten Fans (oder gegnerische Späher!?) davon abgehalten werden, geheime Informationen aus der Höhle des Löw zu erhaschen und den Trainingsablauf zu stören.

Insgesamt 2,5 Kilometer Sichtschutz (!) habe er um die weitläufigen Trainingsstätten des DFB ziehen müssen, auch für die österreichische Nationalmannschaft, die zwei Tage nach den Deutschen in ihr EM 2021 Basecamp nach Seefeld anreist, berichtete mir Tourismuschef Elias Walser heute Morgen. Ich traf den 37-Jährigen in aller Früh am Corona-Testcenter an der Sportalm. Er ist ein ziemlich cooler Typ und macht den Job schon seit fünf Jahren. 

Jedenfalls: Der ursprüngliche Plan, auch den Waldweg komplett zu verhüllen, wurde noch während des Nachmittagstrainings am Samstag aufgegeben. Denn was war passiert? Einige der 100 oder 150 Kiebitze hatten einen Teil der Sichtschutzwand heruntergezogen, andere hatten sich vor die Abdeckung am steilsten Teil des Hanges direkt über der viel befahrenen Straße platziert. Ein falscher Schritt und sie hätten herunterstürzen und direkt vor den Augen der deutschen Medien überfahren werden können. Keine gute Idee.

Wenn die deutsche Nationalmannschaft im Trainingslager ist, dürfen auch die Fans an den Zäunen nicht fehlen, die einen Blick auf die DFB-Elf und Trainer Jogi Löw erhaschen wollen.

Also einigten sich Elias Walser und die Teammanagerin des DFB, Maike Seuren, schnell und unbürokratisch, noch einige Meter mehr der Sichtschutzblenden zu entfernen und so ein sicheres kiebitzen zu gewährleisten. Gute Idee!

Das intensive Trainingsprogramm von Jogi Löw wurde nicht nachhaltig gestört. Der DFB ist gut beraten, dieses vertretbare Maß an Fannähe zuzulassen. Er hat ja irgendwann dann endlich auch selbst gemerkt, dass einiges kaputtgegangen ist im Verhältnis zu den eigenen Anhängern in den vergangenen Jahren. Und Tourismuschef Walser war es ohnehin Recht so. Sichtschutzblenden an Waldwegen, findet er ohnehin, fügen sich nicht gut in die Natur.

Tagebuch zur EM 2021: Kurzfristige Ausgangssperre

Tag 4 - Der DFB und Seefeld haben keine Kosten und Mühen gescheut, damit die 120 akkreditierten Medienleute im schönen Tirol beste Arbeitsbedingungen vorfinden. Jogi Löw hat sich von den DFB-Pressesprechern Uli Vogt und Jens Grittner überzeugen lassen, dass er hin und wieder erlauben soll, die Presse, die Fotografen und das Fernsehen komplett beim Training zuschauen zu lassen. Denn alle Pressekonferenzen laufen nur virtuell als Zoom-Konferenz. Die große Sporthalle, in der die Pressekonferenzen ursprünglich stattfinden sollten, bleibt wegen Corona geschlossen. Es soll sich in der DFB-Bubble natürlich niemand anstecken.

Am ansonsten mit Sichtschutzblenden umhüllten Trainingsplatz des DFB-Teams am Stadtrand von Seefeld steht eine Stahlrohrtribüne, ungefähr 80 Meter lang, auf der die vielen Journalisten und Journalistinnen laut Protokoll sehr darauf achten sollen, dass sie Abstand voneinander halten. Zudem gibt es eine Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske. Ebenso Pflicht: Alle 48 Stunden ein frischer Schnelltest. Der wird direkt an der Sportalm, 200 Meter vom Trainingsplatz entfernt, kostenlos angeboten. Top organisiert, das Ganze!

Ein klitzekleines Problem ist aber nach dem ersten Training aufgetreten. Denn als das Übungsprogramm beendet war und die Jungs von Jogi Löw zu ihren Mannschaftsbussen und den schwarzen Shuttle-Vans trabten, wurde der Ausgang von der Pressetribüne kurzerhand geschlossen. Es hätte sonst am DFB-Bus-Parkplatz zu Vermischungen zwischen Medien und Spielern kommen können. Dann wäre die Blase vielleicht geplatzt. Stattdessen: Gedränge der Medienmeute aufgrund der kurzfristigen Ausgangssperre. Aber alles an der frischen Luft und mit Supermaske vorm Gesicht. Bisher zum Glück alle negativ! So soll es bleiben.

P.S. Habe gerade einen Anruf der Polizei Sinsheim bekommen. Geldbörse von ehrlicher Finderin abgegeben, ob meine Tochter vielleicht Emilia heißt? Heißt sie in der Tat. Hat beim Besuch ihres Bruders in Heidelberg im Taxi ihr Portemonnaie liegen lassen, irgendwo da drin muss meine Handynummer gesteckt haben. Nächste Kundin fuhr nach Sinsheim, fand die Geldbörse und deponierte sie beim nächstgelegenen Revier. Jetzt weiß ich sicher: Die leichte Verwirrung und Vergesslichkeit muss wohl in der Familie liegen. Und ich frage mich: Wieso fahren die Gören in Heidelberg Taxi? Da kann man doch zu Fuß gehen.   

Tagebuch zur EM 2021: Verpeilt hoch zehn

Tag 3 - Wie blöd kann ein Mensch nur sein? Und wie verpeilt? Habe mich früher, als mein Hirn noch voll funktionstüchtig war, über solche Leute immer lustig gemacht. Jetzt könnte ich mich über mich selbst lustig machen, wenn es nicht so ernst wäre. Denn was fand sich einen Tag nach Ankunft in meinem Rucksack in Seefeld in einer Plastikhülle hinter dem Impfpass? Genau: Mein Reisepass. Siehe Beweisfoto.

Ich hatte das gute Stück also doch dabei und hätte mir so die zwei Stunden Wartezeit am Münchner Akkreditierungscenter (siehe meinen letzten Tagebuch-Eintrag) und den anschließenden Feierabendverkehr auf dem Mittleren Ring in Richtung Jogi Löw problemlos ersparen können. Und ich erinnere mich inzwischen sogar, dass ich den Ausweis höchstpersönlich erst Mittwoch aus dem Geheimfach geholt und in die Folie gesteckt habe.

Schnurz, es waren ja nur mickrige zwei Stunden Lebenszeit auf dem Parkplatz an der Münchner Fußballarena, kein Grund zur Aufregung. Den hatte allerdings der liebe Kollege Sebastian Weßling durchaus. Der arme Sebastian, Reporter bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), musste nämlich ebenso zwei Stunden an der Akkreditierungsstelle abhängen.

Der Grund bei ihm: Er hatte in den EM 2021 Antrag die Frage auf Englisch, in welcher Stadt er geboren sei, mit "Cologne" beantwortet. Wollte halt mal den Weltmann spielen. In seinem Pass steht aber knochendeutschtrocken "Köln". Weil Cologne und Köln offenbar nicht zusammenpassten, musste die Uefa das erst noch mal checken (und wahrscheinlich einen Dolmetscher zu Rate ziehen). Dauert halt seine Zeit. Selber schuld, wenn man nicht in Bremen oder Hamburg geboren ist oder in Essen, wo Sebastian jetzt wohnt.

Tagebuch zur EM 2021: Dumm, dümmer, Müller

Tag 2 - Dummheit muss bestraft werden. Und so erfuhr ich Gerechtigkeit. Mein Plan war genial, die Umsetzung leider dilettantisch: Auf der Fahrt nach Tirol zum Trainingslager des DFB und Jogi Löw mal fix zum Uefa-Akkreditierungscenter an der Münchner Allianz Arena, um dort meine EM-Akkreditierung abzuholen. Doch, oh Schreck: Im Uefa-Computer für die EM 2021, die ja mal die EM 2020 war, war die Nummer meines Reisepasses von mir bei der Anmeldung hinterlegt worden. Ich hatte aber nur meinen Personalausweis dabei. Da half alles Bitten und Betteln nichts, auch nicht der geniale Vorschlag, dass ich mir doch einen Sreenshot meines Reisepasses von zu Hause schicken lassen könnte.

FR-Sportreporter Jan Christian Müller in München: Ohne Reisepass.

Zum Glück gab es aber Abhilfe, die allerdings zwei Stunden lang auf sich warten ließ. Die freundlichen Volunteers am Helpdesk schickten eine Mail mit der Nummer meines Personalausweises in die Schweiz zur mächtigen Uefa, dort wurden die Daten, die ich vor ungefähr hundert Jahren in meinem Uefa-Medienprofil hinterlassen hatte, abgeglichen - und siehe da: Ich bekam meinen schönen in Plastik eingeschweißten Ausweis und hatte nur ein bisschen Zeit verloren, um schließlich noch vor Sonnenuntergang wohlbehalten bei Jogi Löw und seinem DFB-Team in Seefeld anzukommen.

Erinnerungen wurden wach an das Jahr 2002, als wir damals noch gemeinsam mit der Nationalmannschaft mit einem Lufthansa-Sonderflug von Frankfurt nach Myazaki im Süden von Japan zu WM fliegen durften. Seinerzeit kam es zu einem wahren Drama. Dieter Matz, inzwischen pensionierte Reporter-Ikone des Hamburger Abendblatts, und ich hatten uns entschieden, als Allerletzte in den Jumbo einzusteigen. Der DFB hatte seine ungefähr zehntausend Kilo Kisten und Taschen verpackt, auch unsere Koffer waren längst im Gepäckraum, alle anderen waren schon so gut wie drin im Flieger, als schließlich Matz und Müller am Gate ihre Reisepässe vorzeigen sollten.

Tagebuch zur EM 2021

Das alte Handarchiv ist neu geordnet. Das Auto ist gepackt und vollgetankt, Ölstand und Reifendruck gecheckt, frisches Wischwasser eingefüllt. Am Donnerstag ist FR-Sportredakteur Jan Christian Müller nach Seefeld/Tirol aufgebrochen, um sich dort so nah wie möglich an die deutsche Fußball-Nationalmannschaft heranzupirschen. In Zeiten der Pandemie ist dabei natürlich Abstand geboten. Aber das kennt Müller auch ohne Corona, wenn es darum geht, den DFB zu großen Turnieren zu begleiten. Die Zeiten, dass Spieler und Reporter gemeinsam am Pool hocken, sind seit 1986 endgültig vorbei.

Müller berichtete erstmals 1989 über die Nationalmannschaft, damals, als sie sich sechs Tage nach dem Mauerfall in Köln mit Müh und Not gegen Wales für die WM 1990 qualifizierte. Seit 1998 ist der 57-Jährige bei allen großen Turnieren für die FR dabei, seit der EM 2008 meldet er sich regelmäßig im FR-Blog online und erzählt dort, was sich im Medientross hinter den Kulissen tut.

Nur: Dieter Matz hatte lediglich seinen Personalausweis dabei. So würde er nicht nach Japan eingelassen werden, bedeutete ihm die freundliche Lufthansa-Frau. Der Flieger würde ohne ihn gehen. Ganz sicher! Matz, ein emotionaler Typ, brach geradezu zusammen. Und noch mehr Ungemach drohte: Da sein Koffer ja irgendwo im Frachtraum verstaut war, hätte das gute Stück eigentlich entladen werden müssen. Da gab es im Grunde acht Monate nach dem 11. September kein Pardon. Das aber hätte eine Verspätung von mindestens einer Stunde bedeutet, was den Nationalspielern schwer zuzumuten gewesen wäre. Immerhin klappte es, dass ich für den armen Dieter bürgen konnte und der Koffer deshalb an Bord blieb.

Dieter Matz musste eine Nacht in einem schlichten Hotel im Gewerbegebiet Kelsterbach nächtigen, ehe seine Frau ihm aus Hamburg per Boten seinen Reisepass zugeschickt hatte. Er erreichte Myazaki per LH-Linienflug über Tokio. Die Lufthansa zeigte sich kulant: Er musste den Flug nicht noch einmal extra zahlen. Aber er erreichte Japan als nervliches Wrack.

Am Donnerstag (27.05.2021) beginnt die Reise und damit auch das Tagebuch – also: Auf nach Seefeld!

Tag 1 - Alte Hasen haben ja schon viel erlebt. Aber dieses Jahr, puuh! Die Vorbereitung auf die EM 2021 war fürs schlichte Sportreporter-Hirn anspruchsvoller denn je. Der DFB hat kurzerhand das Camp in Seefeld um vier Tage nach hinten gelegt. Fast täglich haben mich in den vergangenen Wochen Kollegen angerufen, um die aktuelle Coronalage und die Arbeitsbedingungen in Tirol zu besprechen. Der DFB hat vor zwei Wochen auf einem virtuellen Workshop zwar ein paar Antworten auf drängende Fragen gegeben, aber es bleiben auch viele Fragezeichen.

Schon vor anderthalb Jahren hatten wir uns mit einigen Reportern zusammengetan und günstige Apartments bei Familie Kerber am Rand von Seefeld gebucht. Aber 2020 fiel ja aus. Alles zeitig storniert!

Ein Jahr später freuen sich die Kerbers umso mehr auf uns und haben sogar den Preis ein bisschen gesenkt - 40 statt 50 Euro pro Nacht, weil ganz in der Nähe eine Baustelle stört - sie sind froh über jeden Übernachtungsgast. In Seefeld müssen wir uns alle zwei Tage testen lassen, um essen gehen zu dürfen und um Einlass in die Trainingseinheiten der Nationalmannschaft gewährt zu bekommen. Jogi Löw hat versprochen, dass die Trainings nicht ständig geheim gehalten werden. Wir sind gespannt. (Jan Christian Müller)

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