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Einst beim FC Porto, jetzt in Donezk: Trainer Paulo Fonseca.

Eintracht Frankfurt - Schachtjor Donezk

Die Rückkehr

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Für Gästetrainer Fonseca schließt sich ein Kreis.

Paulo Alexandre Rodrigues Fonseca hatte gelitten, 90 Minuten und noch ein paar darüber hinaus. Er hatte sich lautstark mit dem Vierten Offiziellen angelegt, er hatte geflucht, angefeuert und am Ende doch gejubelt. Die letzte Chance, so hatten die Medien in Porto Ende Februar 2014 das Europa-League-Rückspiel des Vorzeigeklubs der Stadt bei Eintracht Frankfurt betitelt – adressiert war diese Zeile an Fonseca. Nun rettete sich der FC Porto ja bekanntlich durch ein 3:3 gegen die Eintracht in die nächste Runde, Fonseca aber sollte das nicht lange vor einem Rausschmiss bewahren. Gerade mal fünf Tage und ein 2:2 gegen Guimaraes in der Liga später hatten die Vereinsbosse genug und setzten den an der Seitenlinie immer im feinen Zwirn samt Krawatte auftretenden Fußballlehrer vor die Tür. In der Liga lag Porto neun Zähler hinter Benfica Lissabon, das musste bestraft werden.

Fast fünf Jahre später ist Fonseca vor seiner Rückkehr nach Frankfurt in einer wesentlich komfortableren Situation. Bei Schachtjor Donezk, Fonsecas erster Trainerstation im Ausland, ist der 45-jährige Portugiese ein angesehener Mann. Bisher gewann er alle ihm möglichen Meisterschaften und Landespokale – jeweils zwei -, auch verfeinerte er das unter Vorgänger Mircea Lucescu doch ab und an starre Offensivspiel und machte aus Schachtjor eine spektakuläre, manchmal gar etwas zu wild agierende Mannschaft. Entsprechend gibt es immer wieder Gerüchte um englische Erstligisten, die an den Diensten von Fonseca interessiert sein sollen. In Ansätzen war auch im Hinspiel zu sehen, wofür der in Mosambik geborene und in der Nähe von Lissabon aufgewachsene Fonseca steht: Vorne ein technisch-sauberes Spiel mit überfallartigen Umschaltmomenten, hinten robuste Kompromisslosigkeit. Freilich hatte das 2:2 in Charkiw doch arg unter dem frühen Platzverweis für Schachtjor-Abräumer Taras Stepanenko gelitten. Er ist heute (18.55 Uhr) ebenso gesperrt wie Innenverteidiger Sergiy Kryvtsov nach dessen dritter Gelber Karte. „Natürlich bin ich mit einem Unentschieden nie zufrieden. Wenn man jedoch alle Umstände berücksichtigt, war das wohl das geringste Übel“, sagte Fonseca nach dem Hinspiel. Sein Team habe einen „großen Kampf“ geliefert, der auch in Frankfurt nötig sei. „Es wird eine schwierige Aufgabe für uns“, glaubt Fonseca.

Mit schwierigen Aufgaben kennt sich der 45-Jährige bestens aus. Nachdem der einstige Innenverteidiger im Sommer 2006 seine Profikarriere, die er hauptsächlich zweit- und drittklassig in Portugal verbrachte, beendet hatte, musste er sich seine Erfolge als Trainer hart erarbeiten. Fonseca lernte den Job an der Seitenlinie von der Pike auf. Er begann als Jugendcoach in Amadora in der Nähe von Lissabon, vier Jahre später war der CD Pinhalnovense, damals Drittligist, seine erste Profistation. Zweimal schaffte es Fonseca mit dem Außenseiter ins Pokalviertelfinale, sodass Erstligist Rio Aves aufmerksam wurde. Später folgte der Schritt zum noch etwas bekannteren Klub Pacos de Ferreira, mit dem er sensationell als Dritter die Qualifikation zur Champions League erreichte. Erst beim FC Porto erhielt der Weg des aufstrebenden Paulo Alexandre Rodrigues Fonseca einen ersten Dämpfer. Daran konnte auch das 3:3 in Frankfurt nichts ändern.

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