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Missliche Lage beim Club: Kapitän Hanno Behrens hilft seinem Mitspieler Eduard Löwen hoch.

1. FC Nürnberg

Köpfe unten beim Club

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Der Club ist vor dem Spiel bei Eintracht Frankfurt in einer wirklich misslichen Lage.

Es scheint fast Woche für Woche dasselbe Bild zu sein: Der Schiedsrichter pfeift ab und die Spieler des 1. FC Nürnberg sinken zusammen. Setzen sich konsterniert auf den Rasen, schauen bedröppelt zu Boden oder stemmen die Hände in die Hüfte. Es sind Zeichen der Resignation, die nach außen vor allem signalisieren: Es hat mal wieder nicht gereicht.

Kapitän Hanno Behrens ist vergangenen Sonntag nach dem unglücklichen 1:2 (0:1) bei der TSG Hoffenheim neben den üblichen Durchhalteparolen („Der Teamgeist stimmt, wir werden uns auf keinen Fall aufgeben“) noch ein verräterischer Nebensatz herausgerutscht: „Auch wenn es irgendwann vorbei ist, werden wir die Spiele zu Ende bringen.“ Natürlich ist der wackere Mittelfeldkämpfer, der einst beim SV Darmstadt 98 hohes Ansehen genoss, keiner, der die Flinte ins Korn wirft. Aber auch Behrens spürt ja: Die Episode Bundesliga könnte alsbald vorbei sein.

Eintracht Frankfurt trifft auf einen angeschlagenen Gegner

Seit 19 Spieltagen warten die Franken auf einen Sieg. Eine historisch schlechte Bilanz. Und nur weil Hannover 96 ähnlich weit entfernt vom Erstligaanspruch ist wie der Neuling aus dem Frankenland, muten die 13 Punkte nicht ganz so schrecklich an. Was nichts an der Tatsache ändert: Nürnberg macht aller Voraussicht direkt wieder kehrt in die zweite Liga, wo der Club zuvor schon vier Jahre spielte. Die Phase hat dem Verein sportlich und wirtschaftlich nicht gut getan, das ist ja klar. Die zweite Liga kann solch einen stolzen Traditionsverein auszehren, und dass der einstige Rekordmeister immerhin noch 2007 Pokalsieger wurde, kommt vielen leidgeprüften Anhängern wie eine Episode aus einer anderen Epoche vor.

Immerhin: In Marek Mintal fungierte einer der Helden von damals gerade als Co-Trainer von Boris Schommers, der in dieser Saison den Aufstiegstrainer Michael Köllmer ablöste. Der 40-Jährige Interimscoach kann aber auch nicht mehr als den Mangel zu verwalten. Für das Auswärtsspiel im Frankfurter Stadtwald bleibt ihm nichts anderes übrig, als die üblichen Phrasen zu bemühen. „Es ist nicht verkehrt, dass Frankfurt am Donnerstag ein schwieriges Spiel bestreiten muss“, glaubt Behrens. Aber auch der 28-Jährige müsste wissen: Das war auch in der Hinrunde beim 1:1 nur bedingt ein Vorteil: Der Club führte durch ein Tor von Adam Zrelak nach 78 Minuten mit 1:0, brachte den Vorsprung aber nicht über die Zeit, weil Sebastien Haller in der Nachspielzeit traf.

Das Hauptmanko war auch im Herbst 2018 im Max-Morlock-Stadion schon offensichtlich: Die Mannschaft ist schlicht zu harmlos. Desto weiter sich das Spiel nach vorne verlagert, umso hilfloser wirkt alles. 19 Tore aus 25 Partien sprechen eine deutliche Sprache. Schommers redet allerdings etwas umständlich darüber: „Im vertikalen Spiel, wenn wir schnell umschalten, können wir zu Chancen kommen.“ So weit die Theorie. In der Praxis hapert die Umsetzung oft schon daran, dass den Pässen für diese Umschaltbewegungen die Präzision fehlt. Nürnberg hat mit 93 Chancen folglich nach Hannover (85) die wenigsten Tormöglichkeiten. Keine vier pro Spiel,

Ishak ist oft allein

Stürmer Mikael Ishak, der bislang mit drei Treffern hinter Behrens (vier) bester Schütze ist, will keine Kollegen angreifen, hat zuletzt das Dilemma geschildert, in dem er sich bewegt: „Wir haben wenig Torschüsse, besonders im Sechzehner.“ Dem schwedischen Nationalspieler muss diese Saison wie ein schlechter Film vorkommen. In der Aufstiegssaison hatte der 25-Jährige noch ein volles Dutzend Mal genetzt, und es soll durchaus Vereine gegeben haben, die an Nürnbergs Nummer neun Interesse anmeldeten. Ishak blieb bei dem Verein, bei dem er überhaupt erst nach einigen Wirrungen seiner Karriere durchstarten konnte. Der im Januar 2017 von Randers FC aus Dänemark geholte Mittelstürmer bekommt die meisten Bälle oft 50, 60 Meter vor dem Tor. Der 1,85-Meter-Mann Ishak soll sie festmachen, weiterverarbeiten, was ihm bisweilen ganz gut gelingt. Problem nur: Das Spielgerät sieht er nur selten wieder, wo er es bräuchte: im gegnerischen Strafraum.

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