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Traf für Augsburg per Elfmeter: Florian Niederlechner (li.), hier von Jeremiah St. Juste bearbeitet.

Augsburg - Mainz 2:1

Wie einst in Mainz

Achim Beierlorzer beschwert sich nach der Niederlage in Augsburg massiv über den Einsatz des Videoassistenten - die Klage ist nicht neu.

Gestenreich diskutierte Achim Beierlorzer noch eine Stunde nach dem Spiel über die folgenschwere Elfmeterentscheidung. Seine erste Bundesliga-Niederlage als Cheftrainer des FSV Mainz 05 wollte er mit dem 1:2 beim FC Augsburg zwar nicht nur dieser Szene zuschreiben. Doch einfach hinnehmen wollte er die via Videoassistent korrigierte Situation vor dem entscheidenden Gegentreffer durch Florian Niederlechner (65./Foulelfmeter.) nicht.

„Es ist ganz einfach indiskutabel. Respektlos uns Trainern und den Spielern gegenüber, sich nicht diese Minute zu nehmen und sich diese Entscheidung noch mal anzuschauen“, sagte der 52-Jährige. „Wir investieren alle so viel für diesen Sport und für diese Duelle, dann ist das in meiner Erwartung.“ Zuvor hatte Schiedsrichter Markus Schmidt nach einem Zweikampf zwischen dem Mainzer Pierre Kunde Malong und FCA-Flügelmann Ruben Vargas auf Freistoß entschieden. Nach Einschalten des Videoassistenten gab es Strafstoß.

„Wenn ich Elfmeter entscheide, hat der Videoassistent zwei Dinge zu klären: Zum einen liegt ein Foul vor und zum zweiten, wenn ja, ist es innerhalb oder außerhalb. Das erste konnte er bejahen“, erklärte Schiedsrichter Schmidt. „Und wenn der Kontakt innerhalb ist, ist es eine faktische Entscheidung. Das heißt, ich soll und darf nicht rausgehen. Das wird durchs Protokoll so abgedeckt, dass dann die Entscheidung aus Köln revidiert wird und es einen Strafstoß gibt.“ Beierlorzer würde sich bei Szenen wie der am Samstag dennoch einen anderen Umgang wünschen – Paragrafen hin oder her.

„Wir müssen diesen Videoschiedsrichter doch verbessern und optimieren“, sagte Beierlorzer und fragte: „Warum geht der Schiedsrichter nicht raus und schaut sich die Szene an? Wenn er Fußballer ist, sagt er, das ist niemals ein Elfmeter und revidiert. Dann haben wir tatsächlich einen etwas gerechteren Fußball.“

Die Klage des Franken fiel aus zweierlei Gründen so heftig aus: Zum einen hätte Schmidt bei näherer Betrachtung sehr wohl erkannt, dass der Augsburger Vargas gar keine andere Intention verfolgte, als bei seinem Mainzer Gegenspieler einzufädeln. Zum anderen war Beierlorzer in seiner Zeit beim 1. FC Köln ja deshalb am 25. Oktober mit 1:3 bei seinem aktuellen Arbeitgeber unterlegen gewesen, weil ihm schon da der VAR-Einsatz übel mitgespielt hatte. Zur Erinnerung: An jenem Freitagabend bekamen die Rheinländer beim Stande von 1:2 keinen Elfmeter, obwohl der Mainzer Verteidiger Moussa Niakhaté wie ein Verkehrspolizist an der Straßenkreuzung den Arm abspreizte und damit den Ball aufhielt. „Das war ein strafbares Handspiel“, räumte später sogar der DFB selbstkritisch ein. Schiedsrichter Frank Willenborg hatte sich die Szene sogar am Monitor nochmals angeschaut, sich aber nicht korrigiert. Beierlorzer sagte damals: „Fehlentscheidungen gab es auch früher. Aber durch den Videokeller fühlen sie sich jetzt noch schlechter an.“

Kollege Martin Schmidt, früher selbst lange für die Nullfünfer verantwortlich, wollte am Samstag das Spiel „nicht auf eine Szene runterbrechen“. Eigentlich hätte die Partie längst zugunsten stark verbesserter Augsburger entschieden sein müssen. Das 1:1 nach der Mainzer Führung von Levin Öztunali (15.) und den Ausgleich von Marco Richter (41.) war für die vor allem erste Halbzeit schwach spielenden Gäste schmeichelhaft. Allerdings hätte auch ein glücklicher Punkt bis Weihnachten sehr geholfen: Nun stehen die Rheinhessen auch unter Beierlorzer in den Spielen gegen Borussia Dortmund (14.12.), Werder Bremen (17.12.) und Bayer Leverkusen (21.12.) wieder ziemlich unter Druck. (dpa/hel)

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