Gerade erst ist Marvin Pourié vom Karlsruher SC (17. Platz der zweiten Liga) zu Eintracht Braunschweig (Fünfter der dritten Liga) gewechselt.
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Gerade erst ist Marvin Pourié vom Karlsruher SC (17. Platz der zweiten Liga) zu Eintracht Braunschweig (Fünfter der dritten Liga) gewechselt.

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  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Es ist schwer in Mode gekommen, dass Spieler nach einem Vereinswechsel nicht gegen ihren Ex-Klub spielen dürfen. Man kann das fragwürdig finden. Oder nachvollziehbar. Ein Kommentar.

Im Winter-Transfermarkt der Fußball-Bundesliga ist es dieses Jahr so dynamisch und kostenträchtig wie nie zugegangen. 200 Millionen Euro haben die 18 Erstligisten in Ablösesummen oder Leihgebühren für kickendes Personal investiert, eine Steigerung von deutlich mehr als hundert Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch etwas fällt ins Auge: Nie zuvor gab es derart viele Verbotsklauseln über den Einsatz eines Profis im Spiel seines neuen Klubs gegen den alten Verein. Als da wären: Der Neu-Frankfurter Stefan Ilsanker muss heute Abend im Pokal gegen seinen Ex-Arbeitgeber RB Leipzig aussetzen. Stürmer Davie Selke kann am 7. März nicht zur Bremer Elf gegen Hertha BSC stehen. Mark Uth darf am 28. Februar nicht mit dem 1. FC Köln gegen Schalke 04 spielen.

Die abgebenden Vereine Leipzig, Hertha und Schalke haben auf eine derartige Abmachung bestanden - sei es als Gentleman´s Agreement oder als konkret schriftlich festgehaltener Vertragsinhalt. Andernfalls hätten sie die Spieler nicht gehen lassen. Alle drei Klubs befanden sich schlicht in der dominanten Verhandlungssituation, eine solche Nebenabrede durchzudrücken. Sie wollen so vermeiden, dass ein gerade verkaufter (Ilsanker) oder verliehener Spieler (Selke, Uth) zeitnah nach seinem Transfer dazu beiträgt, ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub Tore zu schießen, Pässe zu schlagen und grimmige Zweikämpfe zu gewinnen.

Als „Grifo-Klausel“ hat es diese Volte zu einiger Berühmtheit gebracht. Beim gleich zweimaligen Transfer von Vincenzo Grifo von der TSG Hoffenheim zum SC Freiburg im Januar und August 2019 hatte sie jeweils gegriffen. Beide Male, sowohl im Zuge der Leihe im Winter als auch beim endgültigen Verkauf im Sommer, versagte der abgebende Klub dem Spieler einen unmittelbaren Einsatz für die Freiburger gegen Hoffenheim. Ungeachtet wütender Kommentare verschiedener Medien und in Fanforen im Januar, handelte Hoffenheim ein paar Monate später wieder ungerührt genauso. Bei der TSG herrschte offenbar die Meinung vor: Auch ein Spieler, der nicht gut genug für unsere Mannschaft ist, kann gut genug sein, uns wehzutun. Also spielt er besser nicht.

Man kann das professionell finden oder als mangelnden Sportgeist geißeln. Verhindern lässt es sich auch durch die Richtlinien von DFB und DFL nicht. Denn solange die Spielgenehmigung des betreffenden Profis vorliegt, steht aus Sicht der Verbände einem Einsatz nichts entgegen. Das Binnenverhältnis des abgebenden Vereins zum aufnehmenden Klub wäre allerdings irreparabel gestört, sollte sich Letzterer nicht an die Abmachung halten. Man sieht sich oft zweimal im Leben.

Und um ehrlich zu sein: Mitunter kann man die Furcht ja sogar verstehen. Aktuelles Beispiel: Gerade erst ist Marvin Pourié vom Karlsruher SC (17. Platz der zweiten Liga) zu Eintracht Braunschweig (Fünfter der dritten Liga) gewechselt. Der Torjäger hatte in der Vorsaison mit 22 Treffern großen Anteil am Aufstieg der Karlsruher. Darauf setzen nun auch die Braunschweiger. Sollte es aber im Mai zu zwei Relegationsspielen zwischen den Badenern und den Niedersachsen kommen, muss Pourié jeweils tatenlos zusehen. Beim KSC hätten die Verantwortlichen wenig Lust auf die Häme und den Spott, würde ihr Ex sie eine Klasse tieferbolzen.

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