+
Nils Petersen, ein kluger Kopf.

Bundesliga-Kommentar

Einfach mal zuhören

  • schließen

Nils Petersen hat nur darauf aufmerksam machen wollen, dass Fußball in Deutschland ein bisschen wie eine Religion behandelt werde. Und das stimmt fraglos. Ein Kommentar.

Es gehört zu den Gepflogenheiten der Fußball-Bundesliga, dass mittlerweile auch bei Amazon allwöchentlich der Ball rollt. Die Plattform ist Audio-Heimat aller 617 Pflichtspiele der Ersten und Zweiten Bundesliga (inklusive Relegation) und pünktlich zu jedem Freitagsspiel kommt einer der Protagonisten bei „Amazon Music“ zu Wort. Im Falle des vor dem Derby SC Freiburg gegen den VfB Stuttgart vernommenen Nils Petersen lohnt es sich, hineinzuhören. Und dem ebenso treffsicheren wie reflektierenden Mittelstürmer das Ohr zu schenken.

Denn da hat einer wirklich etwas Wichtiges zu erzählen. Etwa von den Folgen seines Interviews gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Focus“ im vergangenen Dezember. Seither geht die Gleichung ja bei Namensnennung Nils Petersen so: Das ist derjenige Profi, der beklagt hat, in seiner Karriere zu verblöden. Und dann kamen noch Schlaumeier daher, die ihm geraten haben, mal ein Buch zu lesen.

Der 29-Jährige hat festgestellt, dass die Aussage aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Er habe doch nur darauf aufmerksam machen wollen, dass Fußball in Deutschland ein bisschen wie eine Religion behandelt werde. Und das stimmt fraglos.

Wer beobachtet, wie sich Jugendliche und Heranwachsende mit dem Unterhaltungsbetrieb tagaus, tagein auseinandersetzen, Spielernamen, Spieldaten und Spielereignisse auswendig aufsagen können, aber im Gegenzug Grundrechenarten nicht beherrschen und das Grundgesetz nicht kennen, der kann diese Aussage nur unterschreiben.

Solidarität mit Per Mertesacker

Und es ehrt Petersen auch, dass er glaubt, dass Fußballer viel zu hoch eingeschätzt würden und er doch nur zum Ausdruck bringen wollte, dass andere Leute zu kurz kommen. Seine Klassenkameraden, die auf der Schulbank besser waren als er, hätten mit Ausbildung und Studium ein Level erreicht, bei dem er nicht mehr mitkomme. Selten macht sich einer so klein, dem Wochenende für Wochenende Zehntausende ausgiebig zujubeln. Und wenn er nur einen Elfmeter verwandelt.

Zudem ehrt es die Nummer 18 des Sportclubs, dass er sich auch mit Per Mertesacker solidarisiert, der den immensen Druck angesprochen hat, der selbst hünenhaften Verteidigern so sehr zu schaffen macht, dass sich ihnen kurz vor Spielbeginn im wahrsten Sinne des Wortes der Hals umdreht. Er, Nils Petersen vom SC Freiburg, habe es deswegen viel besser, weil in der badischen Idylle niemand mit dem Finger auf ihn zeige, wenn ein Spiel nicht gewonnen wird.

Petersen kann so viel kluge Sachen sagen, dass Bundestrainer Joachim Löw – er kommt ja aus dem Breisgau – den Freiburger Musterprofi doch eigentlich zur WM nach Russland mitnehmen müsste. Nicht unbedingt als Stürmer Nummer vier oder fünf, sondern einfach als erster Botschafter Deutschlands, der auch mal abseits des Platzes etwas Weltmeisterliches von sich gibt. Der Klartext redet, der mit Kontext versehen ist. Vertiefende Betrachtungen könnten noch wichtig werden. Weil der Präsident der Gastgebernation sich mit seinen fragwürdigeren Machenschaften von Tag zu Tag angreifbarer macht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion