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Eine Wüste für Homosexuelle

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Von: Jan Christian Müller

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Alexander Wehrle,
Alexander Wehrle, © dpa

„Liebe kennt keine Pause“ macht Druck auf Katar, Fifa und DFB

Der Frankfurter Römer zum Anbruch der Nacht in den Farben des Regenbogens als nach außen hin sichtbares Lichtzeichen: Die Initiative „Liebe kennt keine Pause - gegen Homophobie in Katar“ drückt ein halbes Jahr vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft aufs Tempo. Die Stadt Frankfurt unterstützt sie dabei. Denn noch ist Katar nicht nur landschaftlich, sondern auch im Umgang mit Schwulen und Lesben eine Wüste.

Die Initiatoren Benjamin Näßler, „Mr. Gay Germany 2020“, und der Frankfurter Medienmanager Bernd Reisig durften den prunkvollen Kaisersaal des Römers nutzen, um ihre Botschaft weiter zu verbreiten. Vor geladenen Gästen stellte sich dabei der Vorstandschef des VfB Stuttgart, Alexander Wehrle, an die Seite der Aktionsgruppe. Der neue Aufsichtsrat des Deutschen Fußball-Bundes hielt die zentrale Rede und forderte das WM-Gastgeberland auf, „die universellen Rechte der Gäste zu respektieren, ganz so, wie die Gäste auch die Werte der Gastgeber respektieren“.

Wehrle zeigte sich auch mit Blick auf den hiesigen Profifußball „hundertprozentig sicher, dass „ein offen homosexueller Fußballer viel mehr Zuneigung als Ablehnung“ in deutschen Stadien erfahren würde. Bisher hat sich aus der Fußball-Bundesliga aber lediglich sein Vorgänger im Vorstand des VfB Stuttgart, Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger, geoutet - und das auch erst nach dessen aktiven Karriere.

Benjamin Näßler, der die Kampagne vor anderthalb Jahren initiiert hat, forderte den Deutschen Fußball-Bund auf, „in Katar ein klares Zeichen zu setzen“. Alles, was das Gastgeberland und die Fifa bislang zu dem Thema vorgebracht hätten, seien „reine Lippenbekenntnisse“. Für ihn gebe es gegenwärtig „keine Vorfreude auf diese WM“. Es sei ihm ein besonderes Anliegen, „dass queere Menschen in Katar auch nach der WM ihre Neigungen nicht verheimlichen müssten. „Wir müssen unsere Stimme erheben für Menschen“, die in ihrer Heimat Angst davor hätten, sich zu offenbaren. Näßler wies darauf hin, dass Homosexuellen im Wüstenemirat bis zu drei Jahren Haftstrafe drohten.

Bislang hat die Initiative „Liebe kennt keine Pause“ laut Selbstauskunft 35 000 Unterschriften unter einer Petition gesammelt mit der Forderung, die Diskriminierung von Homosexuellen im WM-Gastgeberland zu beenden. Am 28. Mai wird rund ums das Frankfurter Waldstadion ein Fußballturnier stattfinden, um dem Anliegen weitere Aufmerksamkeit zu verleihen.

Für das am 21. November beginnende WM-Turnier in Katar hat der Stuttgarter Fußballboss Wehrle schon mal eine pfiffige Idee vorgebracht. Gemeinsam mit dem Frankfurter Stadtrat Stefan Majer und Bernd Reisig könnte er sich vorstellen, ein Dreierzimmer zu buchen. Die Hotelmanager vor Ort würden sogar im katarischen Winter ins Schwitzen geraten. Schwule in einem Zimmer ihrer Herbergen lehnen die meisten ab.

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