DFB-Präsident Fritz Keller.
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DFB-Präsident Fritz Keller.

Deutscher Fußball-Bund

Eine viertel Million für den Präsidenten

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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DFB veröffentlicht Einkünfte der führenden Ehrenamtler und erwartet für 2020 einen Verlust von 16 Millionen Euro.

Erstmals in der wechselvollen Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes sind die Einkünfte der „ehrenamtlichen“ Führungskräfte transparent gemacht worden. Ein eigens dafür installierter Vergütungsausschuss mit dem Ex-Boss von Eintracht Frankfurt, Heribert Bruchhagen, hat jetzt im Auftrag des DFB die Zahlen veröffentlicht, die rückwirkend ab 1. Oktober 2019 gezahlt werden.

Präsident Fritz Keller kassiert 246 000 Euro brutto im Jahr, Schatzmeister Stephan Osnabrügge 166 800 Euro, der erste Vizepräsident Rainer Koch 144 000 Euro, der weitere Vizepräsident Peter Peters, gerade bei Schalke 04 ausgeschieden, 78 000 Euro. DFL-Vertreter Christian Seifert (zusätzlich zu seinem Gehalt als Ligaboss) 63 600 Euro. Solange im DFB Kurzarbeit wegen Corona herrscht, verzichten diese fünf Herren auf zehn Prozent. Das weitere Dutzend stimmberechtigter Präsidiumsmitglieder erhält 51 600 Euro als jährliche Aufwandsentschädigung und kann zudem Verdienstausfälle geltend machen.

Interessant: Für Präsidiumsmitglieder, die zugleich Mitglieder in Gremien der internationalen Verbände Fifa und Uefa sind und dort recht fürstlich mit jeweils mehr als 200 000 Euro jährlich entlohnt werden (was derzeit auch den gerade in die Uefa-Exekutive gewählten Bayern Koch zutrifft), gilt eine Deckelung auf insgesamt 246 000 EUR pro Jahr. „Übersteigt die Gesamtvergütung eines Präsidiumsmitgliedes diesen Betrag, wird die DFB-Aufwandsentschädigung entsprechend gekürzt“, teilte der DFB mit.

Nicht veröffentlicht werden die jährlichen Millionen-Euro-Bezüge der angestellten hauptamtlichen Mitarbeiter wie Elite-Direktor Oliver Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw. Sie verzichten derzeit laut Bierhoff wegen der Corona-Krise auf 20 Prozent ihrer DFB-Gehälter.

Der DFB geht davon aus, so Schatzmeister Osnabrügge, „mit blauen Flecken, aber gesund“ aus der Corona-Krise zu kommen. Osnabrügge konnte am Freitag bei der Bilanz-Pressekonferenz des Verbandes einen Gewinn von fast 20 Millionen Euro für das Jahr 2019 berichten, der vor allem den extrem von 41 auf 97 Millionen Euro gestiegenen Sponsoringeinnahmen zu verdanken ist. Hintergrund: Der DFB konnte beim neuen Partner Volkswagen einen viel höher dotierten Vertrag unterschreiben als zuvor mit dem jahrzehntelangen Premiumpartner Mercedes. Zudem stiegen die Einnahmen von Ausrüster Adidas überdimensional.

Rücklagen schrumpfen

Für das laufende Corona-Jahr fürchtet der DFB schlimmstenfalls einen schmerzlichen Verlust von 77 Millionen Euro, wenn gar keine Länderspiele stattfinden könnten. Danach sieht es freilich nicht aus, statt der ursprünglich angesetzten zehn Länderspiele dürften immerhin deren acht im Herbst noch durchgeführt werden. Heraus käme für das Geschäftsjahr 2020 ein zu erwartender Verlust von 16 Millionen Euro, den der Verband leicht aus seinen Rücklagen von zuletzt 139 Millionen Euro ausgleichen kann. Zudem werden allerdings 75 Millionen Euro aus diesem Rücklagen-Topf in den Bau der 150 Millionen Euro teuren DFB-Akademie auf der alten Frankfurter Galopprennbahn gesteckt, so dass der einstmals fast überquellende Geldspeicher arg auf rund 50 Millionen Euro zusammenschrumpft. Mehr als 40 Millionen Euro möchte Osnabrügge dort ständig vorrätig haben - als Sicherheit für künftige schlechte Zeiten.

Insgesamt beschäftigt der DFB inklusive sportlicher Leitung und Trainerstab 392 Mitarbeiter, die 2019 zusammen rund 72 Millionen Euro an Gehältern überwiesen bekommen haben.

Fast 18 Millionen Euro steckt der DFB in die Talententwicklung (unter anderem 366 Stützpunkten für Kinder). In etwa genauso viel Geld bekommen die 21 Landesverbände alljährlich überwiesen. Dabei soll es trotz Corona auch in 2020 bleiben.

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