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Eine Trio zwischen Freude und Frust

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Von: Frank Hellmann

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Schalker Jubelgarant: Simon Terodde.
Schalker Jubelgarant: Simon Terodde. © IMAGO/RHR-Foto

Schalker Ekstase, Hamburger Hoffnung, Bremer Entsetzen: die Traditionsvereine liefern sich ein heißes Rennen um den Aufstieg in die Bundesliga - entschieden ist noch lange nichts.

Vermutlich werden viele Schalker Fans diesen Ausflug in die badische Provinz so schnell nicht vergessen. Die königsblaue Gemeinde hatte mal eben schnell das eigentlich nicht mehr den Richtlinien der Deutschen Fußball-Liga (DFL) entsprechende Stadion am Hardtwald des SV Sandhausen umfänglich in Beschlag genommen, und was sich dann am Freitagabend hier zutrug, taugt vermutlich zur Legendenbildung. In der Nachspielzeit stocherte mal wieder Simon Terodde die Kugel, diesmal irgendwie mit links, über die Linie.

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Sein Doppelschlag, bereits der Saisontreffer 26 und 27 des Robert Lewandowski aus dem Unterhaus, sicherten das 2:1 und gleichzeitig die Tabellenführung. Interimstrainer Mike Büskens fühlte sich an einen historischen Triumph vor einem Vierteljahrhundert erinnert: „Ich habe mit Schalke 25 000 Fans beim Uefa-Cup-Sieg in Mailand erlebt. Aber das war heute ein zweites Mailand.“ Mit welcher Ekstase die Schalker feierten, wie der 34 Jahre alte Matchwinner Terodde am Sky-Mikrofon kaum noch einen Ton herausbrachte („Ich habe keine Stimme mehr“) – das alles ist vermutlich nur mit den fulminanten Wallungen rund um Schalke zu erklären. Der Bundesliga-Absteiger kann am Samstagabend gegen den FC St. Pauli bereits alles für den Wiederaufstieg klarmachen. Zumal die Kiezkicker nach einem 1:1 gegen den 1. FC Nürnberg auf dem harten Boden der Tatsachen landeten.

St. Pauli nur noch Fünfter

Die Köpfe am Millerntor gingen nicht zum ersten Male in den letzten Wochen nach unten. Trainer Timo Schultz („Wir haben 1:1 verloren“) findet zwar kein Gegenmittel gegen die Nachlässigkeiten kurz vor Schluss, hat aber immerhin versprochen, spätestens auf Schalke seine Mannschaft wieder aufgerichtet zu haben.

Es würde irgendwie zu diesem verrückten Zweitligafinish passen, wenn auch St. Pauli noch einmal zurückkäme. So wie der große Stadtrivale Hamburger SV wieder mitmischt. Das ungefährdete 4:0 beim Absteiger FC Ingolstadt hat die Rothosen bis auf drei Punkte an den Relegationsplatz gebracht. „Die Saison ist noch nicht zu Ende. Es gibt bei der Verrücktheit der Liga keine Garantien“, sinnierte Manager Jonas Boldt. Gegen Hannover 96 und bei Hansa Rostock sind weitere Siege drin, aber reicht das?

Zünglein an der Waage für die Hamburger Hoffnungen sind die Bremer. Beim SV Werder herrschte am Freitagabend tiefe Trauer. Fassungs- und Ratlosigkeit machten sich rund ums Weserstadion breit, weil dieselbe in der Vorwoche noch für ihren reifen 4:1-Coup auf Schalke gefeierte Mannschaft es fertig brachte, einen 2:0-Vorsprung gegen Holstein Kiel zu verdaddeln. „So steigen wir nicht auf“, schimpfte Verteidiger Marco Friedl zu Recht. Trainer Ole Werner kritisierte mangelnde Körperspannung und schludriges Abwehrverhalten. Zwei Eigentore von Niclas Füllkrug und Anthony Jung leiteten eine nicht unverdiente 2:3-Niederlage ein.

Werder hat es nicht mehr selbst in der Hand. Zur Frustbewältigung richteten die Hanseaten sogar auf Twitter einen virtuellen Kummerkasten ein, auf dem die Fans alles loswerden konnten, was ihnen missfiel. Überraschend fielen die Kommentare sogar einigermaßen gesittet aus. Bei Aufgaben gegen Erzgebirge Aue und Jahn Regensburg ist ja auch Werder nicht weg vom Fenster, aber vor allem Schalke kann sich jetzt viel weiter herauslehnen.

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