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Eine Stadt im Taumel

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Von: Andreas Morbach

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Ausdruck der Zuneigung und Begeisterung: Fans fluten die Arena in Köln.
Ausdruck der Zuneigung und Begeisterung: Fans fluten die Arena in Köln. © dpa

Die Fans feiern ihren 1. FC Köln trotz des 0:1 gegen den VfL Wolfsburg für das Erreichen der Conference League ausgelassen.

Jonas Hector hatte sich erst mal auf den Boden plumpsen lassen und hockte nun etwas unschlüssig im Mittelkreis, als die ersten Kölner Fans an ihm vorbeistürmten. Viele von ihnen zerrten am Kapitän des Geißbockklubs herum, der nach dem 0:1 gegen Wolfsburg aber weder Lust noch die Kraft hatte, in die Feierlichkeiten mit einzusteigen. Stattdessen schleppte er sich irgendwann langsam vom Rasen – und während Hector und seine Kollegen in der Kabine saßen, fluteten Tausende FC-Anhänger den Innenraum des Stadions und zelebrierten die Rückkehr ihres Vereins in den Europapokal.

Als die Rheinländer im Mai 2017 letztmals den Sprung auf die internationale Bühne geschafft hatten, flossen bei Anthony Modeste die Tränen. Eine feuchte Vorahnung des Franzosen, knapp zwei Monate später wurde der wertvolle Torfabrikant (damals 25 Saisontreffer) für rund 30 Millionen Euro nach China zu Tianjin Quanjian transferiert. Diesmal lachte Modeste, als er – mit nun 19 Toren in der laufenden Runde – von den Fans auf Händen durchs Stadion getragen wurde. Und später kommentierte er die zuverlässig wabernden Wechselspekulationen: „Wer hat gesagt, dass ich den Verein verlasse? Niemand. Ich habe einen Vertrag bis 2023 und genieße die Zeit mit meinen Kollegen. Das ist schon, was ich will.“

Was die Kölner durch die Bank gerne gehabt hätten: Bei der frisch vollzogenen Qualifikation für Europa nicht auf die Unterstützung des Lokalrivalen Leverkusen und dessen Sieg in Hoffenheim angewiesen gewesen zu sein. „Ich weiß nicht, ob wir uns bedanken müssen. Wir haben es schon selbst geschafft“, murmelte Offensivspieler Mark Uth trotzig. Der Ex-Schalker räumte angesichts der verlorenen Partie gegen den VfL aber auch ein: „Ich weiß es selber noch nicht so genau, wie glücklich ich bin.“

Viel Lob für Baumgart

Die Kölner Fans, die noch Stunden nach dem Abpfiff ausgelassen feierten, hatten da ein deutlich klareres Gefühl. Und reichlich Aufmunterung bekamen die Beinahe-Absteiger der Vorsaison zudem von ihren Gästen.

„Für mich ist es heute perfekt gelaufen: Ich habe getroffen, und trotzdem spielt der FC wieder europäisch“, betonte das Kölner Eigengewächs Yannick Gerhardt, der kurz vor der Pause das Tor des Nachmittags erzielt hatte. Und Cheftrainer Florian Kohfeldt beteuerte: „Den Kölner beim Feiern zuzugucken, macht mir sehr viel Spaß. Das ist ein sympathischer Verein. Außerdem mag ich Steffen, das ist kein Geheimnis.“

Deshalb klopfte Kohfeldt dem Kollegen Baumgart beim gemeinsamen Abmarsch aus dem Presseraum wohlwollend gegen die Brust. Das ließ sich der gebürtige Rostocker gerne gefallen – auch wenn er sichtlich daran zu kauen hatte, dass seine Kölner von Union Berlin runter auf Rang sieben geschubst worden waren.

Diese Platzierung reicht am Ende zur Teilnahme an den Playoffs für die Conference League. Eine Niederlage der Eisernen am letzten Spieltag gegen Bochum und ein Kölner Sieg bei den Klassenkämpfern aus Stuttgart würde den Effzeh allerdings direkt in die lukrativere Europa League katapultieren. „Dass die Leute feiern, auch auf dem Rasen, ist in Ordnung. Mir fällt es ein bisschen schwer, Euphorie zu empfinden“, beschrieb Baumgart seine entsprechende Stimmungslage, verriet aber auch: „Wenn ich auf die Tabelle schaue, sehe ich mich innerlich grinsen.“

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