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Eine letzte Warnung für die Uefa

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Von: Frank Hellmann

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Gedränge vor dem Stadion: Das Spiel im Stade de France begann deshalb mit 36 Minuten Verspätung.
Gedränge vor dem Stadion: Das Spiel im Stade de France begann deshalb mit 36 Minuten Verspätung. © dpa

Chaotische Szenen vor dem Stade de France: Der europäische Fußballverband zeigt sich nicht zum ersten Mal in diesem Jahr überfordert mit der Organisation in einem Finalstadion. Das darf in Zukunft nicht mehr passieren. Der Kommentar.

Auffallend häufig trifft die englische Stürmerlegende Gary Lineker noch heute ins Schwarze. So wie er früher die Bälle versenkte, hat ihn als Kommentator der Instinkt nicht verlassen. Der selbst für die BBC vor Ort in Paris weilende Experte hielt schnell fest, dass ein Weltereignis wie das Finale der Champions League zwischen Real Madrid und FC Liverpool „nicht schlechter hätte organisiert werden können“. Ins Chaos an den Einlasstoren mit Tausenden blockierten Personen geriet reichlich Prominenz: Legende Alan Kennedy oder Marvin Matip, der ehemalige Bundesprofi und Bruder von Liverpool-Spieler Joel Matip.

Die Schuldfrage auf die Schnelle und aus der Ferne zu klären, ist unmöglich. Alle müssen sich zuerst an die eigene Nase fassen. Die Uefa, die aus dem schlecht organisierten Europa-League-Finale vor anderthalb Wochen in Sevilla mal gar nichts gelernt hat, als Verpflegungsstände weit vor Anpfiff geschlossen waren, Fanmassen beider Lager im wahrsten Sinne des Worte auf dem Trockenen saßen, weil kein Wasser vorhanden war.

Doch beim Endspiel um den Henkelpott war es noch schlimmer, weil Sicherheitskräfte mit Tränengas in Menschenmengen schossen, die nicht mehr vor und zurück konnten, in denen sich Kinder befanden. Auch Fans, die entweder völlig angetrunken oder total enthemmt über Zäune kletterten, bekleckerten sich nicht mit Ruhm. Vorgegangen werden muss zudem gegen jene kriminellen Trittbrettfahrer, die massenhaft gefälschte Tickets verhökerten, was eine Sperrung der Drehkreuze verursachte. An dieser Stelle kommt wieder die Uefa ins Spiel: Es gehören mehr Karten an die Supporter und weniger an die Sponsoren vergeben, um die Engpässe zu beseitigen.

Alles in allem ist es am „Stade de Farce“, wie das britische Boulevardblatt „The Sun“ das Stade de France umtaufte, nur mit viel Glück nicht zu einer Katastrophe gekommen, die einige Zeugen sogar an das Hillsborough-Desaster 1989 erinnerte, als in Sheffield 97 unschuldige Menschen starben, die den FC Liverpool an jenem traurigen Tag unterstützen wollten. Vier Jahre zuvor, ältere Fußballfans erinnern sich gut, hatte sich beim Endspiel um den Europapokal der Landesmeister das Heysel-Unglück ereignet, als 39 Anhänger in Brüssel den Stadionbesuch wieder bei einer Partie mit Liverpool-Beteiligung mit dem Leben bezahlten.

All das schien weit weg – und ist auf einmal doch wieder ganz nah. Einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen, weil gerade noch einmal alles gut gegangen ist, wäre daher der größte Fehler, für den der europäische Fußball noch bitter bezahlen könnte. Im schlimmsten Fall mit Toten. Dazu darf es niemals mehr kommen.

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