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Der Unglücksrabe: Manuel Neuer greift im Spiel gegen den FC Augsburg am Ball vorbei und kostet den FC Bayern München zwei Punkte.

FC Bayern München

Nur eine kleine Schramme

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Die Bayern lassen sich vom Remis gegen Augsburg nicht aus der Ruhe bringen.

Man wird es nie erfahren, aber gut möglich ist es schon, dass die Teamärzte des FC Bayern München in der Nacht zum Mittwoch eine Kerze angezündet haben. Als Dank, an arbeitsreichen Stunden vorbeigekommen zu sein. Wäre es nach Niklas Süle gegangen, hätte es im Spiel gegen den FC Augsburg einen kolossalen Zusammenstoß gegeben; mit ungewissem Ausgang. „Er hätte mich in der Situation ruhig umwichsen können“, sagte der Münchner Innenverteidiger, „es war kurz vor Schluss, es wäre mir egal gewesen.“ Er, damit meinte er Manuel Neuer, doch der Torwart verzichtete auf Brachialgewalt. So konnte Felix Götze zwar zum 1:1 abstauben, aber es blieb spekulativ, wie der Zusammenprall der Kolosse geendet wäre. Neuer bringt bei 1,93 Metern 92 Kilogramm auf die Waage, Süle wird mit 1,95 Metern und 97 Kilo beschrieben. Das hätte ordentlich gescheppert.

Neuer riskierte keinen Totalschaden, und so wurden diese ersten Punktverluste als eine Schramme bewertet, die man sich beim Einparken eingehandelt hat. Eigentlich war alles gelaufen nach einer guten Fahrt, doch auf dem letzten Meter gab es nun die Delle. „Unnötig“, sagte Thomas Müller, „das tut schon weh, so kurz vor Schluss. Aber das darf uns jetzt nicht aus der Bahn werfen.“ Allgemein erweckte der FC Bayern aber auch gar nicht den Eindruck, dass da Gefahr besteht.

Es wäre ein starkes Stück, in dieses Unentschieden bereits eine Götterdämmerung hineinzudichten. Augsburg war mutig, lobte Nationalspieler Müller, die Schwaben pressten die Münchner auf jedem Zentimeter, was sicherlich ein probates Mittel ist. Doch die wahre Lesart des Spiels ist auch, dass die Münchner einfach Pech hatten, indem sie die Räume hinter der aggressiven Pressinglinie nicht ausnutzten. „Wir haben ja viele Chancen gehabt, uns hat einfach die Cleverness im Abschluss gefehlt“, analysierte Neuer. Was richtig Schlimmes sei nicht passiert.

Sanches erneut überzeugend

Will man Kritik üben, ließe sich sagen, dass es Niko Kovac mit der Rotation übertrieben hatte. Doch auch das ist nur die halbe Wahrheit. Der Coach griff zwar die Statik des Teams massiv an, doch mit Ausnahme des beispiellos ungelenken Sandro Wagner und des auf ungewohnter Linksverteidigerposition orientierungslosen Leon Goretzka hatten sie alle ihre Aufgaben vielversprechend bewältigt.

Serge Gnabry brachte sich mit trickreichen Tempodribblings in Position, und Renato Sanches marschierte durchs Mittelfeld, das er Trainer Kovac einmal mehr an Lothar Matthäus erinnerte. Es sei für ihn „eine unfassbare Ehre, mit einem der größten deutschen Spieler verglichen zu werden“, sagte der Portugiese später.

Sanches mit den meisten Schüssen

Mehrere Minuten gab Sanches – mit Hilfe eines Dolmetschers – in der Mixed Zone geduldig Auskunft. Er war sichtlich gelöst und versicherte, sich wohlzufühlen und endlich in München angekommen zu sein. Das Spiel letzte Woche bei seinem Ex-Klub Benfica Lissabon habe ihm „einen positiven Schub gegeben, das war gut für meinen Kopf“. Es sei ihm wichtig, weiter Spiele zu bekommen, um in Rhythmus zu bleiben, ansonsten aber sei er zufrieden. Nur ein Tor habe ihm gefehlt, „dann wäre es ein perfekter Abend gewesen“.

Chancen dazu hatte er. Die Statistiken wiesen Sanches als den Mann mit den meisten Schüssen auf den Kasten aus, und auch seine Ballbesitzwerte waren herausragend. Man müsse jetzt auch gar nicht viel ändern, sagte Sanches auf die Frage nach den Erkenntnissen aus den ersten Punktverlusten. Der 21-Jährige klang da wie ein routinierter Haudegen. „Die Mannschaft ist sehr gut eingestellt, wir müssen diesen Weg weitergehen.“

Nur die Absprachen im eigenen Strafraum sind ausbaufähig. Er habe „Torwart“ gerufen, erzählte Neuer, als Signal, dass ihm die Ecke gehöre. Doch Süle reagierte nicht, von ihm bekam Neuer einen Schlag in die Hüfte, und so plumpste der Ball aus seinen Händen. „Da sieht man immer schlecht aus“, sagte der Torwart, „hätte ich gewusst, dass mich der eigene Mann blockt, hätte ich lieber gefaustet. Aber nachdem ich gerufen hatte, dachte ich, der Weg sei freier.“ Im Zweifel stehen sich die Bayern höchstens mal selbst im Weg. Man kann sicher sein, dass Neuer nicht zurückzieht, sobald es ein wirklich wichtiges Spiel ist.

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