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Kevin Trapp: Eine kleine Heldenstory

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Von: Jan Christian Müller

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Elfmeter gehalten: Kevin Trapp pariert in letzter Minute gegen Israel.
Elfmeter gehalten: Kevin Trapp pariert in letzter Minute gegen Israel. © dpa

Kevin Trapp, der Torwart von Eintracht Frankfurt, steigert auch in der Nationalmannschaft seinen Stellenwert.

Es laufen gerade wieder ein paar schön zu lesende Texte in den Glamourmagazinen über den Torwart Kevin Trapp und seine ständige Begleitung. Etwa dieser in der „Bunten“: „Seit sieben Jahren unzertrennlich: Das ist seine schöne Verlobte Izabel.“ Da macht es sich umso besser, wenn man in seinem sechsten Länderspiel im ja schon reifen Alter von 31 nicht bloß 17 Rückpässe unfallfrei verarbeitet und zurück ins Spiel bringt sowie einen harmlosen Schuss aus 20 Metern abfängt, sondern ganz am Ende auch noch einen wahrhaftigen Elfmeter entschärft.

Das hat der Keeper von Eintracht Frankfurt, zur Pause eingewechselt für André ter Stegen, sehr passabel hingekriegt. Der Strafstoß in der letzten Minute der Nachspielzeit war nämlich gar nicht schlecht geschossen, scharf links, aber halbhoch, so dass Trapp die Chance hatte, seinen Astralkörper in eine sehenswerte Flugbahn zu bringen und das Gegentor zum 2:1 zu verhindern.

Nur Statistik einerseits, denn gewonnen hätte das deutsche Nationalteam den Test gegen Israel ja auch so. Aber andererseits auch bedeutend, denn erstens hat Trapp dem Spielkameraden Nico Schlotterbeck die Peinlichkeit erspart, mit seiner Schlafmützigkeit, die zum Elfmeter geführt hatte, ein Gegentor zu verursachen. Und zweitens hat Trapp ein bisschen weiter an seiner Heldengeschichte gesponnen, an der er jetzt schon seit einigen Monaten emsig arbeitet. Der Kerl hält Bälle, die er vorige Saison noch nicht gehalten hat, er ist super ins eins-gegen-eins-Situationen, fliegt raubkatzenartig zwischen seinen Pfosten in und her und greift sich krakenartig das allermeiste weg, was für seine Mannschaft Unannehmlichkeiten verspräche.

Bei Eintracht Frankfurt ist das so, Trapp wird mit Lob sehr überschüttet und hat sich das auch verdient, und im Nationalteam war es am Samstagabend nun auch nicht anders. Der Torwart kam aus dem Lächeln gar nicht mehr raus, und kaum, dass er aus der Dusche gekommen war, fand sich auf seinem Instagram-Account auch schon entsprechendes Material inklusive der tollen Parade selbst und einer Umarmung mit Unfallverursacher Schlotterbeck, das seine vielen Fans - inklusive Schlotterbeck selbst - zu entsprechenden Ergebenheitsnoten motivierte.

Einfach ist es für den „Trappo“ zu Beginn der Amtszeit von Hansi Flick nicht gewesen. Kaum war André ter Stegen wieder fit, wurde Trapp nicht mehr nominiert. Er war in der internen Rangliste hinter Platzhirsch Manuel, ter Stegen und Bernd Leno auf Platz vier abgerutscht. Das hatte der neue Torwarttrainer Andreas Kronenberg so entschieden. Kronenberg ist gleichzeitig Torwarttrainer beim SC Freiburg. Dass Trapp nun ausgerechnet dem Freiburger Schlotterbeck geholfen hat, wird ihm sicher nicht zum Nachteil gereichen.

Leno, der beim FC Arsenal nur noch zweiter Torwart ist und den es zu Bayer Leverkusen zurückzieht, ist vom ehrgeizigen Trapp fürs Erste verdrängt worden. Wenn dieser seine Form auch nur annähernd hält, sollte er seine Planungen für November und Dezember an der WM in Katar ausrichten. Wenn auch nur als Zuschauer auf der Bank.

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