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Wohin führt der Weg der Eintracht und der anderen Klubs? Die FR weiß es schon.

Bundesliga-Re-Start

Eine Folie für den Ball

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Ein Spiel, das früher Fußball hieß, wird wieder angepfiffen, still und leise unter Geistern - und die FR weiß auch schon, wie die Bundesliga ausgeht.

26. Spieltag:  Das Revierderby in Dortmund beginnt verspätet. Lucien Favre findet seinen Mundschutz nicht. Timo Werner schießt acht Tore gegen Freiburg, endlich Ruhe im Stadion, herrlich. Seine Ohrenstöpsel schenkt er dem einzigen Balljungen. Und kassiert einen Rüffel, zu wenig Abstand. Schiedsrichter Aytekin wird abgemahnt, einer der Spielbälle war nicht korrekt desinfiziert. Abends trennen sich Frankfurt und Gladbach 5:5, „habe ich’s doch gesagt“, sagt Fredi Bobic, „kuriose Ergebnisse“. Gelb-Rot für drei Düsseldorfer Spieler wegen exzessiven Abklatsches. In Hoffenheim piepst der Abstand-Warner die ganzen 90 Minuten, Dietmar Hopp vermutet Chaoten aus Dortmund am Werk. Köln gegen Mainz fällt aus, vier Mainzer positiv, die gesamte Mannschaft wird vom Frankfurter Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt. DFL-Boss Christian Seifert interpretiert das keinesfalls als Rückschlag. „Es war völlig klar, dass so was passieren könnte.“

27. Spieltag:  Lewandowski, Müller, Neuer, Thiago, Alaba und Coutinho nicht im Kader, „verletzt“ heißt es im Münchner Bulletin. Frankfurt ermauert sich ein 0:0, Timo Werner schießt vier Tore, diese Ruhe im Stadion, toll. In Wolfsburg bleiben acht der zehn Presseplätze interessehalber leer. Paderborn und Hoffenheim spielen 8:8, niemand wundert sich. Claudio Pizarro bleibt zu Hause, er zählt wegen seines Alters zur Risikogruppe. Bayern-Boss Rummenigge glaubt weiterhin an „ein Milliardenpublikum“ bei Sky. Der Kölner Keller meldet sich, aber keiner versteht das Genuschel hinter dem Mundschutz. Davie Selke wird für drei Spiele gesperrt, er hatte auf den Boden gespuckt. DFL beschließt, Spielbälle künftig mit Klarsicht-Folie zu umwickeln.

28. Spieltag:  Mainz trainiert wieder. Favre findet seinen Mundschutz, der BVB schlägt Bayern 6:1 - ohne Lewandowski, Müller, Neuer, Thiago, Alaba und Coutinho. Brazzo wehleidig: „Wir haben die Seuche.“ Augsburgs Spieler kaufen Zahnpasta und müssen komplett in Quarantäne. Seifert findet, dass sei kein Rückschlag. „Es war völlig klar, dass so was passieren könnte.“ Man könne auch über den 30. Juni hinaus spielen. Salomon Kalou fragt, wann, da ja gespielt werde, endlich die gestundeten Gehälter ausgezahlt werden. Die DFL beschließt wegen Ansteckungsgefahr: Keine Eckbälle und Einwürfe mehr, Sky überträgt jetzt frei empfangbar, Quote bislang kaum über der Feststellbarkeitsgrenze. Betroffenheit in Frankfurt: Attila ist infiziert.

29. Spieltag:  Auf Schalke haben sich drei Fans ins Stadion geschlichen, verkleidet als Hygiene-Beauftragte. Field-Reporterin Esther Sedlaczek von Sky mag nicht mehr am Feld reportieren, „mit Mundschutz erkennt mich keiner mehr“. Union Berlin weigert sich, in Gladbach zu spielen, zu nah an Heinsberg. Hertha entlässt nach vier Niederlagen und 2:32 Toren Trainer Bruno Labbadia.

30. Spieltag:  Jens Lehmann übernimmt in Berlin, Hertha sei eines „der interessantesten Projekte im Fußball“. Er wundere sich, jeder Virologe hätte eine andere Meinung zum Virus, bei gesunden jungen Menschen verursache das Virus keine Schäden. Zweikampfquote mittlerweile im Schnitt unter fünf Prozent gefallen, Eintracht Frankfurt muss in Quarantäne. DFL-Boss Seifert sieht weiterhin keinen Rückschlag, damit habe man rechnen müssen, „unser medizinisches Konzept geht auf“. Sollen die Hessen halt bis August spielen. Dortmund gewinnt 6:0 in Paderborn, obwohl nur noch acht Feldspieler auf dem Platz stehen. Die übrigen seien „verletzt“, heißt es. In Freiburg müssen die Bälle selbst geholt werden, kein Balljunge hat von Zuhause die Erlaubnis bekommen. „Lauf ich halt“, sagt Christian Streich, bis Jonathan Tah ihn wegrempelt, hinter der Maske hat er ihn nicht erkannt. Julian Nagelsmann wechselt im Übereifer sechs Mann aus. Schiri Manuel Gräfe kommt mangels Körperkontakt der Teams erstmals ohne einen einzigen Pfiff aus. Marco Reus trinkt aus Versehen aus der Desinfektionsflasche, kann weiterspielen, sogar besser. Rummenigge glaubt weiterhin an „ein Milliardenpublikum“. Die DFL überlegt, ob man nicht einen Spieltag in Taiwan austragen soll, dort gibt es kaum Infizierte.

31. Spieltag:  Weil Eintracht Frankfurt in Quarantäne steckt, wird das Pokalhalbfinale ausgelost, Eintracht hat Glück, steht im Endspiel. Schalke und Leverkusen lassen die A-Jugend spielen, alle Profis positiv getestet. Köln gegen Union fällt aus, 20 Fans in weiß-roten Farben in Müngersdorf entdeckt, zehn Hundertschaften der Polizei seien unterwegs, heißt es. Sky verzichtet auf weitere Übertragungen der Spiele, zu viele Abo-Kündigungen. Gezeigt wird statt dessen die Schmach von Cordoba von 1978, viele merken den Unterschied gar nicht.

32. Spieltag:  Die DFL bittet zur Video-Dringlichkeitssitzung. Es gebe überhaupt keinen Grund zur Sorge, sagt Christian Seifert, man könne die Saison auch bis Oktober ausdehnen. Aki Watzke eindringlich: „Wir müssen spielen. Sonst säuft die Liga ab.“ Timo Werner erzielt sein 83. Saisontor, „diese Ruhe in den Stadien“, herrlich.

33. Spieltag:  Paderborn schlägt Gladbach 8:3. Nur dieses Spiel findet statt. Ganz Frankfurt atmet auf: Attila ist genesen.

34. Spieltag:  Christian Seifert verkündet, die Saison zu unterbrechen, nicht abzubrechen. Das DFL-Konzept sei zu 100 Prozent aufgegangen, „wir konnten spielen“. Er gehe mit einem sehr guten Gefühl in die nächsten Verhandlungen wegen der TV-Rechte, Neuer unterschreibt bis 2025 bei Bayern, für 20 Million im Jahr. Erling Haaland geht für 350 Millionen nach Manchester, Kai Havertz für 150 und Leroy Sané für 230 Millionen Euro zu den Bayern. „Am Ende des Tages geht es ums Geld“, sagt Watzke. Schalke 04 ist pleite, verkauft zwei Drittel des Kaders an Gazprom. Eintracht Frankfurt verzichtet kampflos auf das Pokalfinale. „Eine Rückkehr ohne Zuschauer - nicht mit mir“, sagt Präsident Peter Fischer. Viertligist 1. FC Saarbrücken gewinnt den Pokal. Allein im Stadion. DFB-Präsident Fritze Keller sagt, solche Geschichten schreibe halt nur der Fußball.

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