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Wie werden sie in der Trainerfrage entscheiden: Uli Hoeneß (3.v. l. hinten) und Karl-Heinz Rummenigge (r h).

Bayern München

Eine Farm in Bremen

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Wenn nicht alles täuscht, werden die Bayern das Kapitel Kovac bald schließen, so oder so. Ein Kommentar.

Auf die allermeisten Erdbewohner trifft zu, dass sie nicht Niko Kovac sind, was grundsätzlich ein angenehmes Gefühl ist dieser Tage. Auch das 5:1 des FC Bayern am Dienstag gegen Benfica Lissabon hat nichts daran geändert, dass es nachgerade anstrengend sein muss, Niko Kovac zu sein oder zumindest, was auch nicht sehr viele Menschen betrifft, in seiner Haut zu stecken.

Müde sah der Bayern-Trainer aus, trotz der seit Wochen besten Leistung des Teams, die man nun als „Statement“ für Kovac auslegen könnte und dafür, dass die Spieler hinter ihrem Coach stehen, vielleicht auch vor ihm, vielleicht auch beides.  Wenn sich eine Mannschaft um ihren Chef versammelt, ist das ja schon mal kein schlechtes Zeichen, oder? Arjen Robben hatte ein paar zärtliche Sätze übrig für den Kroaten, Thomas Müller sagte, die Spieler stünden zu ihrem Trainer, wobei er das Wort „grundsätzlich“ verwendete, was paradoxerweise immer den Verdacht weckt, genau das Gegenteil könne richtig sein. Eine in den Rang eines Grundsatzes gehobene Aussage erzeugt grundsätzlich Skepsis. Nicht nur aufgrund der laufenden Maulwurf-Affäre ist klar, dass Kovac Teile der Kabine längst verloren hat.

Bei „Brazzo“ geht’s schnell

Und dann hat Hasan Salihamidzic, der Sportdirektor, der nur dann mit der Presse spricht, wenn er das vorher mit Präsident Uli Hoeneß besprochen hat, auch noch gesagt: „Wir fahren am Samstag mit Kovac nach Bremen.“ Das klang ein bisschen wie wenn ein Vater den Kindern erzählt, er unternehme einen Ausflug mit dem zuletzt etwas kränklichen Familienhund, auf eine Farm, und hinterher erfahren die Kinder, dass der Hund auf der Farm, nun ja, weiterlebe.

Ob Kovac aus Bremen als Bayern-Trainer zurückkehrt am Samstag oder nur als Noch-Bayern-Trainer, ist eine Frage, die wohl nicht so spannend ist, wie sie klingt. Da hätten die Münchner nämlich auch 20:0 gewinnen können gegen die Lissabonner Fußballer, die tatsächlich so schlaff spielten, als würden sie in Kovacs Haut stecken: Geht gegen Werder etwas schief, dürfte Salihamidzic schon nächste Woche andere Trainer kontaktieren. Von der angeblichen Ein-Tages-Verhandlung im Frühjahr mit dem damaligen Eintracht-Coach Kovac weiß man, wie schnell das gehen kann bei „Brazzo“.

Wenn nicht alles täuscht, werden die Bayern das Kapitel Kovac bald schließen, so oder so. Hätten sie vorher gewusst, wie Eintracht Frankfurt in dieser Saison Fußball spielt, mit einem Kader, der tendenziell sogar etwas schlechter ist als jener, der Kovac im vergangenen Jahr zur Verfügung stand, hätten sie es wohl nie geöffnet.

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