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Da sind wir, und da wollen wir hin: KSC-Trainer Patrick Meister gibt die Richtung vor.

3. Bundesliga

Nur eine Durchgangsstation

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Viele Vereine sehen die dritte Liga nur als Durchgangsstation ? und gehen deshalb für den Aufstieg große Risiken ein.

Es gibt Menschen in Karlsruhe, die halten die diesjährige Terminierung der Dritten Liga gelinde gesagt für unglücklich. Ausgerechnet zu Beginn des Fast-umsonst-Open-Airs „Das Fest“, das an drei Tagen um die 230.000 Menschen vor die Bühnen lockt, wird im Wildpark die Partie des KSC gegen den VfL Osnabrück angepfiffen. In Spielminute 30 beginnen fünf Kilometer entfernt die Sportfreunde Stiller.

„Es kann schon sein, dass das ein paar tausend Zuschauer kostet“, sagt der neue Geschäftsführer Helmut Sandrock. Aber, so der ehemalige DFB-Spitzenfunktionär, der KSC sei „als Absteiger eine attraktive Marke in der Dritten Liga“. Genau wie Osnabrück, der 1. FC Magdeburg, der Hallesche FC, Kickers Würzburg und Preußen Münster. Und auch sie alle wollen so schnell wie möglich in die Zweite Liga aufsteigen.

Dass die meisten Vereine die dritthöchste Spielklasse als reine Durchgangsstation sehen, hat nicht zuletzt finanzielle Gründe. Die dritte Liga ist de facto eine Profiliga, sie ist kostspielig, die Spieler verdienen gut. Und die Reisekosten sind bei einer Spielklasse, die von Rostock bis nach Unterhaching reicht, ebenso hoch wie in den beiden Oberhäusern.

Doch im Gegensatz zu denen ist die „Dritte“ von den üppigen Fernsehgeldern fast komplett abgeschnitten. Und die machen in der ersten und zweiten Liga längst den Löwenanteil des Etats aus. Beispiel Karlsruhe: Mit dem Fall in die Dritte Liga sank das Fernsehgeld um mehr als 90 Prozent – rund 700.000 Euro bekommen die Badener jetzt, sagte Präsident Ingo Wellenreuther am Mittwoch. In der Zweiten Liga wären es 11,9 Millionen Euro gewesen. Der KSC reagiert wie fast alle Absteiger. Er gönnt sich einen teuren Kader gespickt mit zweitligaerfahrenen Spielern wie Kai Bülow (1860 München) oder Dominik Stroh-Engel (Darmstadt), auch Drittliga-Rekordschütze Anton Fink (Chemnitz) kam zurück. „Fast alle Absteiger versuchen ja, möglichst sofort wieder hochzukommen“, weiß Sportdirektor Oliver Kreuzer. „Denn sonst besteht die Gefahr, dass du dich in der Dritten Liga einnistest und nicht mehr hochkommst.“ Eine Horrorvision.

In die Regionalligen abgetaucht

Dabei haben die Offiziellen des DFB natürlich Recht, wenn sie darauf hinweisen, dass es unseriös ist, alles auf die Karte Aufstieg zu setzen. „Mehr Geld auszugeben als man einnimmt, kann keine Lösung sein“, sagt DFB-Vize Rainer Koch. Doch das Alles-oder-nichts ist systemimmanent. Denn die Vereine stehen vor der Alternative, ein bisschen in der dritten Liga vor sich hin zu kicken und langsam aber sicher der Vergessenheit anheimzufallen. Oder ins Risiko zu gehen – und zu scheitern, wenn der Aufstieg nicht binnen ein, zwei Jahren gelingt. „Diese Liga ist auf Dauer nicht finanzierbar“, sagt dann auch Erfurts Präsident Rolf Rombach. Der Jurist mit Spezialgebiet Insolvenzrecht führt die Thüringer solide und ohne alle Extravaganzen – dennoch steht der Verein regelmäßig vor dem finanziellen Exitus.

Ehrgeizige Traditionsvereine wie Rot Weiß Essen, die Stuttgarter Kickers, der 1. FC Saarbrücken oder Alemannia Aachen sind längst in der viertklassigen Regionalliga abgetaucht. Hajo Sommers, Präsident des West-Regionalligisten Rot Weiß Oberhausen, sagt dann auch gewohnt ironisch: „Als Regionalligist willst du möglichst schnell nach oben. Du musst dabei nur vergessen, dass zwischen dir und der Zweiten Liga noch die Dritte Liga kommt.“ Auch in Karlsruhe würden sie die Dritte Liga am liebsten möglichst schnell wieder vergessen. Als tröstlich empfindet man allerdings den Zuspruch der Fans. 2500 kamen zum ersten Training, mehr als bei vielen Erstligisten. Und auch heute Abend rechnet man mit mindestens 12.000 Fans. Trotz der Sportfreunde Stiller.

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