Hier darf auch künftig in der Champions League gespielt werden: Im Stadion von Manchester City.
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Hier darf auch künftig in der Champions League gespielt werden: Im Stadion von Manchester City.

Kommentar

Nur eine Bremsspur

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Das Urteil des Cas zugunsten von Manchester City klingt erstmal wie eine komplette Niederlage für die Uefa. Es dürfte aber helfen, dass der Turbo Kapitalismus des Premier-League-Klubs abgestellt wurde. Der Kommentar.

Fast 800 Millionen Euro hat Manchester City alleine in der seit nunmehr vier Jahre währenden Ära von Pep Guardiola in neue Spieler gepumpt. Kein anderer Klub der Premier League zahlt seinen Profis und Trainerstab mehr Gehalt, es sind wahre Unsummen. Der Traditionsklub hatte zum Ende des vergangenen Jahrhunderts Patina angesetzt, er war gar in die dritte Liga abgestürzt, ehe diverse Geldgeber noch vor der Abu Dhabi United Group Investment & Development Limited federführend im Jahr 2008 übernahmen und den Laden aufpäppelten.

Die aktuellen Investoren um Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan gehen das Projekt langfristig und sehr strategisch an. Sie haben mit der City Football Group einen weltumspannenden Konzern geschaffen, neben dem Zugpferd City unter anderem mit Filialen in den USA, Australien, Indien und Japan. Kleinmut ist nicht Sache der stinkreichen Leute aus der mondänen Hochhaussiedlung.

Die Uefa hatte in einem Anflug von Wagemut beschlossen, dem Großmut ein Stoppzeichen vorzusetzen und die Bedingungen des Financial Fairplay durchzusetzen. Plump formuliert: Niemand darf mehr ausgeben, als er eingenommen hat. Das führt nun bloß zu einer Bremsspur. Man könnte das als komplette Niederlage für den aufrechten Uefa-Chef Aleksander Ceferin interpretieren, aber das wäre zu kurz gesprungen. Denn tatsächlich hat der Verband - auch wenn er nun vom Internationalen Sportgerichtshof (Cas) zurückgepfiffen wurde - zumindest dafür gesorgt, dass dem Manchester-Kapitalismus der Turbo abgestellt wurde.

Es dürfte künftig bei City und beim vergleichbar aus der Wüste Katars alimentierten FC Paris Saint-Germain, auch bei RB Leipzig übrigens, etwas Druck vom Gaspedal genommen werden, um nicht latent Gefahr zu laufen, unruhestiftend vorm Cas zu landen.

Wahr ist aber auch: Ohne Finanzdoping für Klubs wie City, Paris, Leipzig oder auch den FC Chelsea, der ohne die Abramowitsch-Milliarden kaum mehr als ein abgehalfterter Südlondoner Stadtteilverein wäre, würde es der Champions League an Herausforderern für die wenigen großen Traditionsklubs fehlen, die die Finalteilnehmer ohnehin in den vergangenen sechs Jahren weitgehend unter sich ausgemacht haben: Real Madrid (viermal), Atletico Madrid, der FC Liverpool, Juventus Turin (je zweimal). Selbst die Bayern (seit 2014 null) und Barcelona (einmal 2015) schnaufen nämlich hinterher.

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