Das Siegtor für Mönchengladbach: Hannes Wolf erzielt gegen seinen Ex-Verein Leipzig das 1:0.
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Das Siegtor für Mönchengladbach: Hannes Wolf erzielt gegen seinen Ex-Verein Leipzig das 1:0.

Borussia Mönchengladbach

Ein Wolf im Fohlenpelz

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Ausgerechnet die Leipziger Leihgabe Hannes Wolf entscheidet das Spitzenspiel für Mönchengladbach.

Die enge Bande zwischen Marco Rose und Hannes Wolf ist verbürgt. Der Trainer von Borussia Mönchengladbach und die Leihgabe von RB Leipzig kennen sich, seitdem beide 2017 gemeinsam völlig überraschend die Youth League gewannen, im Jugendbereich das Äquivalent zur Champions League. Beide galten als aufstrebende Spezies, die im Red-Bull-Domizil Salzburg die richtige Umgebung vorfanden, ihrer Karriere den nötigen Schub zu verleihen. Rose war bald so gut, dass ihn im vergangenen Sommer mehrere Bundesligisten umgarnten; Wolf galt als einer der hoffnungsvollsten Talente Österreichs. 2019 kam er ebenfalls nach Deutschland – nur nicht nach Mönchengladbach zu seinem Förderer, sondern zum Brause-Aushängeschild Leipzig.

Es lief dort nicht wie gewünscht. Nach einem Bruch des Sprunggelenks fiel der dynamische Offensivspieler für ein halbes Jahr aus, danach kam er nur fünfmal in der Liga zum Einsatz – und darüber beschwerte sich der gebürtige Grazer so lautstark, dass RB-Trainer Julian Nagelsmann mehrfach die Hutschnur platzte. Die öffentliche Ungeduld des 21-Jährigen hielt er für wenig förderlich – und auch daraus entstand die Bereitschaft, Wolf dann halt nach Mönchengladbach zu verleihen, wo ihn Lehrmeister Rose sofort mit offenen Armen empfing.

Nun hat die Leihgabe am Samstagabend prompt gegen seinen Ex-Verein den Siegtreffer erzielt. Die Geschichte klingt wie ein Märchen aus dem Tierreich: Ein Wolf im Fohlenpelz beißt die Bullen vom Tabellenthron. „Manchmal schreibt der Fußball solche Geschichten“, sagte Rose nach dem 1:0 durch „den einzigen Fohlen-Wolf der Welt“, wie es der Stadionsprecher im leeren Borussia-Park ausrief. Rose hatte geahnt, dass es Wolf besonders motivieren würde, wenn er ihn in diesem Spiel aufstellt: „Er hat auf dem Platz die richtige Antwort gegeben.“ Der Coach hob den völlig durchnässten Matchwinner noch auf dem Rasen ein paar Zentimeter in die Höhe. Klar, dass sich auch im Nachgang alles um dessen Volltreffer – ein unhaltbarer Rechtsschuss nach Vorlage des fleißigen Patrick Herrmann – nach einer Stunde drehte.

Keine Zurückhaltung

„Ich sehe mich als Spieler von Borussia Mönchengladbach. Ich wollte etwas beweisen, und heute ist der Knoten geplatzt. Ich habe fast anderthalb Jahre auf so einen Moment warten müssen“, sagte Wolf, der sich beim Torjubel keinerlei Zurückhaltung auferlegte.

Auch in seinen Interviews nach dem umkämpften Spitzenspiel zweier Champions-League-Teilnehmer, die nun am Dienstag bei Schachtjor Donezk (Gladbach) beziehungsweise am Mittwoch gegen Paris St. Germain (Leipzig) antreten, wird Klartext geredet. Österreichische Profis sind meist etwas direkter als deutsche Kollegen, die oft fürchten, mit ihren Aussagen anzuecken. Wolf aber machte gar keinen Hehl daraus, nicht schon am Saisonende gleich wieder nach Sachsen zurückkehren zu wollen. „Ich hoffe, dass ich längere Zeit hier bin als dieses Jahr.“

Nagelsmann konnte seinen Zwiespalt über diesen dreisten Coup eines Ehemaligen nur schwerlich verbergen. „Ich freue mich für ihn als Mensch, dass er ein Tor geschossen hat, weil er eine nicht so gute Phase hatte. Aber, dass er es ausgerechnet gegen uns machen muss“, sagte der 33-Jährige. „Aber es ist sein Job, er wird jetzt meines Wissens von Gladbach bezahlt.“ Am Niederrhein übernahm er übrigens die Rückennummer elf, die vorher Marco Reus und Raffael getragen hatten. Seine einleuchtende Begründung: „Mit dieser Nummer habe ich damals die Youth League gewonnen.“ (mit sid)

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