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Ein Wettstreit für Liebhaber

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Von: Ingo Durstewitz

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Erlebnis in Finnland: Union Berlin feiert mit den Fans in Helsinki.
Erlebnis in Finnland: Union Berlin feiert mit den Fans in Helsinki. © imago images/Matthias Koch

Conference League? Ist das Fußball oder kann das weg? Klubs wie Tottenham schnaufen verächtlich. Aber klar ist inzwischen: Der neue Wettstreit kann für Kleine etwas Großes sein.

Man kann beim besten Willen nicht behaupten, dass die glorreichen Hotspurs aus dem Londoner Stadtteil Tottenham total heiß auf diese neu geschaffene Conference League sind. Im Gegenteil. Für den Topklub, 2019 im Finale der Königsklasse, ist der Wettbewerb nur lästige Pflicht.

Anders ist es nicht zu erklären, dass der Trainer mit dem klangvollen Namen Nuno Herlander Simoes Espirito Santo im Playoffspiel beim eher nicht so ruhmreichen FC Pacos de Ferreira eine C-Elf ins Rennen geschickt hat. Da kickten 17- und 18-Jährige. Kein einziger Spieler, der vier Tage zuvor beim Triumph über Manchester City in der Startelf stand, lief in Portugal auf. Endresultat, zappzarapp: 0:1. Es droht das Aus. Doch die Blamage schmerzt die Spurs nicht. Die Conference League, das Anhängsel, ist nicht das Parkett, auf dem sich Tottenham normalerweise bewegt.

Aber sie sind ja selbst dran schuld, die Nordlondoner, Siebter sind sie nur geworden in der Premier League – und damit geht‘s ab in die Diaspora. Für einen hochdekorierten Verein wie die Spurs mag die Ablehnung des Wettbewerbs nachvollziehbar sein, weil sich dort viele Provinzler tummeln, No-Names, die kaum Attraktivität versprühen.

Und natürlich hat die Uefa für die Einführung Prügel einstecken müssen, weil sie den Fußballkalender noch dicker aufbläht, weil es ihr um TV- und Sponsorenerlöse geht, also um Schotter. Die Raffzähne, klaro, kriegen halt den Hals nicht voll.

Das mag stimmen, und doch hat dieser Wettbewerb seinen Charme. Nicht für Großkaliber wie Tottenham, aber für viele andere. Die Conference League ist etwas für Romantiker und Liebhaber, für die, die Ursprüngliches lieben und die in Nischen leben. Sie ist zudem etwas für Hardcore-Fans und Groundhopper, die – so Corona es mal wieder zulässt – an Orte kommen, die sie vorher nicht mal aussprechen konnte. Wer gesehen hat, wie sich 500 Fans von Union Berlin auf nach Finnland gemacht haben, um – trotz Gästefanverbot – sich selbst und ihre Mannschaft frenetisch abzufeiern, der ahnt, dass dieser Wettstreit für Kleine etwas Großes sein könnte.

Er bietet unbekannten Leichtgewichten wie CS Fola Esch oder Santa Clara die Chance, sich mal mit den Unerreichbaren zu messen, sich vielleicht sogar für die Europa League zu qualifizieren und gutes Geld zu verdienen. Allein für den Einzug in die Gruppenphase winken rund drei Millionen Euro. Zum Vergleich: Die gesamte Mannschaft des FC Lincoln Red Imps aus Gibraltar hat einen Wert von 1,1 Millionen. Dafür bindet sich ein Harry Kane nicht mal die Schuhe zu.

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