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Kylian Mbappé und Didier Deschamps im Gespräch. Foto: AP
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Kylian Mbappé und Didier Deschamps im Gespräch.

Frankreich

Kylian Mbappé: Ein Weltstar mit Ladehemmung

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Vor dem Achtelfinale rätselt Frankreich über die Torflaute von Kylian Mbappé, der noch auf seinen ersten EM-Treffer wartet / Der Spielfluss beim Weltmeister stockt.

So ganz hat er es ja nicht verlernt. Es ist nur bereits einige Tage her, dass Kylian Mbappé traf: Im VIII. Bezirk von Budapest, genauer im Hidegkuti Nándor Stadion, benannt nach dem ungarischen Nationalspieler der Goldenen Elf, hob der Ausnahmespieler der französischen Nationalmannschaft den Ball bei einer Freistoßübung gefühlvoll gegen Ersatzkeeper Steve Mandada in den Winkel. Der Volltreffer ist glaubhaft von internationalen EM-Reporter dokumentiert, doch fließen Trainingstore dummerweise nicht in die offizielle Turnierstatistik ein. Da steht beim 22-Jährigen vor dem Achtelfinale Frankreich gegen die Schweiz in Bukarest (Montag 21 Uhr/ ZDF) immer noch eine Null.

Die Flaute des Angreifers mit der blitzartigen Beschleunigung liefert nun zunehmend Debattenstoff bei der Equipe Tricolore. „Das Turnier dauert noch lange. Ich glaube nicht, dass Treffen ein Problem für ihn sein wird, seine Tore werden kommen“, sagte Presnel Kimpembe, sein Klubkollege von Paris St. Germain am Samstag auf der Pressekonferenz. Doch hatte der 47-fache Nationalspieler (17 Tore) nicht schon genug Möglichkeiten auf Kopf und Fuß? Und hätte er bei einem Geniestreich gegen Deutschland, als sich alles Potenzial in einer Aktion vereinte, nicht hauchzart im Abseits gestanden, würde sich das Brennglas nicht auf ihn richten.

„KMB“, wie ihn die Sportzeitung „L‚Equipe“ gerne verkürzt, zündet zwar den Turbo, aber vor dem Tor noch nicht richtig. Sorge bereitet eine zunehmende Inaktivität. Dass die Galionsfigur sich Auszeiten nimmt, um Kraft für seine Sprints zu sparen, ist hinlänglich bekannt. Doch liegt seine Laufleistung inzwischen weit, weit unter dem Teamdurchschnitt. 9,22 Kilometer waren es noch gegen Deutschland (1:0), nur noch 7,93 Kilometer gegen Ungarn (1:1) und gar lächerliche 7,38 Kilometer gegen Portugal (2:2). Gegen den Europameister verlor Mbappé das Heldenduell gegen Cristiano Ronaldo um Längen. Karim Benzema schoss für die „Bleus“ beide Tore, auch einen von Mbappé herausgeholten Elfmeter. Noch immer gibt es genügend Szenen, in denen seine überragenden Anlagen, vor allem bei der Athletik, zum Vorschein kommen.

Nur 18 Ballkontakte

Doch die Datenanalyse zeigt ein weiteres Defizit: Die Nummer zehn spielte im Schnitt nur 18 Pässe. Da kann einer sich noch so geschmeidig und geschwind bewegen – das ist zu wenig. Frankreichs bester Spieler ist mitunter wie abgeschnitten vom Spielfluss, der ohnehin bei diesem Ensemble gemessen an den Fähigkeiten zu selten aufkommt. Drängende Fragen für Nationaltrainer Didier Deschamps, der auf erhellende Erläuterungen bislang keine Neigung verspürt. Der Sélectionneur argumentiert: Wir sind Gruppensieger, alles ist gut. Tout va bien.

Dabei ist offenkundig, dass sich Mittelstürmer Benzema, 33, und der mehr in die Spielmacherrolle versetzte Antoine Griezmann, 30, auf dem Feld oft zu nahe kommen, beide blockieren damit wichtige Lauf- und Passwege. Mbappé stürmt meist über die linke Seite, während die rechte Flanke verwaist ist, weil Benjamin Pavard oder Jules Koundé nicht mutig nachrücken. Insgesamt entsteht eine Unwucht. Es wird spannend, wie Deschamps das Offensivproblem lösen will.

Dabei war Mbappé voller Ehrgeiz ins Turnier gegangen. Ganz nach dem Credo von Deschamps, der zuvor sagte: „Er hat immer noch die Möglichkeit, sich zu verbessern. Kylian ist noch jung.“ Ungeduldig dazu. Im Vorlauf genügte eine grimmige Bemerkung von Olivier Giroud („die Bälle kommen nicht“) nach dem Test gegen Bulgarien, damit der Wunderstürmer aus der Haut fuhr. Deschamps hinderte ihn, öffentlich sofort seinen Unmut abzuladen, das passierte einige Tage später in gedimmter Version. Aber die Unzufriedenheit ist geblieben.

Zukunft offen

Natürlich wird gerätselt, ob die Flaute etwas mit seiner ungeklärten Zukunft zu tun haben könnte. Mbappés Arbeitspapier bei PSG läuft nur noch bis 2022, und der Pariser hat es entgegen sonstigen Gepflogenheiten mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung gar nicht eilig. „Ich bin an einem Ort, wo es mir gefällt, wo ich mich wohlfühle. Aber ist es der beste Ort für mich? Ich habe die Antwort noch nicht“, sagte er vor der EM. Paris St. Germain hat derweil mitgeteilt, dass Ethan Mbappé, der 15 Jahre alte Bruder, einen Jugendvertrag bekommt. Vielleicht bewegt einen das ja zum Bleiben, der bei dieser EM eigentlich seinen Marktwert steigern wollte.

Mittlerweile wachsen am Weltmeister und am Weltstar die Zweifel. Vielleicht aber platzt im Achtelfinale gegen die Schweiz der Knoten; spätestens bei einem möglichen Viertelfinale gegen Kroatien oder Spanien könnte es den Unterschiedsspieler brauchen, der beim Heimturnier 2016 noch nicht dabei war. Damals, mit gerade 17, drückte er der U19-EM seinen Stempel auf: Frankreich gewann das auf deutschem Boden ausgetragene Nachwuchsturnier übrigens eindrucksvoll. Fünf Tore erzielte Kylian Mbappé. Trainingstreffer nicht mitgezählt.

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