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Ein Umweg noch bis Wembley

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Von: Frank Hellmann

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Nationalspielerin Lina Magull.
Nationalspielerin Lina Magull. © dpa

Auf die deutschen Fußballerinnen wartet Frankreich im Halbfinale von Milton Keynes.

Die Planstadt Milton Keynes scheint in London noch unbeliebter zu sein als der Politiker Boris Johnson. Was zu allem Teufel wollt ihr Deutsche denn dort, fragen Londoner, die am Wochenende unweit vom Teamhotel des deutschen Frauen-Nationalteams gerne an die Themse in Richmond strömen. Es folgt ein bemitleidenswertes Kopfschütteln. Die einst am Reißbrett entworfene Retortenstadt ist tatsächlich frei von jeglichem Flair, aber das Stadium MK ist trotzdem Schauplatz für das zweite Halbfinale der Frauen-EM 2022, in dem Deutschland und Frankreich am Mittwoch (21 Uhr/ZDF) aufeinandertreffen.

Erschwerend kommt hinzu, dass ausgerechnet am Spieltag rund 40 000 Mitarbeitende der britischen Bahn in einen landesweiten Streik treten. Kaum ein Zug wird rollen. Die Dachorganisation Uefa verschickt Alarmschreiben, wie die Ticketinhaber:innen ins Stadium MK auf halber Strecke zwischen Birmingham und London gelangen sollen. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hat indes mit der sportlichen Herausforderung genug zu tun: „Es ist ein tougher Gegner.“ Gleichwohl haben die deutschen Frauen elf von 20 Länderspielen gewonnen und alle vier EM- und WM-Duelle für sich entschieden.

Eine tiefe Wunde riss bei den Französinnen die Viertelfinal-Niederlage im Elfmeterschießen bei der WM 2015 in Kanada. Damals ergötzte sich eine hochbegabte Generation um die viel zu früh zurückgetretene Louisa Necib oder die inzwischen nicht mehr berücksichtigen Amandine Henry oder Eugenie le Sommer in Montreal an der spielerischen Überlegenheit, vergaß aber auf dem Kunstrasen den Fangschuss. Diese Abschlussschwäche ist heute noch ein Kardinalproblem der Französinnen.

Ohne Torjägerin Marie-Antoinette Katoto (Kreuzbandriss) brauchte es im Viertelfinale gegen die Niederlande (1:0) die Verlängerung und einen per Videobeweis verhängten Strafstoß, um die Titelverteidigerinnen zu bezwingen. So geht „Les Bleues“ ab, was das DFB-Team auszeichnet: die Effizienz. Fürs deutsche Ensemble sind zudem zwei Tage mehr Erholungszeit ein Vorteil, „das tut Kopf und Beinen gut“, sagte Mittelfeldspielerin Lina Magull am Sonntag nach einem entspannten Wochenende mit viel Freizeit. Klar ist, dass der Abstecher nach Milton Keynes nur Zwischenstation sein soll, um noch in Wembley vorzuspielen. Nächsten Sonntag zum Finale. hel

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