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Bald nicht mehr alleine: Liverpool-Trainer Jürgen Klopp.
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Bald nicht mehr alleine: Liverpool-Trainer Jürgen Klopp.

Fan-Rückkehr

Ein Stückchen Normalität

  • vonHendrik Buchheister
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In England dürfen zumindest zehn Vereine wieder vor 2000 Fans auf der Tribüne antreten, was der Liverpooler Trainer Jürgen Klopp als schönes Zeichen wertet – andere stänkern aber.

Die mehr als 32 000 Menschen, die am 9. März dem Spiel zwischen Leicester City und Aston Villa (4:0) im King-Power-Stadion beiwohnten, wussten nicht, dass sie ein besonderes Privileg hatten. Sie wussten nicht, dass sie für fast neun Monate die letzten Zuschauer in der Premier League sein würden. Wenige Tage nach dieser Partie stellte die reichste Liga der Welt den Betrieb wegen der Corona-Pandemie ein, bis Mitte Juni. Seitdem wird bekanntlich wieder gespielt, allerdings komplett ohne Zuschauer. Zu hören sind bei den TV-Übertragungen nur künstliche Fan-Gesänge und das Gefluche der Spieler. Dieses zwingt die Kommentatoren auf der Insel regelmäßig dazu, die Fernsehzuschauer um Entschuldigung für „unangemessene Sprache“ zu bitten.

Solche Zwischenfälle werden künftig wieder seltener, denn ab dem Wochenende kehren in der Premier League die Fans zurück in die Stadien – allerdings nur an einigen Standorten, und auch nur in begrenzter Zahl. Das liegt an den Rahmenbedingungen, die Premierminister Boris Johnson vorgibt. Er hat England in drei Risiko-Kategorien aufgeteilt, in denen seit dem Ende des zweiten nationalen Lockdowns unter der Woche unterschiedlich strenge Einschränkungen für den Alltag gelten. Von diesen Kategorien hängt ab, wo Fans ins Stadion dürfen und wo nicht.

Die Hälfte der Premier-League-Vereine, nämlich zehn, befinden sich in der mittleren Kategorie, und zwar die Londoner Vertreter Arsenal, Tottenham, Chelsea, West Ham, Fulham und Crystal Palace, die an der Südküste beheimateten Brighton und Southampton sowie der FC Liverpool und Everton. Sie dürfen ab sofort 2000 Zuschauer zulassen. Die übrigen Vereine, unter anderem Manchester United und Manchester City, liegen in Regionen, in denen die strengste Risiko-Stufe gilt. Ihre Stadien bleiben leer, zumindest vorerst. Die Regierung will die Einteilung der Landesteile in die Risiko-Stufen allerdings laufend überprüfen und unter Umständen korrigieren.

Die Lage ist kompliziert, von daher liegt es in der Natur der Sache, dass nicht alle Seiten zufrieden mit der Gestaltung der Zuschauer-Rückkehr sind. Leeds Uniteds Trainer-Guru Marcelo Bielsa zum Beispiel hält es für Wettbewerbsverzerrung, dass einige Klubs Publikum haben dürfen und andere nicht, unter anderem seiner. Liverpool-Coach Jürgen Klopp dagegen deutet die Rückkehr der Fans als „schönes Zeichen“, und genau das ist es wohl auch: ein kleiner Schritt auf dem langen Weg zurück zu einer Art von Normalität.

In vielen Ländern haben die Protagonisten in den vergangenen Monaten festgestellt, was dem Fußball fehlt, wenn keine Fans im Stadion sind. England bildet da keine Ausnahme. Die Klubs haben bei der Regierung darauf gedrängt, die Stadiontore wieder öffnen zu dürfen, und das mit Erfolg. Dabei sah es zwischenzeitlich so aus, als müsste die ganze Premier-League-Saison vor leeren Rängen gespielt werden. Entsprechend groß ist die Freude bei den Vereinen, die ab sofort wieder vor Fans spielen, und auch die Fachwelt sehnt die Rückkehr des Publikums herbei. Der Fußball bekomme „ein Stück seiner Seele zurück“, schreibt zum Beispiel die BBC.

So viel Wertschätzung erfahren die Stadiongänger in England sonst nicht. Das liegt daran, dass der Reichtum der Premier League nicht auf Zuschauer-Einnahmen basiert, sondern auf dem Verkauf der Fernsehrechte. Alleine aus der nationalen Vermarktung kassieren die Klubs im Moment 1,7 Milliarden Pfund – pro Saison. Im Gegenzug dürfen die TV-Stationen über den Terminplan entscheiden und die Spiele so legen, wie es ihnen passt. Klopp hat sich zuletzt mehrfach leidenschaftlich über die Terminierung von Liverpools Partien beschwert und riskiert in England seinen guten Ruf. Dass die Fernsehsender das Sagen in der Premier League haben, das sollte der deutsche Trainer mittlerweile wissen, so der Tenor.

Die Zuschauer im Stadion sind oft nur schmückendes Beiwerk für das glitzernde TV-Produkt Premier League, und es wird interessant sein, ob die neue Wertschätzung für die Fans von langer Dauer ist.

Zweifel daran sind berechtigt. Schon vor der ersten Premier-League-Partie mit Publikum seit fast neun Monaten klagen Fans des FC Chelsea über Ausbeutung: der Londoner Klub ruft für das Spiel gegen Leeds United am Samstag Kartenpreise von bis zu 75 Pfund auf.

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