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Ohne die Fans geht nichts - auch nicht in Liverpool.
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Ohne die Fans geht nichts - auch nicht in Liverpool.

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Ein Sieg der Moralisten

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Zwei unruhige Nächte nach der Gründung der Super league ist das ebenso hinterlistig wie dilettantisch hochgezogene Hochglanz-Kunstprodukt gerade mal noch gut genug für die gelbe Tonne

Sogar der anerkannte Fußball-Vermarktungsfachmann Christian Seifert kann sich mal irren. Er fürchte „beinharte juristische Auseinandersetzungen“ der Verbände mit den Gründern der Super League, sagte der Chef der deutschen Bundesliga am Wochenanfang. Zwei unruhige Nächte später ist das ebenso hinterlistig wie dilettantisch hochgezogene Hochglanz-Kunstprodukt gerade mal noch gut genug für die gelbe Tonne. Der Widerstand mit massiven Protesten ließ zuerst die sechs englischen Klubs einknicken, deren Geschäftsführer sich nun vor den eigenen Anhängern in den Staub werfen. Das zeigt unter anderem, dass die Fans in England auch ohne 50+1-Regel noch immer mehr Macht haben, als ihnen hierzulande zugetraut wurde. Die geballte Kritik der unabhängigen Medien und der Mut vieler Profispieler von der Insel, sich gegen das Projekt ihrer Arbeitgeber öffentlich zu positionieren, kommen zum womöglich letzten Sieg der Moralisten hinzu.

Die zwölf Klubs, die mit der Gründung der European Super League eine vom Großkapital gepushte Privatveranstaltung mit erheblichen Zugangsbeschränkungen errichten wollten, haben sich selbst ein Armutszeugnis ausgestellt. Dass Real Madrids Präsident Florentino Perez als treibende Kraft des Super-Flops angab, anders als mit der Gründung einer Superliga sei in Zeiten der Pandemie kein finanziell tragfähiges Zukunftprojekt vorstellbar, zeigt, wie unverantwortlich die vermeintlich Superreichen sich finanziell aufgestellt haben. Und wie verengt ihr Blick auf immer mehr Einnahmen ist, statt die Ausgabeseite konsequenter anzugehen und Transfersummen, Spielergehälter sowie Beraterhonorare abzuschmelzen.

Allen voran der FC Bayern hat sich in Person vom Karl-Heinz Rummenigge besonders klug durch die aufwühlenden 48 Stunden manövriert. Der deutsche Branchenführer positionierte sich früh, klar und deutlich gegen die abtrünnigen Supertrottel und hübschte dabei sein Image gewaltig auf. Und doch bleibt das Ungleichgewicht, dass die Super League betonieren wollte, auch so frappierend. Profifußball als Wettbewerb funktioniert nur noch bedingt. Die nun ziemlich geräuschlos beschlossene Reform der Champions League mit einer Ausweitung um 100 Spiele wird diese Entwicklung ab 2024 manifestieren.

Die bevorstehende neunte Meisterschaft der Bayern demonstriert den Status Quo eindrücklich. In Wahrheit ist aufgrund der fortschreitenden Ungleichheit in der Finanzierung ein stabiles Aufrücken eines Mittelklasseklubs in die Top-Elite nahezu unmöglich. Es sei denn, externe Geldgeber strecken sich mit Großinvestitionen, wie beim FC Chelsea, Paris Saint-Germain und RB Leipzig geschehen. Es besteht also kein Grund, dass sich Fußball-Romantiker nun glückselig in den Armen liegen sollten. Auch die Champions League schielt unverhohlen mehr auf den internationaler Fußballmarkt als auf die Basis und hat mit ihrer Geldverteilung den Wettbewerb der nationalen Ligen extrem geschädigt.

Die Entwicklung hin zu einer wahrhaftigeren europäischen Eliteliga als den jetzt vorgestellten und umgehend abgelehnten Rohrkrepierer European Super League ist keinesfalls vom Tisch. Und ehrlicherweise wäre sie dann ein transparenterer und spannenderer Wettbewerb der Besten des Kontinents, wenn sie mit einer Auf- und Abstiegsregelung und einer gerechteren Geldverteilung von oben nach unten verknüpft würde.

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