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Ein Ruck zu viel

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Von: Jan Christian Müller

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Spät darf der BVB in Mainz jubeln, immerhin. Foto: AFP
Spät darf der BVB in Mainz jubeln, immerhin. © AFP

Der FSV Mainz 05 bietet dem Bayern-Jägerchen Borussia Dortmund lange Zeit Paroli, muss dann aber spät dem Virus Tribut zollen.

Es gab ein paar Auffälligkeiten nach dem aus Sicht der Gastgeber denkbar unglücklichen 0:1 (0:0) des FSV Mainz 05 im Nachholspiel gegen Borussia Dortmund. Zum Beispiel jene, dass alle Mainzer Profis in den Interviewbereichen erstmals Masken trugen. Das hatten sonst immer nur die Medien tun müssen, um sich und die Spieler zu schützen. Aber nach dem heftigen Coronaausbruch bei den Nullfünfern schützten nun die Spieler auch die Presseleute. Und Marco Rose, der Dortmunder Chefcoach, schützte sich selbst, indem er zur Pressekonferenz mit Maske erschien und sich dafür brav entschuldigte mit den Worten, hier in Mainz, wo er viele alte Bekannte freudig begrüßte, seien ja „ein paar mehr erkrankt“ gewesen. Der gerade genesene Kollege Bo Svensson, ohne Maske, lächelte schief.

Ohne Corona hätte dieses Spiel schon zehn Tage früher stattgefunden, und ohne Corona hätte bei Mainz 05 ein Dauerläufer wie Anton Stach nicht nach 70 Minuten ausgewechselt werden müssen. Dem zuvor ebenfalls mit Covid-19 infizierten Mittelfeldspieler waren die Strapazen deutlich anzusehen, er machte dennoch ein klasse Spiel, ehe er völlig entkräftet vom Platz geholt wurde. Beide Trainer, Bo Svensson und Marco Rose, hatten mit Rücksicht auf Nachwirkungen nach Corona-Infektionen einige Spieler gar nicht erst nominiert oder ihnen nur einen Platz auf der Bank zugewiesen und damit Verantwortungsbewusstsein dokumentiert. So fehlte zum Beispiel Mats Hummels, obwohl freigetestet, beim BVB, und Jae-Sung Lee, ebenfalls nicht mehr positiv, bei den Nullfünfern.

Am Ende waren in den jeweils um acht Akteure dezimierten Kadern mehr Kapazitäten bei den Schwarz-Gelben auszumachen. Marco Rose konnte die weit überdurchschnittlichen Bundesligaspieler Erling Haaland und Julian Brandt einwechseln und dem Spiel damit noch einmal einen Ruck zugunsten seiner Mannschaft geben. Vier Punkte sind es nur noch auf die Bayern, bei denen die Borussia Ende April allerdings auswärts anzutreten hat.

Dreimal in der Fremde

Sie wird sich steigern müssen gegenüber der Vorstellung in Mainz, die Rose mit der renitenten Spielweise der wehrhaften Mainzern begründete und Axel Witsel kurz vor Schluss mit seinem ersten Saisontor entschied und so für kollektive Ekstase im Dortmunder Fanblock sorgte. Trainer Rose hat zuletzt den Ton verändert und auch öffentlich deutlich mehr Forderungen an sein Team gestellt, doch, bitte schön, endlich mal stabil starke Leistungen zu zeigen.

Am Mittwochabend war diese Tonalität durch die Gesichtsmaske erneut zu vernehmen. Konfrontiert mit den Aussagen einiger BVB-Profis, sie seien zuletzt „enger zusammengerückt“, entgegnete Rose, er fände das zwar „cool, wenn die Jungs das sagen.“ Und dann das große Aber: „Es geht darum, eine Gruppe zu entwickeln, die auch große Spiele gewinnt. Ich möchte, dass das nachhaltig so bleibt. Ich beobachte das.“ Er sprach dann noch vom „Leistungsgedanken“ und „Leistungsmentalität“. Klingt verdächtig nach Matthias Sammer, der seinen Beratervertrag beim BVB ja gerade verlängert hat.

In Mainz lecken sie derweil Wunden. „Billiges Gegentor“, ärgerte sich Torwart Robin Zentner über Witsels Treffer nach langer Freistoßflanke. Der Treffer wäre nach der komplexen Vorbereitung mit 14 infizierten Spielern und der Energieleistung aller einsatzfähigen Beteiligten leicht zu verteidigen gewesen. Wurde er aber nicht, so dass die Rheinhessen jetzt besser am Samstag daheim gegen Arminia Bielefeld gewinnen sollten. Denn nach der dann anstehenden Länderspielpause erwarten die in der Fremde so harmlosen Mainzer drei Auswärtsspiele binnen sieben Tagen: in Mönchengladbach, in Augsburg und in Köln. Das Punktepolster droht zu schrumpfen. Aber die Leistung gegen Dortmund war dennoch aller Ehren wert.

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