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Manuel Neuer sichert sich Teile vom Tornetz.

Rückhalt des FC Bayern

Ein Neuer im Mauer-Modus

  • vonJonas Austermann
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Wieder einmal ist der Kapitän des FC Bayern in einem Endspiel schier unüberwindlich, Oliver Kahn adelt danach den Nationalkeeper.

Die Triple-Nacht von Lissabon schrie geradezu danach, sich ein Andenken zu sichern. Also machte Manuel Neuer sich nachdem der Kapitän des FC Bayern und der Nationalmannschaft die Champions-League-Trophäe in den Nachthimmel gewuchtet hatte, auf den Weg zu einem Tor. In den 90 Minuten gegen Paris Saint-Germain hatte er die Einschläge im Netz mit einigen Glanzparaden verhindert, nach Abpfiff aber ging es dem weißen Kunststoffgarn an den Kragen. Unter anderem mit Kumpel und Torwarttrainer Toni Tapalovic zerlegte Neuer das Netz – als Erinnerung an sein zweites Triple und die herausragende Saison.

Das größte Lob kam aus dem Lager des Gegners. Thomas Tuchel meinte: „Manuel Neuer ist auf jeden Fall zum falschen Zeitpunkt in absoluter Topform. Seine Qualität war heute wieder unglaublich. Er hat das Torwartspiel auf ein neues Niveau gehoben, das steht fest.“ Der PSG-Coach monierte im Scherz sogar, dass Neuers Paraden „ein bisschen Wettbewerbsverzerrung“ gewesen seien und schloss mit den Worten: „Er spielt auf seinem allerhöchsten Niveau.“

Viel Lob von Oliver Kahn

Etwas bescheidener fiel Neuers Selbsteinschätzung nach den Rettungstaten gegen Neymar und Angel Di Maria (18.), Kylian Mbappe (45.) und Marquinhos (70.) aus. Neuer war in einem großen Finale mal wieder ein grandioser Rückhalt. „Ich habe ein gutes Spiel gemacht, ein super Spiel“, sagte Neuer selbst. War es sein bestes überhaupt? „Nein, das glaube ich nicht“, meinte der 34-Jährige.

Die „L’Equipe“ schwärmte: „Neymar war sehr enttäuschend, Neuer gigantisch.“ Und sogar der ehemalige Welttorhüter Peter Schmeichel (56) adelte Neuer. Er sagte als Experte des US-Senders CBS: „Mit jedem Torwart, der nicht so spielt, hätte Bayern dieses Turnier nicht gewonnen. Neuer war heute einfach unglaublich.“

Eben jener Schmeichel, einst stilprägender Ballfänger bei jenem Ensemble von Manchester United, das einst die Bayern in einem legendären Endspiel 1999 bezwang, hatte den deutschen Nationalkeeper nach dessen Patzer im Achtelfinal-Rückspiel gegen Chelsea (4:1) noch hart kritisiert und erklärt, er halte Barças Marc-Andre ter Stegen und Liverpool Alisson für bessere Torhüter.

Davon kann nun keine Rede mehr sein. Genau zur rechte Zeit schaltete der gebürtige Gelsenkirchener in den Mauer-Modus.So wie beim Münchner Königsklassen-Triumph 2013 in Wembley gegen Borussia Dortmund oder im WM-Endspiel 2014 in Brasilien gegen Argentinien.

Auch Vorstand Oliver Kahn – Titan im Bayern-Tor, der 2001 beim ersten Münchner Königsklassen-Triumph gegen Valencia drei Schüsse im Elfmeterschießen parierte – adelte Neuer, den er lange als ZDF-Experte kritisch begleitet hatte: „In Deutschland hatten wir immer ganz große Torhüter, aber Manuel ist sicher einer der ganz, ganz großen. Wenn man schaut, was er alles gewonnen hat – ja, man kann sagen, er ist der Beste.“ (mit dpa/sid)

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