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Andre Silva jubelt in Salzburg
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Andre Silva jubelt in Salzburg

Glosse

Ein Leben vor Corona

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Vor einem Jahr öffnet die Bundesliga zum letzten Mal ihre Pforten für alle Fans – schön war’s, unbeschwert, gedankenlos – und verdammt lang her. Einige persönliche Erinnerungen.

Vor etwas mehr als einem Jahr schlich sich Corona ganz hinterhältig in unser Bewusstsein, in unser Leben, breitete sich schließlich aus wie eine Krake. Auf dem Weg nach Salzburg, Eintracht Frankfurt in der Europa League, erreichten uns in der Dienstplan-Whatsapp-Gruppe ein paar Nachrichten eines offenbar gut informierten Kollegen. Dort schrieb er, tief besorgt: „Ab Mai steht unser Land still.“ – „Ich muss heute Abend Hamsterkäufe machen.“ – „EM 2020 fällt aus.“ - „Olympia sowieso.“ Wir haben das nicht ganz so dramatisch gesehen, war ja noch weitgehend unbekannt, dieses tückische Virus, also tippte Beifahrer Kilchenstein nur ein klitzekleines bisschen süffisant ins Smartphone: „Auch die WM in Katar ist meines Wissens nach abgesagt.“ - „Und die WM in den USA 2026 auch.“ Würde er heute so nicht mehr schreiben.

Das Spiel in Salzburg wurde dann erst einmal abgesagt, nein, nicht wegen Corona, sondern wegen so etwas Profanem wie einem Sturm, der sich dann doch eher als laues Lüftchen entpuppte, aber das nur am Rande. Corona waberte schon durch die Salzburger Altstadt, abends im Gasthaus fragten wir uns beim Bier, natürlich ohne Abstand und mit 15 Leuten am Tisch, was da auf uns zukommen werde. Mulmig irgendwie.

Acht Tage später, Auswärtsspiel der Eintracht in Leverkusen, 7. März 2020, das Gesprächsthema auf der Hinfahrt: Corona. „Oft werden wir nicht mehr in einem Auto zusammen fahren“, warf Kollege Schmitt ein. Beifahrer Kilchenstein rollte mit den Augen: „Jetzt mal halt den Teufel nicht an die Wand.“ Er sollte Recht behalten, der Kollege Schmitt.

Im Stadion unterm Bayer-Kreuz fanden sich 30 000 Fans ein, nur 30 000, in München waren es mehr als 80 000, wie immer, ganz normal halt. Die Eintracht ging, wie immer in Leverkusen, mit 0:4 unter, und als nach dem Spiel ein Journalist dem Trainer Adi Hütter ganz vorsichtig die „Ghetto-Faust“ zur Begrüßung hinhielt, schaute der Eintracht-Coach entgeistert und schüttelte dann die Hand: „Ich habe keine Angst vor Corona.“

Das Spiel der Eintracht in Leverkusen war das letzte Mal, dass wir Fußball so erlebten, wie er einmal war: mit Emotionen, Gesängen, Gebrüll, Pfiffen, Nähe, Bier, Kutten, Gepöbel, Umarmungen. Alles normal, damals, in einer anderen, verblichenen Zeit, einer Zeit ohne Lockdown und Inzidenz, ohne Aha-Regel, Maske und Abstand, ohne Geisterspiele und Fiebermessen.

Vor ganz genau einem Jahr öffnete die Bundesliga zum letzten Mal ihre Pforten für alle Fans, und wer daran zurückdenkt, ertappt sich bei dem Gedanken daran, wie verstörend und surreal heute so eine laute, wogende, dichte Menschenmasse wirkt. Aber schön war’s, unbeschwert, gedankenlos – und verdammt lang her.

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