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Dreht am Schwungrad: Luka Modric.
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Dreht am Schwungrad: Luka Modric.

Kroatien

„Ein Land namens Modric“

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Der scheinbar nicht alternde Mittelfeldstar verzückt die Fußballwelt und lässt Kroatien träumen.

Der Irrwisch mit der eigentümlichen Haarpracht wusste gar nicht wohin, mit seinen flammenden Emotionen. Fast schien es, als wolle Luka Modric die halbe Welt umarmen, zumindest aber ganz Kroatien; der kroatische Mittelfeldstar, Zauberer Maestro und Virtuose in Personalunion, sank nach dem Abpfiff auf die Knie, ballte die Fäuste und sprintete schließlich der TV-Kamera entgegen, um seine unbändige Freude hinaus in die Wohnzimmer zu brüllen: „Seht her, ich bin‘s, ich kann’s noch, wir sind wieder da, nehmt euch in Acht.“ Luka Modric, der Anführer des Vizeweltmeisters, hat die Kritiker widerlegt, die bösen Zungen, die die Mannschaft und ihn persönlich abgeschrieben und als Auslaufmodell verspottet hatten. „Wenn wir so spielen, sind wir für jeden gefährlich“, sagte Modric nach dem 3:1 (1:1) gegen Schottland und dem doch noch geglückten Einzug ins EM-Achtelfinale.

Modric, dieses Genie, demonstrierte eindrucksvoll, dass er auch im reifen Alter von 35 für besondere Momente sorgen und die Auswahl wie in besten WM-Tagen 2018 anführen kann. Mit einem traumhaften Außenristschuss erzielte er selbst das 2:1, den Treffer des früheren Bundesligastars Ivan Perisic zum 3:1 legte er auf. „Dieses Tor bedeutet mir sehr viel, aber unser Spiel bedeutet mehr“, schwärmte Modric. Es war ein Tor, das seine ganze Wirkung, seine Magie erst auf den zweiten Blick entfaltete, denn diese Schlenzer mit dem Außenrist, nicht mal fest, aber ungeheuer raffiniert und pfiffig, sind aus der Mode gekommen, selten sieht man sie auf diesem Niveau noch, und wenn, dann nicht in dieser Brillanz und Perfektion. Dieser Schuss in den Winkel war ein Tor zum Verlieben, ein Tor zum Niederknien.

Der ewige Luka Modric – seit Dienstag nicht nur der jüngste, sondern auch der älteste kroatische EM-Torschütze – ist längst Symbolfigur von mehr als nur einer kroatischen Fußball-Generation. Die spanische Sportzeitung „Marca“, Modrics Klub Real Madrid wohlgesonnen, formulierte es plakativ: „Ein Land namens Modric.“ Schottlands Mittelfeldspieler John McGinn stöhnte verzweifelt auf: „Was willst du machen? Sie haben Luka Modric, einen der besten Spieler der Welt.“

Zwar wurde nicht Modric, sondern Nikola Vlasic zum Star des Spiels gekürt. Doch das konnte der Routinier im Zuge des Weiterkommens verschmerzen. „Ich bin glücklich, dass mein Tor geholfen hat, aber das Wichtigste ist, dass die Mannschaft gewonnen hat“, sagte er. Ein Sieg war nötig, ein Sieg wurde geliefert. Geht doch.

Das Führungstor von Vlasic, dem Bruder der früheren Hochsprung-Weltmeisterin Blanka Vlasic, war ein Stück weit auch ein Vorgriff auf die Zeit nach der Ära Modric. Zwar sind der Altstar und der 23-Jährige von ZSKA Moskau unterschiedliche Spielertypen. Doch Vlasic soll in der Zukunft mehr Führungsaufgaben bei den Feurigen übernehmen. „Am Ende haben wir überzeugend gewonnen, und ich denke, das ist das Kroatien, das wir alle sehen wollen“, sagte Vlasic.

Nach unerwartet vielen Niederlagen nach der traumhaften WM 2018 tat sich die Auswahl von Trainer Zlatko Dalic beim eingeleiteten Umbruch nach Rücktritten wie denen von Mario Mandzukic oder Ivan Rakitic schwer. Ob der Erfolg gegen limitierte Schotten helfen kann, diesen zu erleichtern, wird sich weisen. Ein erster Schritt ist gemacht.

Trainer voller Pathos

Erst einmal soll durch den Achtelfinal-Einzug als Zweiter hinter England endlich der Turniermodus gestartet werden. Am Montag geht es für die Kroaten in Kopenhagen weiter. Im Stadion Parken werden angesichts von weniger strengen Reise- und Corona-Regeln mehr Anhänger erwartet. „Wo immer wir hinreisen, werden 20 000 unserer Fans hinter uns stehen“, sagte Coach Dalic und schob voller Pathos nach: „Ihr seid unsere Stärke, und wir werden euer Stolz sein.“

Der 54-Jährige dankte seinem kleinen Regisseur, den er innig umarmte. „Ich bin stolz, so einen Spieler zu haben.“ Der nur 1,72 Meter große Spielmacher trotzt dem Alter, im 140. Länderspiel verblüffte er mit seiner Genialität und Übersicht selbst seinen Trainer. „Niemand weiß, wie Luka es schafft, weiterhin so zu spielen. Man würde erwarten, dass er nachlässt, dass er an Energie verliert, aber er ist immer noch die Kraft, die das ganze Team antreibt“, schwärmte Dalic.

Womöglich ist das laufende Turnier der letzte Tanz für einen der besten Fußballer der Geschichte. „Glücklich schätzen dürfen sich all diejenigen, die Luka Modric haben spielen sehen“, schrieb die spanische „AS“ voller Hochachtung.

Und in der kroatischen Heimat hoffen die Menschen nun auf eine Wiederholung des Fußball-Märchens von vor drei Jahren bei der WM. „Ihr habt euren Ruf verteidigt, nun soll sich Russland wiederholen“, schrieb die Zeitung „Vecernji list“. Mit diesem Luka Modric kein Ding der Unmöglichkeit. dur/dpa/sid

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