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Messi, überall ist Messi: Der Superstar kickt jetzt für Paris - PSG kennt finanziell keine Grenzen.
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Messi, überall ist Messi: Der Superstar kickt jetzt für Paris - PSG kennt finanziell keine Grenzen.

Start der Königsklasse

Ein krankes System

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Sportlich ist die Champions League über jeden Zweifel erhaben, aber die Jagd nach dem Henkelpott befeuert ein wirtschaftliches Wettrüsten, das ohne absurden Aufwendungen nicht mehr zu gewinnen ist.

Eigentlich braucht die Champions League keine rührige Werbetrommel. Längst ist die Königsklasse ein sich selbst vermarktendes Produkt mit weltweiter Strahlkraft. Gleichwohl setzt die Europäische Fußball-Union (Uefa) über ihre Kanäle zwei der prägendsten Figuren ihres wertvollsten Wettbewerbs jetzt kraftvoll in Szene: Kylian Mbappé (Paris St. Germain) und Kevin De Bruyne (Manchester City) stehen im Mittelpunkt einer Dokumentation, die in der K.o.-Phase der vergangenen Spielzeit entstand – und an deren Ende weder der eine noch den anderen den Henkelpott empfing. Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass die beiden in eine Gruppe mit RB Leipzig gelosten Klubs jetzt als die erklärten Favoriten antreten; zwei fremdfinanzierte Gebilde, vollgepumpt mit Geld aus einem Staatsfonds aus Katar bzw. Eigentümern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die wie getriebene Jäger nach einem verlorenen Schatz auftreten. Investiert wird auch mitten in der Pandemie frei nach dem Motto: Koste es, was es wolle.

Mit der Verpflichtung der alternden Ikone Lionel Messi und der verweigerten Freigabe für das junge Phänomen Mbappé tritt in Paris eine Weltauswahl an, die an die Galaktischen aus Madrid Anfang des Jahrtausends erinnert, als Zinedine Zidane, David Beckham oder Luis Figo das blütenweiße Real-Trikot trugen. Zweitrangig, ob das zusammenpasste. Ähnlich ist es jetzt bei Mbappé, Messi und Neymar. Hauptsache, der allerhöchste Glamourfaktor umspannt das Lieblingsspielzeug von Nasser Al-Khelaifi, der es als PSG-Präsident geschafft hat, ganz offiziell immensen Einfluss innerhalb der Uefa zu erlangen, obwohl sein Konstrukt die Regelungen zum Financial Fairplay mit Füßen tritt. Wie die vor dem Sportgerichtshof CAS angestrengten Verfahren gegen PSG und City scheiterten, sprach Bände. Eine Regulierung schien gar nicht gewollt, wenn Klubs die Zusammensetzung der Richter bestimmen können.

Ergo: Ein sportlich über jeden Zweifel erhabener Wettbewerb befördert weiterhin ein ungesundes wirtschaftliches Wettrüsten, aus dem es scheinbar kein Entrinnen mehr gibt. Auch der FC Chelsea ist als aktueller Champions-League-Sieger kein leuchtendes Vorbild, weil die ungeachtet der Corona-Krise getätigten Investitionen – auch in die deutschen Nationalspieler Kai Havertz und Timo Werner – so schnell belohnt worden sind. Die absurde Aufführung um die mühsam abgewendete Super League zeigte vor allem eines: Die gierigen Großklubs kennen kaum noch Skrupel. Auch die namhaftesten englischen Vertreter wollten ja anfänglich in diesem geschlossenen Zwölfer-Zirkel mitmachen, ehe sie den Unmut der Fanbasis zu spüren bekamen. Abstrus, dass Real Madrid, FC Barcelona und Juventus Turin mit Strippenzieher Andrea Agnelli – als ECA-Boss mit der spektakulären Revolte im Frühjahr untragbar geworden – dem Super-League-Monster nicht abschwören wollen.

„Diese Typen haben versucht, den Fußball zu töten“, sagte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin jetzt im „Spiegel“. Manche Klubs hätten „einfach inkompetente Chefs“. Real-Boss Florentino Perez habe „gejammert, dass der Verein nur überleben könne, wenn es eine Super League gäbe. Und jetzt hat er versucht, Kylian Mbappe für 180 Millionen Euro zu kaufen!“ Doch was tut seine Institution gegen den Wildwuchs? Eine echte Bestrafung hat es bis heute fürs Trio nicht gegeben. Und: Nicht die Uefa-Regularien stoppten beim FC Barcelona die zu teure Messi-Weiterbeschäftigung, sondern eine Vereinbarung der spanischen Liga. Die mit 1,35 Milliarden Euro Schulden belasteten Katalanen benötigten einen Gehaltsverzicht einiger Stars um Gerard Pique, damit die Personalkosten nicht über 100 Prozent der Einnahmen liegen – und neue Spieler wie Memphis Depay registriert werden konnten.

Eingedenk solcher Rahmenbedingungen ist fast mutig, dass Bayern-Präsident Herbert Hainer just auf der Sportbusinessmesse Spobis verkündete, man wolle die nächsten Jahre wie selbstverständlich zu den Top Drei in Europa gehören. „Das ist der Anspruch.“ Dabei sind die Münchner nicht gewillt, jeden Poker mitzumachen, wie der ablösefreie Verlust seines Führungsspielers David Alaba gezeigt hat, für den dann eben Real Madrid ein fürstliches 115-Millionen-Paket an Handgeld, Provisionen und Gehalt für Spieler und Berater geschnürt hat. Doch auch bei den Bayern leben die Stars nicht schlecht: 2019/2020 wies die Bilanz bei einem Umsatz von 664 Millionen Euro einen Personalaufwand (für alle Angestellten) von 340 Millionen aus – jeder kann sich leicht ausrechnen, was die Hauptdarsteller einstreichen.

Trotzdem steht die Bundesliga finanziell noch vergleichsweise gut dar, fürchtet aber, dass die Uefa sogar die Tür für eine Liberalisierung von Investoren öffnet. Das würde noch mehr Wildwuchs in einem kranken System anheizen, wo doch Scheichs und Oligarchen nicht nur die Konkurrenz vor sich hertreiben, sondern auch die Uefa zu immer neuen Verrenkungen zwingen. Eigentlich ist die derzeitige Form mit 32 Teilnehmern, die diesmal aus 15 Ländern und 28 Städten kommen, von allen akzeptiert, sonst würden dank der Sponsoren und Fernsehanstalten nicht fast exakt zwei Milliarden Euro an die Teilnehmer wieder ausgeschüttet.

Die umstrittene nächste Reform eines Wettbewerbs, der 1992/1993 zunächst mit zwei K.o.-Runden und anschließend zwei Vierergruppen begann, ist ursächlich dem Drang nach noch mehr Erlösen geschuldet. Ab 2024 werden sage und schreibe 225 Begegnungen nötig sein, um den neuen Champions zu küren. 100 Begegnungen mehr als bisher. Die erneute Expansion, mit der jedem Teilnehmer acht oder zehn Spiele garantiert sind, war das Zugeständnis gegenüber den Marken, denen die Kosten für jene Topspieler davongaloppieren, die die Uefa gerade heldenhaft in Szene setzt.

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