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Da geht´s lang: Sebastian Hoeneß.

Hoffenheim

Ein Hoeneß als Wunschlösung

Warum Hoffenheim den Nachwuchscoach des FC Bayern holt.

Der Vater ist mächtig stolz. „Ich freue mich sehr für ihn, das ist der nächste große Schritt, den er in der Fußball-Welt macht und eine wirklich große Herausforderung. Aber ich traue ihm das zu. Er kann was!“, sagt Dieter Hoeneß über den seit Montagmorgen fixen Wechsel seines Sohnes Sebastian als Bundesliga-Chefcoach zur TSG Hoffenheim. Der 38-Jährige hatte zuvor die zweite Mannschaft des FC Bayern zur Drittliga-Meisterschaft geführt.

Der Filius hat laut Papa eine sehr frühe Leidenschaft für seinen Sport gezeigt. „Das erste Wort, das er als Kind gesagt hat, war: Ball“, berichtete das einstige Kopfball-Ungeheuer der Bayern. „Er kennt das schon seit 38 Jahren, insofern ist das nichts Neues für ihn. Damit muss er leben, trotzdem geht er seinen eigenen Weg und er macht das sehr, sehr gut“, sagte Dieter Hoeneß zur Last des prominenten Namens. „Natürlich holt er sich ab und zu Rat. Er hat mit dem Namen eine zusätzliche Hürde, die er überwinden muss. Aber er hat seine ganz eigenen Vorstellungen.“ Sein Sohn habe schon als Spieler wie ein Trainer gedacht. „Sein Weg ist noch nicht zu Ende.“

Sebastian Hoeneß, dessen Onkel Uli noch prominenter als der Vater ist, erhält einen Vertrag bis 2023. „Die Arbeit bei der TSG Hoffenheim ist eine große Herausforderung, auf die ich mich enorm freue. Die grundsätzliche Philosophie des Klubs ist identisch mit meiner Idee von Fußball – offensiv, mutig, flexibel und immer aktiv“, sagte Hoeneß junior, der die Arbeit in Hoffenheim mit dem Vorbereitungsstart am 2. August aufnehmen wird.

Hoeneß tritt bei der TSG die Nachfolge des im Juni entlassenen Niederländers Alfred Schreuder an. Unter einem sechsköpfigen Interims-Trainerteam hatte Hoffenheim anschließend in der Bundesliga noch Platz sechs erreicht und damit den Einzug in die Europa League geschafft. Sportchef Alexander Rosen bezeichnete Hoeneß nun als „Wunschlösung“, deren „Auffassung von Fußball hervorragend zur Philosophie und Strategie der TSG passt“.

Erst Kohfeldt im Visier

Dem Vernehmen nach hatten die Kraichgauer zuvor auch nach dem Bremer Florian Kohfeldt geschielt, ehe dieser seinen Verbleib bei Werder bekanntgab. Der Wechsel von Hoeneß nach Hoffenheim hatte sich danach immer stärker abgezeichnet. Die Lobeshymne von Bayern-Cheftrainer Hansi Flick am Sonntag klang schon nach Abschied. „Dass er sich Gedanken macht und sein Ziel die Bundesliga ist, das haben wir alle gewusst und auch erahnt. Das ist ganz natürlich“, sagte Flick über Hoeneß: „Er ist noch ein junger Trainer, hat aber hier schon einige Fußspuren hinterlassen und sehr erfolgreich gearbeitet.“ Zuvor hatte bereits Flicks Assistent Hermann Gerland Hoeneß als „großes Trainer-Talent“ gepriesen.

Die Freigabe fiel den Bayern schwer und leicht zugleich. „Es ist natürlich schade, dass Sebastian uns verlässt, aber wir haben entschieden, ihm keine Steine in den Weg zu legen. Er ist ein super Junge“, kommentierte Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic den Abgang, Hoeneß selbst zeigte sich nicht bloß pflichtschuldig „sehr dankbar, in diesem großartigen Klub gearbeitet zu haben“. (dpa/sid/FR)

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