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Ein erstes Ausrufezeichen

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Von: Frank Hellmann

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Auftakt gelungen: Und Lina Magull erzielte das erste Tor. Foto: dpa
Auftakt gelungen: Und Lina Magull erzielte das erste Tor. Foto: dpa © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Die deutsche Auswahl lässt zum Start in das Turnier nichts anbrennen und schlägt Dänemark deutlich und verdient mit 4:0 - sogar eine lang Vermisste trifft.

Ein lauer Sommerabend, ein ausverkauftes Stadion und jede Menge Vorfreude auf das 500. Länderspiel: Das deutsche Frauen-Nationalteam hat die freundlichen Rahmenbedingungen in Brentford im Westen Londons genutzt, um nach dreijähriger Turnierpause ein Ausrufezeichen zu setzen. Das DFB-Team meisterte den Auftakt der Frauen-EM 2022 mit einem überzeugenden 4:0 (1:0)-Sieg gegen Dänemark vor 15 746 Zuschauern erfolgreich. Die überragende Lina Magull (21.), Lea Schüller (57.) und die eingewechselte Lena Lattwein (78.) sowie die so lange verletzte Rückkehrerin Alexandra Popp (86.) erzielten die Treffer in einer unterhaltsamen Begegnung, die Hoffnung für den weiteren Turnierverlauf weckt. Offenbar hat die lange Vorbereitungszeit einiges gebracht, um Spiellaune zu fördern und Automatismen zu verankern.

Der achtfache Europameister spielt nun am Dienstag in der zweiten Partie gegen Spanien (4:1 gegen Finnland) im Community Stadium an selber Stelle bereits um den Gruppensieg. Entsprechend viele erleichterte Gesichter, Glückwünsche und Umarmungen gab es in der erst vor zwei Jahren erbauten Heimstätte des Premier-League-Klubs FC Brentford zu besichtigen. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg kann nun im Teamquartier im Syon Park ein bisschen entspannter weiterarbeiten.

Die 54-Jährige hatte die erwartete Startformation aufgeboten und angekündigt, dass ihre Spielerinnen „alles raushauen würden“. Nach anfänglicher Nervosität nahm die deutsche Elf alsbald das Heft des Handelns in die Hand. Immer wieder kombinierte das Ensemble selbstbewusst und flüssig, fand freie Räume – und hatte erstklassige Chancen. Pech, dass Felicitas Rauch früh eine Aluminiumallergie entwickelte, scheiterte die Linksverteidigerin vom VfL Wolfsburg mit ihren Schüssen gleich zweimal an der Latte (10. und 14.). Sara Däbritz und Lea Schüller hatten beim zweiten Versuch jeweils im Abseits gestanden.

Der Lohn für diese überzeugende Druckphase sollte noch folgen, als Magull den Ball von Stine Pedersen abluchste, noch einige Meter weiterlief, um den Ball humorlos ins obere Eck zu jagen. Mit durchgeschwungenem Arm feierte die Kapitän vom FC Bayern zu den Gala-Klängen „Freed vom Desire“ diesen Volltreffer. Es war in der Entstehung ein Tor, das in das von Voss-Tecklenburg ausgegebene Leitmotiv passte, mutig, aktiv und kreativ nach vorne zu spielen. Und gerade Magull hat als Führungskraft in München noch einmal einen Reifeprozess durchgemacht. Fast zwangsläufig, dass die Nummer 20 sich in die Torschützenliste eintrug. Die 27-Jährige hatte bei der bitteren 1:2-Niederlage im WM-Viertelfinale 2019 gegen Schweden ebenfalls zum 1:0 getroffen.

Nun machte sich auch der deutsche Anhang – zahlenmäßig in der Unterzahl – kurzzeitig bemerkbar. Trotzdem wäre der bis dahin enttäuschende Vize-Europameister fast zum Ausgleich gekommen, als Torhüterin Merle Frohms gegen Signe Bruun mit Flugparade klärte (29.).

Es sollte die einzige Unaufmerksamkeit der deutschen Abwehr mit einer starken Innenverteidigung mit Kathrin Hendrich und Marina Hegering sein. Auch das Mittelfeldtrio mit Lena Oberdorf, Sara Däbritz und Magull harmonierte, zudem war Rechtsverteidigerin Giulia Gwinn ein Aktivposten. Kurz vor der Pause verpassten Klara Bühl (39.) und auch Lea Schüller (45.+1) einen möglichen zweiten Treffer.

Nach dem Wechsel zog zwar eine dunkle Wolke in der Abenddämmerung über der Kew Bridge auf, was sich aber nicht als schlechtes Omen entpuppte. Dänemarks Trainer Lars Sondergaard reagierte auf eine gewisse Ratlosigkeit mit einem Dreifachwechsel und brachte die wegen ihres Katar-Engagements kritisierte Nadia Nadim. Doch kaum war der Tausch vollzogen, zappelte der Ball auch schon im dänischen Tor: Nach Magull-Ecke sprang Lea Schüller höher als die sich fatal verschätzende Torhüterin Lene Christensen und köpfte zum 2:0 ein. Allzu lange blieb die 24-Jährige aber nicht auf dem Rasen, sondern machte Platz für Kapitänin Alexandra Popp, Jule Brand und Lattwein kamen, die dann auch prompt nach Oberdorf-Vorlage ebenfalls per Kopf das 3:0 anbrachte. Das I-Tüpfelchen war der letzte Treffer zum4;0 durch Alexandra Popp.

Über den Leistungsstand der deutschen Fußballerinnen herrschte bis zu dieser Standortbestimmung fast schon quälendes Rätselraten. Vor dem 7:0 gegen die Schweiz bei der EM-Generalprobe hatte es ein 2:3 in Serbien bei der WM-Qualifikation gegeben. Gwinn räumte in einem ZDF-Interview ein, dass es auch danach noch eine bis dahin nicht bekannte Aussprache gab, bei der sich alle die Meinung geigten. „Es ging um persönliche Dinge, taktische Fragen, aber auch Unstimmigkeiten zwischen Spielerinnen und Trainerteam.“ Offenbar haben die Krisensitzungen dazu geführt, dass alles im Fluss ist.

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