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Ein bisschen Freude

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Von: Frank Hellmann

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Will in schwierigen Zeiten Freude vermitteln: Bundestrainer Hansi Flick.
Will in schwierigen Zeiten Freude vermitteln: Bundestrainer Hansi Flick. © dpa

Warum Bundestrainer Hansi Flick auch vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine von seinen Spielern eine gute Leistung fordert

Dass sich auch in der Welt eines Bundestrainers längst nicht mehr alles um Fußball dreht, diese Annahme ist bei einem geerdeten Zeitgenossen wie Hansi Flick richtig. Als der 57-Jährige am vergangenen Freitag über die ersten Länderspiele des WM-Jahres sprach, verriet Flick zuerst, wie nachdenklich ihn das Weltgeschehen stimme. Die Bilder aus der Ukraine zu sehen, „das schmerzt einfach“. Er sagte deshalb: „Ich habe die Erwartung an meine Mannschaft, dass sie in dieser schwierigen Zeit Spaß und Freude vermittelt; dass es eine kleine Ablenkung ist für all die Menschen, die sich viele Sorgen machen.“ Dazu dienen sollen die Freundschaftsspiele in Sinsheim gegen Israel am kommenden Samstag (20.45 Uhr/RTL) und drei Tage später in Amsterdam gegen die Niederlande (20.45 Uhr/RTL), wobei der Bundestrainer diesem Doppelpack „einen Mix aus Ausprobieren und Einspiele“ verpassend wird.

So treffen am Montag in Neu-Isenburg vor den Toren Frankfurt einige Profis ein, die Fans der Nationalmannschaft nicht zwingend mehr auf dem Zettel hatten. Nach teils jahrelangen Pausen sind Robin Koch (Leeds United), Julian Weigl (Benfica Lissabon) oder auch Benjamin Henrichs (RB Leipzig) wieder dabei, die ihre letzten Einladungen noch unter Joachim Löw erhalten hatten. Der 25-jährige Koch profitiert davon, dass Stammverteidiger Niklas Süle wegen eines Muskelfaserrisses ausfällt, der ein Jahr ältere Weigl soll sich auf der Position als Sechser zeigen.

Flick sucht nämlich eine Art Joshua-Kimmich-Backup. „Wir haben uns Gedanken gemacht, wer könnte Stabilisator sein“. Der frühere Dortmunder zeige beim gerade ins Champions-League-Viertelfinale eingezogenen Spitzenklub aus Portugal, „dass er gut organisieren kann“. Auch Jamal Musiala, den Flick aus seiner Zeit beim FC Bayern bestens kennt, kommt für diese Rolle infrage.

Dickes Lob für Stach

Ein weiterer Kandidat für die Schaltstelle ist der U21-Europameister Anton Stach. Den Stammsechser des FSV Mainz 05 hat Flick gerade erst gegen Borussia Dortmund (0:1) beobachtet, gegen Arminia Bielefeld (4:0) fehlte der 23-Jährige gelbgesperrt. „Wir wollen sehen, was für ein Potenzial er uns anbietet. Er hat gute Qualitäten, die er einbringt“, lobte der DFB-Chef, der keinen einzigen Spieler von Borussia Dortmund berufen hat.

Mats Hummels kommt mal wieder nicht infrage, diesmal wegen einer Covid-Infektion. Marco Reus ist noch krank, sonst wäre wenigstens der BVB-Kapitän dabei gewesen, versicherte Flick, doch für Emre Can, Mahmoud Dahoud oder Julian Brandt reicht es derzeit nicht. Flick tröstete die nicht berücksichtigte Dortmunder Gruppe mit warmen Worten: „Das hat nichts damit zu tun, dass die Qualität nicht da. Sie sind weiter im Blickfeld.“ Sie müssen sich aber steigern, wollen sie für die WM in Katar (21. November bis 18. Dezember) ein Thema werden.

Viel weiter oben in der Hierarchie stehen mittlerweile Newcomer wie David Raum (TSG Hoffenheim) oder Nico Schlotterbeck (SC Freiburg), wobei Flick dem Verteidiger Schlotterbeck sogleich das DFB-Debüt versprach: „Er wird sein erstes Länderspiel machen, hat aber noch Potenzial nach oben. Da muss noch eine Entwicklung stattfinden.“ Selbiges gilt für etliche Akteure im Aufgebot. „Wir erwarten einfach, dass jeder nochmal eine Schippe drauflegt.“ Dem Bundestrainer helfen die vier hochkarätigen Nations-League-Partien im Juni gegen Italien, England und Ungarn, die der „absolute Gradmesser“ (Flick) für die WM-Tauglichkeit werden sollen.

Die Nationalelf will die nächsten Tage noch diverse Botschaften für den Frieden absetzen. Das Peace-Zeichen auf Bekleidung, Bannern und Banden soll auch die Trainingseinheiten begleiten, die ab Dienstag auf dem Eintracht-Gelände vor der Arena abgehalten werden.

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