Nach 229 Tagen im Amt beim 1. FC Nürnberg entlassen: Jens Keller.
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Nach 229 Tagen im Amt beim 1. FC Nürnberg entlassen: Jens Keller.

1. FC Nürnberg

Ehrenrunde in den Flammen

  • Jakob Böllhoff
    vonJakob Böllhoff
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Die zwei Nürnberger Klublegenden Marek Mintal und Michael Wiesinger sollen nach dem Rauswurf von Trainer Jens Keller beim Zweitligisten ein Desaster verhindern.

Optimismus, zur falschen Zeit am falschen Ort hervorgebracht, kann sich sehr verkehrt anhören. „Jetzt müssen wir halt eine Ehrenrunde drehen“, hatte Trainer Jens Keller gesagt, nachdem am Sonntag feststand, dass der ruhmreiche 1. FC Nürnberg den Kampf um den Zweitliga-Klassenerhalt in zwei Relegationsspielen würde fortführen müssen. Mit dem rhetorischen Kunststück, die Schande des drohenden und potenziell existenzbedrohenden „Club“-Abstieges derart beschönigend zu umschreiben, erinnert Keller an einen berühmten Comic des Künstlers KC Green: Dort ist ein Hund zu sehen, in einem brennenden Haus vollständig von Flammen umzingelt, der realitätsfremd ruhig und grinsend zu einer Tasse Kaffee greift und sagt: „Es ist alles in Ordnung.“

Dass rein gar nichts in Ordnung ist beim 1. FC Nürnberg, hat Jens Keller dann spätestens selbst gemerkt, als er am Montag von seinen Aufgaben als Trainer entbunden wurde. Die Vereinslegenden Michael Wiesinger, zuletzt Leiter des FCN-Nachwuchsleistungszentrum, und der alte Torjäger Marek Mintal, Coach der U23, übernehmen als Duo die Mannschaft, um die sportliche und finanzielle Katastrophe zu verhindern. Nichts anderes wäre der zweite Absturz des fränkischen Altmeisters in die Drittklassigkeit nach 1996.

Mintal und Wiesinger, die nur für zwei Spiele einspringen sollen – laut Wiesinger werden es „die wichtigsten in der jüngeren Vereinsgeschichte“ -, zeichneten sich 2013 schon einmal gemeinsam für die „Club“-Profis verantwortlich, damals in der Bundesliga. Ohne Erfolg, es folgte die Entlassung und später der Abstieg.

Dennoch wird der Trainerwechsel im Nürnberger Umfeld als einzig richtige Entscheidung angesehen, wenn auch als zu spät gefällt vom umstrittenen Sportchef Robert Palikuca, der längst selbst im Zentrum der Kritik steht. Der 42-Jährige, der vor seinem Amtsantritt in Nürnberg im April 2019 drei Jahre bei Fortuna Düsseldorf angestellt war, wo er sich am Ende auch mit Trainer Friedhelm Funkel überwarf, lag vor der Saison mit der Einstellung des glücklosen Coaches Damir Canardi daneben. Und dann gleich nochmal mit jener des tendenziell bewegungslosen Keller, der nach 229 Tagen wieder gegangen wurde. Und ganz grundsätzlich mit der Zusammenstellung eines Kaders, der den Bundesliga-Aufstieg schaffen sollte und nun schauen muss, wie sich die Dritte Liga vermeiden lässt. Eine Ehrenrunde sieht anders aus. (mit sid)

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