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Eden Hazard ist Chelseas 150-Millionen-Mann.

Eden Hazard

Eden Hazard - Kein Raubtier im Garten

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Chelseas Topstürmer Eden Hazard ist ein begnadeter Dribbler – in der Europa League wurde er bislang meist geschont.

Natürlich hat Eden Hazard auch Maurizio Sarri enttäuscht. Wie er zuvor auch José Mourinho und Antonio Conte enttäuscht hat, er enttäuscht sie ja alle, er ist halt einfach nicht so gut, wie die Trainer denken. 40, 50 Tore erwarten die Fußballlehrer vom Belgier mit dem Nummer zehn, pro Saison, versteht sich. Doch das schafft er einfach nicht. „Den besten Spielern geht es um Pokale, Titel, Trophäen“, hat Hazard mal gesagt, ihm nicht: „So war ich nie, ich will einfach Spaß haben“, verriet Hazard „France Football“. So kommt es, dass Eden Hazard aktuell zwar seine beste Saison, seit er vor sieben Jahren, 2012, für 35 Millionen Euro von OSC Lille zum FC Chelsea gewechselt ist, spielt. 16 Tore und 13 Assists hat er geschafft und war damit an knapp 50 Prozent aller Chelsea-Treffer direkt beteiligt. Trotzdem aber kann er den Eindruck nicht verwischen, dass es eigentlich mehr hätten sein können.

Das liegt an der Erwartungshaltung an ihn, den „belgischen Messi“. Die ist hoch. Dabei ist Eden Hazard kein klassischer Torjäger, kein Knipser, der im Zentrum lauert, er ist ein Vorbereiter, ein Dribbler, einer, der den Ball verliebt eng am Fuß führt, fintenreich und flink, er ist kein One-Touch-Fußballer. Er sei eher „Künstler als Raubtier“, umschrieb ihn jüngst der Londoner „Telegraph“. Vor allem ist er einer für den (linken) Flügel, nicht für die Mitte, wohin ihn Maurizio Sarri unverständlicherweise manchmal schiebt. Dort kommen seine Stärken nicht voll zum Tragen.

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Seine Stärke ist das Tempodribbling. Er hat, bei einer Größe von 1,73 Meter, einen sehr niedrigen Schwerpunkt, er führt den Ball extrem eng, sprintet im Stakkatostil, ist zudem bei 76 Kilogramm Gewicht stabil genug, nicht so leicht aus der Bahn geworfen zu werden. „Ich bin klein, deshalb ist es gut für mich, gegen große Gegenspieler zu spielen“, beschreibt Hazard seine Art zu spielen. Die „Süddeutsche Zeitung“ bescheinigte ihm einmal, „die schärfsten Dribblings der Welt“ zu führen. Ihm, „das Juwel des belgischen Fußballs“, wie ihn sein Jugendtrainer Stephane Adams früh bezeichnete, ist nur schwer beizukommen.

Mittlerweile zählt Eden Hazard, der aus einer reinen Fußballerfamilie kommt – Vater Thierry war Verteidiger in der zweiten belgischen Liga, Mutter Carine in der ersten belgischen Liga, Bruder Thorgan spielt bei Borussia Mönchengladbach, Kylian bei Cercle Brügge – zu den aufregendsten Angreifern des Planeten. „Er ist einer der besten Stürmer der Welt“, lobt ihn Sarri und begründet es so: „Weil er immer Spiele in ein oder zwei Minuten entscheiden kann.“ Kein Wunder, dass ihn, dessen Vertrag in London 2020 ausläuft, derzeit „die ganze Fußballwelt will“ (Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner). Real Madrid etwa hat sehr vernehmlich seine Fühler ausgestreckt, 150 Millionen Euro soll der Mann wert sein. Zinedine Zidane, zufällig Trainer der Königlichen, hält ihn für „einen fantastischen Spieler“. Eine Gage von zehn Millionen netto soll dem 28-Jährigen offeriert worden sein.

Tore in der Euroleague: Null

Bis zum Alter von 13 Jahren hat Klein-Eden in Belgien gespielt, beim AFC Tubize, dann ist er zum OSC Lille gewechselt, hat dort alle Jugendmannschaften durchlaufen, mit 16 in der Profimannschaft debütierte und mit 17 sein erstes Ligator erzielt, 2012 wechselte er auf die Insel. Inzwischen hat er 347 Pflichtspiele auf dem Buckel, hat 108 Tore erzielt, und 88 Vorlagen gegeben. Er ist natürlich Leistungsträger der „Roten Teufel“, der belgischen Nationalelf, für die er bislang 100 Spiele (30 Tore) bestritten und drei Weltmeisterschaften absolviert hat. Dass Belgien im vergangenen Jahr zur dritten Kraft im Weltfußball aufgestiegen ist, ist vornehmlich sein Verdienst.

Wobei der Spaß bei ihm natürlich nie zu kurz kommt: Nach dem 2:0-Sieg über England ist ein Bild aus der Kabine veröffentlicht worden, dass ihn Burger essend zeigte. Und ein Burger wäre ihm fast zum Verhängnis geworden: Weil ihn Nationaltrainer Georges Leekens 2011 bei einem EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei nach einer Stunde auswechselte, hat er wutentbrannt das Stadion verlassen und mit seiner Familie in einem Fastfood-Lokal Hamburger verspeist. Leekens suspendierte seinen Star für zwei Spiele.

Die Europa League war bislang erstaunlicherweise nicht die Bühne des introvertierten Eden Hazard, da wurde er meist geschont. Von zwölf möglichen Partien, von denen Chelsea elf gewann und einmal unentschieden spielte, machte er lediglich fünf – kein einziges über 90 Minuten. Tore: Null.

Knie-OP bei Rüdiger

Der FC Chelsea muss ohne Antonio Rüdiger gegen die Eintracht auskommen. Der Innenverteidiger hat sich in Italien bereits einer Meniskusoperation unterzogen. Rüdiger hatte sich die Verletzung am Sonntag im Spiel bei Manchester United (1:1) zugezogen.

Laut der Wirtschaftsprüfer von Deloitte generiert der FC Chelsea 230,5 Millionen Euro allein aus den Medienrechten und macht damit „ fast doppelt so viel Umsatz wie Eintracht Frankfurt insgesamt“, erklärt Kim Lachmann, Manager in der Sport Business Gruppe von Deloitte.

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