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Ihr erstes Länderspiel: Svenja Huth 2011 gegen Schweden.

Frauen-Nationalmannschaft

Ein echter Härtetest

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In Schweden bekommen die deutschen Fußballerinnen einen WM-Vorgeschmack.

Den 26. Oktober 2011 hat Svenja Huth noch genau im Gedächtnis abgespeichert. Was da war? „Mein erstes Länderspiel! In Hamburg gegen Schweden.“ Was fraglos stimmt: Bei einem Freundschaftsspiel am Millerntor kam die damals noch beim 1. FFC Frankfurt spielende Allrounderin für Melanie Behringer in die Partie, und die Debütantin in der deutschen Frauen-Nationalmannschaft war eine jener Protagonisten, die von Rücktritten wie der von Torjäger-Ikone Birgit Prinz profitierten, nachdem der zweifache Weltmeister seine Heim-WM in den Sand gesetzt hatte.

„Das war für alle ärgerlich, so früh auszuscheiden“, erinnert sich Huth, die beim verlorenen Viertelfinale gegen Japan zuhause am Fernseher zuschaute. Für die inzwischen 28-Jährige schließt sich ein kleiner Kreis, wenn die DFB-Frauen unter der neuen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nun ihr zweites Länderspiel bestreiten. Wieder gegen Schweden, diesmal aber im Nationalstadion von Solna (Samstag 13.45 Uhr/ARD). „Schweden hat große Qualität in der Offensive, das Team spielt mit viel Tempo nach vorne und besticht durch seine physischen Stärken und körperliche Präsenz“, lobt Voss-Tecklenburg einen Gegner, der bei Turnieren jedoch von Deutschland fast immer auf die Bretter geschickt wurde. Zuletzt bei der WM 2015, als das DFB-Team im Achtelfinale in der kanadischen Hauptstadt Ottawa locker mit 4:1 triumphierte.

30 000 Zuchauer erwartet

Aus dieser Rivalität rührt die besondere Resonanz, denn die Organisatoren in Stockholm erwarten weit mehr als 30 000 Besucher. Frauensportarten genießen in Skandinavien traditionell einen hohen Stellenwert. „Die Hütte ist voll“, sagt Huth voller Vorfreude, „das ist doch viel schöner, als wenn die Ränge halbleer sind.“ So wie zuletzt meist beim Frauen-Länderspielen auf deutschem Boden. Selbst nach der erfolgreichen WM-Qualifikation – beim entscheidenden Qualifikationsspiel auf Island (2:0) war Huth übrigens die Doppeltorschützin – verloren sich zur Verabschiedung des Interimstrainers Horst Hrubesch gegen Spanien (0:0) ganze 3169 im Erfurter Steigerwaldstadion.

„Bestenfalls wecken wir durch ein gutes Abschneiden im Sommer wieder mehr Interesse“, sagt die quirlige Angreiferin von Turbine Potsdam, die nächste Saison zum deutschen Meister VfL Wolfsburg wechselt. Huth will die WM in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) zu einer Erfolgsgeschichte werden lassen, ohne sich selbst zu viel Druck zu machen. „Die Bundestrainerin hat ja selbst gesagt, dass acht Mannschaften Weltmeister werden können. So sehe ich das auch: Es ist nicht mehr so einfach wie vor zehn oder 20 Jahren, als außer Deutschland und den USA noch maximal ein, zwei andere Teams infrage kamen.“

Schweden steht irgendwie auch immer auf der Liste, und dass es jetzt einen solchen Härtetest gibt, kann allen nur recht sein. Huth erinnert sich an das umkämpfte Halbfinale bei der EM 2013 gegen den Gastgeber Schweden, als das deutsche Team - damals noch unter der Anleitung von Silvia Neid - mit 1:0 siegte. Das Finale fand ebenfalls in Solna statt. Deutschland gewann dank zweier gehaltener Elfmeter von Nadine Angerer damals vor ausverkauftem Haus gegen Norwegen mit 1:0.

All das ist längst Geschichte. Nun bastelt Voss-Tecklenburg an der Zukunft. Mit vielen jungen Spielerinnen, mit neuen Ideen. Die 51-Jährige hat natürlich gleich den Vergleich gegen Japan in Paderborn (Dienstag 16 Uhr/ ZDF) mit im Blick. „Japan und Schweden sind zwei absolute Topnationen im Frauenfußball. Unser Ziel ist es, diese Spiele zu nutzen, um auf der einen Seite zu testen, auf der andern aber auch Automatismen einzustudieren.“ Dass ihre akribische Trainerin an vielen Stellschrauben dreht, hilft einer wie Huth. „Sie arbeitet viel im Detail. Das betrifft das Pass- und Positionsspiel – dafür werden im Training schon mal die Spielzüge angehalten.“ Die aus dem bayrischen Alzenau stammende Nationalspielerin gibt gerade ein gutes Beispiel, dass es zum Lernen im Frauenfußball nie zu spät ist. Nicht umsonst gibt sie hinter Sturmspitze Alexandra Popp neuerdings die stellvertretende Kapitänin.

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