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Viel Leerraum: Willi Orban (Mitte) und die Schweden Johan Hammar und Adam Andersso.

RB Leipzig

Durch die Tretmühle

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Warum die Vorbereitung bei RB Leipzig durch die Europa-League-Qualifikation zum Drahtseilakt wird.

Touristen laufen das zu Göteborg gehörende Hisingen meist nicht zuerst an. Die fünftgrößte schwedische Insel schöpft ihre Bedeutung vor allem daraus, dass sie den größten Teil des Hafens beherbergt. Und auf den knapp 200 Quadratkilometern ist auch noch Platz für einen Fußballverein. Hier liegt nämlich auch die vor drei Jahren neu erbaute Heimstätte des schwedischen Erstligisten BK Häcken. Zu den Eigenheiten der 6500 Plätze bietenden Bravida-Arena gehört seitdem ein wetterbeständiges Kunstrasenspielfeld. Der Klub und seine Umgebung schmecken also nicht nach großem Fußball – im Gegenteil.

Häcken bedeutet die erste Dienstreise in dieser Europapokalsaison für den sächsischen Bundesligist, der den mühseligen Marsch durch die Qualifikation dem Pokalsieg von Eintracht Frankfurt zu verdanken hat. Immerhin: Nach dem 4:0-Hinspielsieg sollte im Rückspiel (Donnerstag 18.30 Uhr/DAZN) nicht mehr viel anbrennen. Trainer Ralf Rangnick fordert: „Das 4:0 werden und dürfen wir nicht mehr hergeben.“ Dem 60-Jährigen ist die sommerliche Tretmühle für seine Bullen auch deshalb nicht recht, weil dafür das Trainingslager im österreichischen Seefeld unterbrochen werden muss: Rangnick nimmt eine Mischung aus „60 Prozent Profis und 40 Prozent U19-Spielern“ mit. Ein Teil des Teams soll weiterhin in Seefeld trainieren.

Schon sieben Pflichtspiele

Neben den angeschlagenen Dayot Upamecano und Konrad Laimer bleibt auch Marcel Sabitzer und WM-Fahrer Timo Werner der Charterflug von Innsbruck nach Göteborg erspart. Grundsätzlich wird die Vorbereitung damit zum Drahtseilakt, weil die ständige Unterbrechung zum Regelfall wird: In der dritten Qualifikationsrunde wäre der rumänische Erstligist Universitatea Craiova am 9. und 16. August der Gegner. Über die endgültige Zulassung zur Gruppenphase würden dann die Playoffs am 23. und 30. August entscheiden.

Mittendrin stehen für das Rangnick-Team dann aber noch die erste DFB-Pokalrunde bei Viktoria Köln (19. August) und der Bundesliga-Auftakt bei Borussia Dortmund (26. August) an. Allein in diesem Monat könnten die Akteure also bereits auf sieben Pflichtspiele kommen. Da braucht es die richtige Belastungssteuerung, um einerseits Grundlagen zu legen, andererseits sich bei den „internationalen Testspielen“, wie Rangnick die Qualifikationsrunde getauft hat, sich nicht zu blamieren. Auf dem Weg ins internationale Business zu scheitern, wäre sowohl fürs Renommee der Bundesliga als auch das Reputation des Brauseklubs sehr schädlich.

Rangnick will grundsätzlich schnell zurück zur „RB-DNA“, die das blitzschnelle Umschalten, das gnadenlose Pressing und das hohe Tempo beinhaltet. Danach wurden die entwicklungsfähigen Neuzugänge (Marcelo Saracchi, Nordi Mukiele, Matheus Cunha) ausgesucht, dafür wurde der Trainerstab umgebaut, in dem der US-Amerikaner Jesse Marsch und der ehemalige Jugendtrainer Robert Klauß für neue Impulse sorgen sollen.

Das Wichtigste aber: Damit sich die vielen Spieler aus dem Ausland besser integrieren als bisher, hat RB eine neue Abteilung „Integration und Bildung“ geschaffen. Hauptaufgabe: schnell Deutsch lernen. Zu einem besonderen Spiel wird der Schweden-Trip für einen, der bereits bestens integriert ist: WM-Star Emil Forsberg soll in seiner Heimat genau wie der Däne Yussuf Poulsen heute mitwirken. Der 26-Jährige kennt den Alltag der ersten schwedischen Liga, noch aus seiner Zeit bei Malmö FF, ehe er 2015 in Leipzig anheuerte. Um Forsberg ranken sich auch in diesem Sommer Wechselgerüchte. Nun soll AS Rom intensiv um den Offensivkünstler werben, der ausrichten ließ, sich „im Moment ganz auf Leipzig zu konzentrieren.“

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