+
Schoss das bislang einzige Stürmertor: Rouwen Hennings (links)

Eintracht Frankfurt - Fortuna Düsseldorf

Düsseldorfer Lerneffekte

  • schließen

Die Mannschaft von Friedhelm Funkel sind nicht von ungefähr im Tabellenkeller.

Eintracht Frankfurt gegen Fortuna Düsseldorf – diese Konstellation gab es in der Bundesliga schon 44 Mal. Zwei Traditionsvereine, die das Geschehen im Oberhaus jeder auf seine Weise geprägt haben. Die Rheinländer hatten ihre beste Phase in den 1970er. Mitten in den Jahren, als sich Bayern München und Borussia Mönchengladbach noch regelmäßig um die Schale rangelten, wurde die Fortuna zweimal Dritter (1973 und 1974), später dann stand der Verein sogar einmal im Endspiel des Europapokals der Pokalsieger, verlor unglücklich in Basel dem FC Barcelona in einem packenden Finale mit 3:4. In diese Phase fielen auch noch zwei DFB-Pokalsiege (1979 und 1980). 

Doch selbst in dieser besten Zeit, geprägt von Gerd Zewe, Dieter Brei, Rudi Bommer oder den Brüdern Klaus und Thomas Allofs, hatte die Fortuna meist nichts zu melden, wenn es zu einer Dienstreise nach Frankfurt ging. Nur gegen den 1. FC Nürnberg ist die Düsseldorfer Auswärtsbilanz noch schlechter. In 22 Auswärtspartien in der höchsten Spielklasse ging die Fortuna nur einmal als Sieger vom Rasen. Mehr als 38 Jahre ist das her. Am 26. Januar 1980 im bitterkalten Waldstadion erzielte der aufgerückte Abwehrrecke Zewe den 2:1-Siegtreffer, für die Frankfurter mit den 74er Weltmeistern Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein ein empfindlicher Rückschlag. Deutscher Meister wurde damals übrigens der FC Bayern, der sich bis zum Saisonende einen erbitterten Zweikampf mit dem Hamburger SV lieferte. Und Helmut Schmidt, der standfeste SPD-Steuermann, regierte die Bundesrepublik. Alles lang, lang her.

Mittlerweile begegnen sich Eintracht Frankfurt und Fortuna Düsseldorf nicht mehr auf Augenhöhe. Der Umsatz der mal wieder im Europapokal spielenden Hessen ist doppelt so hoch wie der des Aufsteigers, der die langen Jahre in der Zweitklassigkeit nicht einfach so abschütteln kann. Insofern ist Tabellenplatz 17 vielleicht auch ein Ausdruck der Kaderstärke. Diese These hat zumindest Sportvorstand Erich Rutemöller angeführt, der neben Friedhelm Funkel den zweiten routinierten Entscheider gibt. Sie haben einen Kader gezimmert, der in der zweiten Liga Akzente setzen konnte, aber in der ersten Liga ums Überleben kämpft.

Eine Stütze ist dabei der einst vorschnell zum Nachfolger von Oliver Kahn auserkorene Torwart Michael Rensing, der seine lange Verletzungspause gut weggesteckt und den in der zweiten Liga so stark haltenden Raphael Wolf wieder verdrängt hat. 

Ayhan hält hinten dicht

In der Abwehr steht mit dem auf Schalke ausgebildeten Deutsch-Türken Kaan Ayhan einer, der auf Leihbasis im ersten Halbjahr 2016 in Frankfurt als Jungprofi spielte, damals aber kaum zum Zuge kam, und inzwischen mit 23 Jahren als Stammspieler etabliert ist. Egal, ob mit Dreier- oder Viererkette gespielt wird. Steht die Fortuna in der Abwehr noch ganz ordentlich, fangen im Mittelfeld die Probleme an: die robusten Zweikämpfer Alfredo Morales, Marcel Sobottka und Matthias Zimmermann sind wichtig fürs Gefüge, aber selten torgefährlich. 

Als Hauptmanko hat auch Rutemöller die fehlende Torgefahr ausgemacht. Benito Raman vergab vor zwei Wochen gegen den FC Schalke 04 exemplarisch eine Großchance, die Rutemöller so kommentierte: „Wenn du häufig die Chancen nicht nutzt, dann ist es am Ende auch eine Frage der Qualität.“ Dazu kommen Lerneffekte auf anderer Ebene: Der mit so vielen Vorschusslorbeeren bedachte belgische U21-Nationalstürmer Dodi Lukebakio verpasste jüngst vor dem Schalke-Spiel die Abschlussbesprechung und wurde suspendiert. So wartete der noch torlose Marvin Ducksch, in der zweiten Liga mit 18 Treffern für Holstein Kiel eine Torgarantie, vergeblich auf Vorlagen. Das einzige Stürmertor erzielte Rouwen Hennings per Elfmeter. Für Funkel ist das alles nicht dramatisch: „Wir stehen jetzt da, wo uns ohnehin alle erwartet haben.“ 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion