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Hat seinen sechsten Aufstieg im Sinn: Trainer Friedhelm Funkel.

Fortuna Düsseldorf

Düsseldorf und der Drang nach Höherem

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Die Fortuna hat ihren Weg gefunden, um erstklassig zu werden.

Man kann wahrlich nicht behaupten, dass das Büro des Vereinsbosses von Fortuna Düsseldorf von übergroßem Schnickschnack geprägt wäre. Am buntesten wirken auf den ersten Blick die Schalensitze hinter den Fensterscheiben inmitten der Arena. Immerhin: In seinem Rücken hat Robert Schäfer ein Trikot gehängt, mit der Nummer 23. Sie steht für seinen Geburtstag am 23. März, denn vergangenen Freitag ist der Vorstandsvorsitzende 42 Jahre alt geworden. Sein Amt trat der gebürtige Darmstädter übrigens am 22. März 2016 an.


Die Zwischenbilanz fällt nicht schlecht aus. Der Traditionsverein klopft so kräftig an das Tor zur Bundesliga, dass es schon mit dem Teufel zugehen müsste, wenn der Einlass noch verwehrt würde. Neun Punkte Vorsprung auf den Dritten Holstein Kiel. „Es ist viel zu früh, um irgendwelche Glückwünsche anzunehmen“, beteuert Schäfer. Doch der Abstand zwischen Platz eins und drei ist der größte, den es in Liga zwei gibt. Den Vierten (Regensburg) trennen vom 14. (Heidenheim) gerade sechs Zähler.

„Fortuna ist wieder en vogue“

Vieles deutet darauf hin, dass die für ihre gehobenen Ansprüche bekannte Rheinmetropole nach 2012/2013 wieder erstklassigen Fußball erlebt. Dass die Begeisterungswelle diesmal spürbar kleiner ausfällt, mag Schäfer nicht bestätigen. „Für das letzte Heimspiel gegen Kiel haben wir weit über 35 000 Karten verkauft.“ Und auch der Vorverkauf für die restlichen Partien gegen Bochum und Ingolstadt laufe gut; überdies würden viele Dankesschreiben bezeugen: „Fortuna ist wieder en vogue.“

Schäfer glaubt, dass ein 24. Bundesliga-Jahr „eine exponentielle Steigerung“ der Aufmerksamkeit bringen würde. In allen Bereichen. Und würde nicht erstklassiger Fußball bestens zu einem Standort passen, dem ohnehin der Drang nach Höherem nachgesagt wird? Ein schlafender Riese ist die Fortuna nicht, dafür sind die Nachwirkungen der vergangenen zwei Jahrzehnte zu arg. Der Klub kommt mit 50 Mitarbeitern aus, dennoch beteuert der Vereinschef: „Was die Strukturen angeht, sind wir gut aufgestellt.“

In die komfortable Lage ist die Fortuna mit gutem Scouting, einer kalkulierten Risikobereitschaft und einem gewissen Verhandlungsgeschick gekommen: Die fünf Millionen Euro Ablöse kurz vor Transferschluss für Ihlas Bebou (zu Hannover 96), den besten Stürmer, und die zwei Millionen Entschädigung für Peter Hermann, den verdienten Co-Trainer, den Jupp Heynckes unbedingt zum Comeback beim FC Bayern bei sich wollte, haben Spielräume geschaffen.

Einen klassischen Manager gibt es allerdings gar nicht: Erich Rutemöller arbeitet mit 73 Jahren ehrenamtlich als Sportdirektor. Im Hintergrund werkeln zwei Fleißarbeiter: Uwe Klein und Robert Palikuca, der eine ein Spezialist für Scouting und Kaderplanung, der andere für Verhandlung und Vertragsgestaltung.

Und dann ist da ja immer noch derjenige, der das sechste Mal in die Bundesliga aufsteigen würde: Friedhelm Funkel. Schäfer kann es nicht verstehen, dass der 64-Jährige mitunter in der falschen Schublade landet: „Ein Trainer mit hoher sozialer Kompetenz, ganz viel Empathie. Er ist witzig, wach, lernwillig, interessiert.“ Aus den internen Debatten zwischen Funkel und Rutemöller erzählte letzterer kürzlich: „Das geht oft kontrovers zu, weil wir ja beide behaupten, richtig Ahnung vom Fußball zu haben.“ Zum Schaden für die Fortuna sind die erbittert erstrittenen Expertisen des Gespanns jedenfalls nicht.

Etat läge bei 70 Millionen

Wirtschaftlich müsste sich Fortuna im Oberhaus hinten einreihen. Auf bis zu 70 Millionen Euro könnte das Budget wachsen, „aber beim Etat sind wir bei der Hälfte vieler gesicherter Bundesligisten“, sagt Schäfer. Immerhin bräuchte man als Aufsteiger nicht sofort dieselben Gehälter zahlen, „wir hätten ein paar Effekte, die uns helfen würden, den Rückstand schneller zu schließen.“ Es bräuchte also wieder kreative Lösungen wie jene mit dem mittlerweile fest verpflichteten Benito Raman, Gladbach-Leihgabe Florian Neuhaus oder den entliehenen Japanern Takashi Usami und Genki Haraguchi, die alle Leistungsträgern geworden sind. Schäfer setzt auf einen Weg, der sich an Klubs wie Mainz, Augsburg oder Freiburg orientiert, ohne Düsseldorfs Anspruch aufzugeben.

Neben der Tür des Vorstandsbüros hängt übrigens ein großes Schwarz-Weiß-Foto mit Bayern-Torwart Sepp Maier, dem die Gesichtszüge entglitten sind. Die Anzeigetafel des längst nicht mehr existenten Rheinstadions zeigt ein 7:1 an. So hoch hatte die Fortuna einst am 9. Dezember 1978 gewonnen. Nie verlor der FC Bayern ein Auswärtsspiel in seiner Bundesliga-Geschichte höher. Wäre doch Anlass, sich 40 Jahre darauf wieder zu begegnen. Auch wenn solch ein Resultat selbst unter gütigster Mithilfe aller Einflussfaktoren wohl nie mehr zustande kommen dürfte.

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