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Frankfurter Fans im Fahnenmeer: Schon 2017 war das Pokalfinale in Berlin ein Großereignis.

DFB-Pokalfinale

Das Drumherum wird immer größer

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Das Pokalfinale ist zu einem riesigen Event geworden – und Eintracht Frankfurt will auch ein Stück vom Kuchen.

Als Werder Bremen 1991 das DFB-Pokalfinale 4:3 im Elfmeterschießen gegen den 1. FC Köln gewonnen hatte, dauerte es nicht lange, ehe der übersichtliche Bremer Tross schon wieder weg war aus Berlin. Dort hatte Trainer Otto Rehhagel seine Spieler zur Vorbereitung in der Sportschule Wannsee zusammengezogen, zur Pressekonferenz schickte er lediglich Manager Willi Lemke in ein Bankhaus Nähe des Bahnhofs Zoo, interessierten Reportern wurde vom Werder-Zeugwart unter Androhung weiterer Repressalien der Einlass in die Sportschule verwehrt. Fast hätte man denken können, die DDR sei noch am Leben.

Auf dem fluchtartigen Rückweg durch den gerade erst verblichenen Arbeiter- und Bauernstaat machte Otto Rehhagel mit seinen Pokalsiegern Halt an einem alten Landgasthof. Es gab ein bisschen was auf die Teller, ein paar Freunde und Frauen waren da, Profis wie Mirko Votava, Dieter Eilts und Oliver Reck feierten eher betulich, der eine oder andere gönnte sich im Rücken des Trainers eine Zigarette, und bald darauf saßen sie alle miteinander schon wieder mit einem Dosenbier im Bus. So war das vor 17 Jahren.

Mittlerweile sind DFB-Pokalendspiele Happenings ganz anderer Art. Die in der Öffentlichkeitsarbeit und der Pflege ihrer Sponsoren professionalisierten Klubs nutzen die durch die Fernsehübertragung weltweite Präsenz strategisch zur Mehrung ihres Ruhms. In 185 Ländern wird die aktuelle Auflage zwischen dem FC Bayern und Eintracht Frankfurt (Samstag 20 Uhr) übertragen. Die ARD rechnet mit mehr als zehn Millionen TV-Zuschauern, weltweit sollen es sogar bis zu 800 Millionen sein.

Weshalb der Deutsche Fußball-Bund (DFB) als Ausrichter auch partout den Wochenendtermin nicht abgeben möchte. In anderen Ländern wird das Pokalfinale an einem Mittwoch ausgetragen; schnell hin, schnell wieder weg. Das kommt für den größten deutschen Sportverband nicht infrage, denn dieses Event ist mittlerweile bedeutsamer als die meisten Länderspiele. Im vergangenen Jahr hatte der DFB allerdings den Bogen überspannt, als in der Halbzeitpause der Paarung Eintracht Frankfurt gegen Borussia Dortmund (1:2) auch noch Helene Fischer auftrat. Vor allem die Frankfurter Kurve pfiff die berühmte Sängerin gnadenlos aus, weil Fußballfans eine rote Linie überschritten sahen.

Und doch wird das Drumherum immer größer. Gefühlt von Jahr zu Jahr.

Klubs und Partner laden traditionell zum Empfang in ein feudales Hotel. Medien organisieren Abendveranstaltungen mit prominenten Gästen, TV-Sender bitten zu Interviews mit ihren Experten, Sportvermarkter präsentieren ihr Netzwerk beim Business-Brunch über den Dächern von Berlin, Fans feiern zu Zehntausenden in eigens eingerichteten Zonen.

Die Finalteilnehmer richten danach riesige Bankette in voluminösen Event-Locations mit bis zu tausend Gästen auf verschiedenen Ebenen vor großen Bühnen, wo sich die Geschäftsbeziehungen entsprechend vertiefen lassen. Es geht darum, den eigenen Markenkern freizulegen und mit überregionaler Bedeutung aufzupumpen.

Diese Chance will Eintracht Frankfurt nutzen: Vor einem Jahr feierten 650 geladene Gäste in der „Frankfurter Botschaft“ an der Spree, es war ein runder, stilvoller Abend. Zwölf Monate später sind fast doppelt so viele Freunde und Partner dabei, Menschen aller Couleur, „aus Kultur, Wirtschaft, Politik, Sport, Kunst, Musik“, zählt Vorstand Axel Hellmann auf. Darunter 70 ehemalige Eintracht-Spieler, sogar Lajos Detari, der Ungar, der mit seinem Tor gegen den VfL Bochum den letzten Titel nach Frankfurt holte, in Berlin im Pokalfinale – vor 30 Jahren.

Sie alle kommen gerne, wenn die Eintracht ruft, es ist schick, sich mit der Diva von einst zu schmücken. Am Breitscheidplatz wird heute der Anlaufpunkt für alle Adlerträger sein, Oberbürgermeisterschaft Peter Feldmann spricht das Grußwort. Am „Haus der Kulturen“ fahren Speedboote des Hauptsponsors einstündige Touren für die Fans auf der Spree.

„Die Anerkennung in der Stadtgesellschaft und in der Region ist enorm gewachsen“, befindet Marketingvorstand Hellmann. Der 46-Jährige hat sich die Internationalisierung des Vereins auf die Fahne geschrieben. Der zweite Auftritt hintereinander auf der Endspielbühne kommt da natürlich gerade recht. „Wir können uns vor den Augen der Welt präsentieren.“ Und dann noch gegen den Global Player FC Bayern.

Die Eintracht hat in Berlin 25 Unternehmen aus dem Ausland zu Gast, Geschäftsmänner und -frauen aus „China, den USA, Abu Dhabi, Indien, Philippinen, Singapur“, sagt Hellmann. Das Glanzlicht soll zum Festakt werden. Mit einigem Schaudern denkt Hellmann an das vorletzte Finale zurück, 2006, als der ganze Frankfurter Auftritt in der Hauptstadt eher hausbacken und bieder gewesen sei. „Das war ein Rahmen, der Würde, Wucht und Bedeutung unseres Vereins nicht gerecht wurde“, findet er. Er habe sich daher vor einiger Zeit zum Ziel gesetzt, „gegen die Verzwergung der Eintracht vorzugehen“.

Wenn man das als Maßstab nimmt, ist der Klub jetzt wohl auf dem Höhepunkt angelangt. Das Bankett nach dem großen Finale wird im Festsaal der DZ-Bank abgehalten, zwischen dem Nobelhotel Adlon und der US-amerikanischen Botschaft am Pariser Platz, unweit des Brandenburger Tores. „Das dokumentiert auch unsere Nähe zum Finanzplatz“, sagt Hellmann, der die prestigeträchtige Location ganz bewusst gewählt hat und das Motto ausgibt: Think big. Groß denken.

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