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Raheem Sterling wurde beim Spiel in Montenegro rassistisch beleidigt. Das ist leider kein Einzelfall.

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Der Druck auf Rassisten

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Man kann sich vorstellen, wie groß die Dunkelziffer rassistischer Entgleisungen in Fußballstadien ist. Gut, dass man darüber nicht mehr hinweg sieht.

Es gab Zeiten im Fußball, als das verbale Abbrennen von Affenlauten in Stadien und die Herabwürdigung von Spielern mit einer Hautfarbe, die vom zeternden Mob nicht als porentief weiß anerkannt wurde, nicht über den Status eines Bagatelldelikts hinauskam. Unbelehrbare Doofköppe halt, muss man nicht ernst nehmen, müssen die beschimpften Spieler irgendwie aushalten, lässt man am besten rechts liegen und spricht gar nicht drüber, kleine Meldung in der Zeitung und gut. Ignoranz mit Ignoranz begegnen sozusagen. Alltagsrassismus halt, dem man mit einer Alltagsnachricht begegnete. Business as usual.

Mit der zunehmenden und bedauernswerten Vereisung des gesellschaftlichen Klimas ist glücklicherweise ein gegenläufiger Prozess eingeleitet worden. Es ist ein Prozess in den Köpfen derjenigen, die nicht mehr bereit sind, die Demütigungen stumm zu ertragen. Raheem Sterling, der englische Nationalspieler in Diensten von Manchester City, gehört dazu, sein Nationaltrainer Gareth Southgate ebenfalls, Kevin-Prince und dessen Bruder Jerome Boateng, Paul Pogba und noch eine ganze Menge andere.

England gegen Montenegro im Vorfeld als Risikospiel bewertet

Verbale Ausfälle beim Fußball werden öffentlich inzwischen ganz anders wahrgenommen, in vielen Medien sind sie aus der kleinen Nachrichtenspalte zu großen Schlagzeilen geworden. Mancherorts lassen es sich auch andere, mutige Menschen nicht mehr gefallen, wenn aus ihrem Block heraus übel krakeelt wird. So wird zunehmend moralischer, juristischer und dank der Sozialen Netzwerke auch größerer öffentlicher Druck auf diejenigen aufgebaut, die in ihrem eigenen Wertesystem mit Rassismus derart wunderbar klar kommen, dass sie glauben, diesen ungeniert öffentlich ausleben zu dürfen. Es ist gut, dass es dafür statt stummer Zustimmung bei hinreichendem Tatverdacht auch mal ungebetenen Besuch von der Polizei gibt. Es müsste noch viel öfter so sein, man muss keine große Phantasie aufbringen, um sich vorstellen zu können, wie groß die Dunkelziffer rassistischer und homophober Entgleisungen in Fußballstadien ist.

Deshalb ist es erfreulich, dass sich aus der Initiative „Football against racism“ das anerkannte Netzwerk Fare entwickelt hat, welches längst mit dem Europäischen Verband Uefa zusammenarbeitet. Die Leute von Fare hatten Englands Partie in Montenegro bereits im Vorfeld als Risikospiel für rassistische Ausfälle ausgemacht und lagen leider richtig. Ihr eigens entsendeter Beobachter dürfte bei der Aufklärung der Vorkommnisse hilfreich sein.

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