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Druck, den keiner kennt

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Von: Jan Christian Müller

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Vor einer schwierigen Mission in Katar: Bundestrainer Hansi Flick.
Vor einer schwierigen Mission in Katar: Bundestrainer Hansi Flick. © dpa

Hansi Flick wird in Katar in der Menschenführung von 26 Alphatieren einiges abverlangt werden. Und der Bundestrainer weiß: Ein guter Teamgeist ist die Basis für alles. Der Kommentar.

Oliver Bierhoff hat aus guten Gründen darauf verzichtet, die Kaderbekanntgabe für die in neun Tagen beginnende Fußball-Wüstenweltmeisterschaft im opulenten Rahmen zu organisieren und bunte Schleifchen drumzubinden. Stattdessen eine relativ nüchterne Bekanntmachung im Medienraum des neuen DFB-Campus am Stadtrand von Frankfurt/Main. Der Chefvermarkter der Deutschen ehemals liebsten Kindes ist es gewohnt, groß zu denken. Die kolossal gescheiterte Titelverteidigung bei der WM 2018 in Russland dachte Bierhoff vom Ende her, das dann viel eher kam als geplant. Mitunter ist eine Strategie der kleinen, bescheidenen Schritte die bessere.

Das gilt besonders für das vermaledeite Turnier in Katar. Es gibt ernstzunehmende Leute, die behaupten, im Grunde seien alle miteinander – Ausrichter, Fifa, teilnehmende Verbände, Trainer, Spieler und deren Klubs – gottfroh, wenn der Spuk vorbei ist. Das mag stimmen, wäre aber für das DFB-Team kein guter Ratgeber für eine glückliche, gedeihliche gemeinsame Zeit. Bundestrainer Hansi Flick hat das Angebot der Fifa ausgeschöpft und 26 Spieler nominiert. Derartige Mammutkader für eine WM sind beispiellos und der Pandemie sowie dem außergewöhnlichen Termin, hineingepresst mitten in eine Saison, geschuldet.

Das bedeutet, dass 15 Profis zunächst nicht auf dem Platz stehen, und das heißt außerdem, dass erwartungsgemäß bis zu acht Spieler in Katar überhaupt nicht zum Einsatz kommen werden. Beim WM-Titel 2014 in Brasilien waren es in einem 23er-Aufgebot fünf inklusive der beiden Ersatztorhüter, die keine einzige Minute spielen durften. Matthias Ginter erlebte die komplette Nichtberücksichtigung 2018 ein zweites Mal, er weiß, wie sich ein solcher Frust anfühlt – und lässt sich dennoch ein weiteres Mal darauf ein. Flick wird in Katar in der Menschenführung von 26 Alphatieren einiges abverlangt werden. Und der Bundestrainer weiß: Ein guter Teamgeist – der 2018 völlig fehlte – ist die Basis, um mit dieser Mannschaft das hochgesteckte Ziel zu erreichen und am 18. Dezember im Lusail-Stadion die WM-Trophäe in die lauwarme Nacht zu strecken.

Eine ungewohnte Belastung könnten die schwer erträglichen Rahmenbedingungen im steinreichen Zwergenstaat auf der arabischen Halbinsel werden, mit deren Auswüchsen die Spieler regelmäßig auch medial konfrontiert sein dürften. Eine Drucksituation ganz anderer Art, die so noch nie ein Fußballprofi erlebt hat.

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