Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wollen den Frauenfußball vorantreiben: Ex-DFB-Boss Zwanziger und Manager Dietrich. imago images
+
Wollen den Frauenfußball vorantreiben: Ex-DFB-Boss Zwanziger und Manager Dietrich. imago images

Frauenfußball

Druck auf dem Kessel

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
    schließen

Ex-DFB-Boss Theo Zwanziger bringt mit seinem Vorstoß zur Ausgliederung der Frauenfußball-Bundesliga den Verband in Bedrängnis.

Unser Theo“ hieß es irgendwann fast liebevoll, wenn sich Theo Zwanziger in seiner sechsjährigen Amtszeit als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) inmitten der Nationalspielerinnen bewegte. Wer hatte denn dazu beigetragen, dass Silvia Neid Bundestrainerin aufstieg oder die Frauen-WM 2011 nach Deutschland kam? Tief im Herzen hat der durchaus streitbare Strippenzieher aus Altendiez lieber Frauen- als Männer-Länderspiele besucht, weil es dort familiärer, herzlicher und bodenständiger zugeht.

Doch nur mit diesen Attributen geht es auch nicht voran. Weshalb der Ex-Chef hinter einem Vorstoß steht, der erhebliche Unruhe im Verband ausgelöst hat: Der Fußballverband Rheinland hat für den DFB-Bundestag am 11. März 2022 die Ausgliederung der Frauen-Bundesliga beantragt. Eine Art Misstrauensvotum.

Zwanziger geht es um neue Strukturen und eine bessere Sichtbarkeit der Zwölfer-Liga, um letztlich auch mehr Geld hereinzuholen. Von seinem Sohn Ralf, Abteilungsleiter bei der TSG Hoffenheim, dem besten Ausbildungsverein der Frauen-Bundesliga, weiß der 75-Jährige: Die meisten Klubs werden unter einem Männer-Dach quersubventioniert: Einnahmen von im Schnitt 1,1 Millionen Euro stehen Ausgaben von 2,1 Millionen entgegen. Ähnlich wie bei den Männern, so der Plan, soll der professionelle Bereich der Frauen selbst vermarktet werden. Genau ein solches Modell hatte auch der Präsident des FC Bayern, Herbert Hainer, befürwortet und „eine ernsthafte Überlegung“ genannt. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) plant so schnell keine Aufnahme der Frauen-Bundesliga, auch wenn der bald scheidende Liga-Chef Christian Seifert solche Gedankenspiele mal öffentlich gemacht hat. Zwanziger sagt, er habe einen Stein ins Wasser geworfen.

„Mehr Gleichberechtigung“

Eng an seiner Seite war stets auch Siegfried Dietrich, der Strippenzieher beim inzwischen bei Eintracht Frankfurt aufgegangenen Rekordmeister 1. FFC Frankfurt. Der 64-Jährige fungiert heute als Sportdirektor der Eintracht-Frauen und Vorsitzender des Ausschusses Frauen-Bundesliga. Dietrich bestätigt den Eingang des Antrags und verspricht: „Wir werden uns bei der nächsten Sitzung intensiv damit beschäftigen.“ Das wird Anfang November sein. Vorgespräche sind geführt. Mit Karin Danner vom FC Bayern oder Tobias Trittel vom VfL Wolfsburg haben in dem 13-köpfigen Ausschuss auch die beiden Topklubs eine Stimme, die bereits häufiger ein höheres Tempo bei der Entwicklung der Liga einforderten.

Der DFB kann nicht viele Gründe erkennen, warum die höchste Frauen-Spielklasse plötzlich abgespaltet werden soll, zumal wichtige Verträge noch weiterlaufen. Und Holger Blask, Geschäftsführer Marketing & Vertrieb der DFB GmbH, kann man bestimmt nicht vorgeworfen, er setze sich nicht für höhere Erlöse im weiblichen Segment an, doch vieles ist eben noch ein Zuschussgeschäft – Dietrich nennt es daher lieber „lohnendes Investment“. Man will Sponsoren überzeugen, den Fußball gleichberechtigter zu fördern. Die ehemaliger Nationalmannschaftsmanagerin Doris Fitschen arbeitet im Hinblick auf die Bewerbung für die Frauen-WM 2027 derzeit an genau solchen Strategien: „Wir wollen zu mehr Gleichberechtigung in der Gesellschaft beitragen.“

Geht das ohne den DFB besser und schneller? Die derzeit als Generalsekretärin tätige Heike Ullrich sieht den Verband sehr wohl als den „richtigen Ligaträger“ an, der die Verbindung zur Zweiten Frauen-Bundesliga, Talentförderung oder dem Nationalteam am besten managt. Dass England mit viel Rückenwind durch die kommende Europameisterschaft andere Beträge generiert, steht außer Frage, doch die rund 300 000 Euro, die jeder Frauen-Bundesligist aus der zentralen Vermarktung erhält, können sich im internationalen Vergleich durchaus sehen lassen.

Dass es immer noch genug zu verbessern gibt, weiß auch Dietrich. „Es ist schon viel auf Weg gebracht, es muss aber auch noch viel passieren. Vereine und Verbände sind ständig gefordert.“

Nun ist aus eigenen Reihen der Handlungsdruck erhöht worden, die Kampagnen und Lippenbekenntnissen für die Förderung des Frauenfußballs mit Leben zu füllen. Wenn das geschieht, so ist zu hören, wäre das nicht der erste Antrag, der noch kurz vor einer Abstimmung auf einem Bundestag wieder zurückgezogen wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare