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Empfand den Spielerstreik als „notwendigen Schritt“: der Mainzer Kapitän Danny Latza (vorne). Foto: afp

Mainz 05

Druck auf dem Kessel

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Haben beim FSV Mainz 05 wirklich alle Spieler kapiert, was der Verein von ihnen erwartet? Lob gibt’s immerhin von DFB-Präsident Fritz Keller.

Mainz 05 hat anlässlich seines zehnten Jahrestages als klimaneutraler Verein prominenten Besuch erhalten. DFB-Präsident Fritz Keller war da und lobte die Nullfünfer für deren Anstrengungen für den Klima- und Umweltschutz.

Am Samstag wird dann auch wieder Fußball gespielt: 15.30 Uhr vor 250 Fans gegen Bayer Leverkusen. Sodann gibt es allerdings Gesprächsbedarf. Offenbar haben alle Profis noch immer nicht kapiert, was der Verein von ihnen erwartet. Klubchef Stefan Hofmann sagte neulich in einem Pressegespräch deutlich, er erwarte eine „Reaktion der Mannschaft“. Kapitän Danny Latza entgegnete diese Woche im Interview mit der „Allgemeinen Zeitung“: „Ich denke, er hat die Reaktion auf dem Platz gemeint.“

Da ist der Mittelfeldspieler, der den Spielerstreik Ende September im selben Interview als „notwendigen Schritt“ bezeichnete, allerdings zu kurz gesprungen. Der Mainzer Sportchef Rouven Schröder stellte jedenfalls klar, eine Antwort der Profis mit den Füßen reiche nicht, es gehe vielmehr um eine „gemeinschaftliche Aussage - das brauchen und wünschen wir“. Da hat Schröder sehr Recht.

Trainer Lichte muss liefern

Sportlich ist nach den unsäglichen Vorkommnissen und null Punkten aus den ersten drei Saisonspielen, zudem nach einer peinlichen Testspiel-Niederlage gegen Zweitligaschlusslicht Karlsruher SC, mächtig Druck auf dem Kessel. All das, was der vom Co- zum Cheftrainer beförderte Jan-Moritz Lichte unmittelbar nach der Demission von Achim Beierlorzer beim Auswärtsspiel vor zwei Wochen bei Union Berlin vorhatte, misslang. Vielleicht verständlich so nah nach dem Donnergrollen. „Es ist nicht so einfach, sich zu 100 Prozent zu fokussieren, wenn von außen viel herangetragen wird“, argumentierte Danny Latza in der Nachbetrachtung. Eine kühne Interpretation. Denn der Streik und Streit ums liebe Geld kam ja wohl eher von innen.

Immerhin hat Latza verstanden, was Fans und Vorgesetzte gleichermaßen erwarten: „Mainz soll wieder dieses gallische Dorf sein, in dem alle zusammenhalten.“ Dazu kann auch der zwischenzeitlich suspendierte Adam Szalai wieder gehören. Latza: „Er ist innerhalb der Mannschaft sehr beliebt.“ Trainer Lichte gibt sich indes sehr zurückhaltend in der Personalie. Szalai muss nach seiner Rückkehr von der ungarischen Nationalmannschaft erst mal ordentlich trainieren.

Das haben die in Mainz verbliebenen Kameraden laut Schröder zuletzt getan. Die Mannschaft sei „sehr nah beisammen und sehr gewillt“. Trainer Lichte gebe mit guter Arbeit „Hoffnung darauf, dass es besser läuft“. Was zu beweisen wäre.

Aufsichtsratschef Detlev Höhne verteidigte derweil in der „Allgemeinen Zeitung“ den Sportvorstand - und schickte dabei gleich mal eine Message an die Mannschaft raus: „Ich wünsche mir, dass man solche Kämpfer wie Rouven auch häufiger auf dem Rasen wiederfindet.“ Und noch mal zur Erinnerung für die mit einer etwas längeren Leitung: „Unser Verein hat durch diese Aktion der Spieler auch im öffentlichen Ansehen Schaden genommen.“

Höhne kandidiert

Am 27. Oktober will sich Höhne bei der derzeit noch terminierten Mitgliederversammlung wieder zur Wahl stellen. Ob es überhaupt soweit kommen darf und die geplante Präsenzveranstaltung stattfinden kann, müssen die Behörden entscheiden. Und wie die Stimmung dann sein würde, hängt nach dem tiefsten Tiefpunkt, dem ja angeblich unbedingt „notwendigen“ Streik, von den Ergebnissen der beiden aufeinanderfolgenden Heimspielen gegen die Topteams aus Leverkusen und Mönchengladbach ab.

Was die verheerenden Auswirkungen der Streitereien um einen im Grunde lächerlichen dreimonatigen Gehaltsverzicht angeht, hat Kapitän Latza eventuell ein bisschen verstanden: „Klar, das ist ja auch ein spezielles Thema. Die Leute sagen: ,Wisst ihr nicht, dass so viele Menschen und Firmen wirtschaftlich unter Corona leiden?´ Es ist nicht so, dass wir alle ignorant auf die Kohle bestehen.“ So richtig überzeugt hört sich das allerdings noch immer nicht an. Überzeugend wäre: „Wir haben kapiert, dass Verzicht angesagt ist.“ Oder, wie es der kluge Freiburger Mittelstürmer Nils Petersen gerade erst sehr deutlich formulierte: „Wer soll es verstehen, wenn Fußballer, die Millionen verdienen, nicht auf ein paar Tausend Euro verzichten wollen, während kleine Unternehmer Insolvenz anmelden müssen?“

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