Wurde bislang von Infront vermarktet: Der DFB-Pokal.
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Wurde bislang von Infront vermarktet: Der DFB-Pokal.

Streit

Es droht eine Schlammschlacht zwischen DFB und Infront

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Der Schweizer Vermarkter Infront will die Kündigung durch den DFB nicht akzeptieren. Der Deutsche Fußball-Bund beklagt Unregelmäßigkeiten und sieht sich juristisch gewappnet.

Schau an: Das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ lobt den Deutschen Fußball-Bund rundheraus. Das ist seit den Veröffentlichungen des Magazins zur Sommermärchen-Affäre im Oktober 2015 kaum mehr vorgekommen. In einem Kommentar lobt der investigative Redakteur Jürgen Dahlkamp die neue DFB-Führung um „Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius“, die „endlich etwas richtig“ mache. Interessant, dass just derselbe Reporter einer der Autoren war, der in der aktuellen „Spiegel“-Ausgabe aus einem Geheimbericht zitieren durfte, der eine klebrige Nähe des alten DFB um Ex-Präsident Wolfgang Niersbach zum Duz-Kumpel Günter Netzer und dessen seit mehr als drei Jahrzehnten mit dem DFB verbandelte Vermarktungsagentur Infront offenbarte. Dem Verband, heißt es in dem Scoop, seien bis zu 18 Millionen Euro durch die Lappen gegangen, weil der DFB bessere Vermarktungsofferten ignoriert habe.

Viele Mitarbeiter im DFB fragen sich, woher der „Spiegel“, der jüngst Keller und Curtius zum Interview bat, diese exklusiven Informationen denn wohl haben könnte? Irgendjemand muss dem Blatt die vormaligen Geheimakten geleakt haben. Die Zahl der über die Vorgänge vorab Informierten ist allerdings recht groß. Allein das eingeweihte DFB-Präsidium, zu dem auch fünf Vertreter der Deutschen Fußball-Liga (DFL) gehören, umfasst 19 Leute. Zitat aus dem „Spiegel“-Kommentar zum einstigen Verhältnis DFB/Infront: „Schmierige Verhältnisse beginnen mit Nähe, mit Zugängen, mit Gesprächen, die Konkurrenten nicht bekommen.“

Apropos: Es gehört fast schon zur Tradition, dass aus dem Verband oder dessen unmittelbaren Umfeld heraus unangenehme Informationen zielsicher an überregionale Medien durchgesteckt werden. So stolperte und fiel schließlich auch Kellers Vorgänger Reinhard Grindel.

Aktuell handelt sich um erstaunlich dezidierte Veröffentlichungen einer Recherche der vom DFB beauftragten Berliner Detektei Esecon, die nur fünf Tage nach dem jüngsten „Spiegel“-Bericht in einer kurzfristig anberaumten außerordentlichen Präsidiumssitzung mündeten. Die Folgen sind nun weitreichend und drohen, sich zur Schlammschlacht auszuweiten. Denn das Präsidium entschied am Mittwoch, sämtliche Verträge mit Infront wegen „klaren Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit dem Zustandekommen und der Erbringung von Vertragsleistungen von Infront sowie unrechtmäßige Einflussnahmen auf DFB-Vertreter“ umgehend aufzulösen.

Unter „unrechtmäßigen Einflussnahmen“ dürften mindestens die im „Spiegel“ zitierte Lustreise des ehemaligen Verbandschefs auf einer von Netzer gecharterten Jacht, ein Job für den lieben Sohn eines leitenden Angestellten, wertvolle Uhren-Geschenke sowie ein teures Carbon-Rennrad für einen kleineren DFB-Mitarbeiter gemeint sein. Beim finanziellen Volumen handelt es sich keinesfalls um einen Pappenstiel. Allein der von Infront für den DFB zentral vermarktete DFB-Pokal beinhaltet im nun gekündigten Kontrakt von 2016 bis 2022 laut „Spiegel“ eine Garantiezahlung von 370 Millionen Euro.

Der Vermarktungsriese aus dem schweizerischen Zug meldete sich erwartungsgemäß widerborstig zu Wort: „Infront bestreitet die Wirksamkeit dieser Kündigung und hält an der vollständigen Erfüllung der laufenden Verträge mit dem DFB fest.“ Man hege „erhebliche Zweifel an den Methoden und Motiven der Detektei Esecon“.

Die eidgenössische Firma hält die Vorwürfe „entweder nachweislich falsch oder nicht belegbar und damit letztlich unhaltbar“. Zudem zeigt sich Infront extrem irritiert über „das Weiterreichen von einseitigen, vorläufigen Ermittlungsergebnissen an die Medien“. Dies habe „zu einer Vorverurteilung zum Schaden von Infront geführt“. Es sei „inakzeptabel, ...durch die unbelegten Vorwürfe und teils abstrusen Verdächtigungen von Esecon in ein negatives, zum Teil sogar kriminelles Licht gerückt“ zu werden.

Klingt verdächtig nach einer heftigen juristischen Auseinandersetzung. Im neuen DFB glaubt man sich gut gewappnet.

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