+
Die Führungsriege des FC Bayern.

Bayerischer Rundumschlag

Drohgebärden aus der Wagenburg

  • schließen

Bayern Münchens Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß holen zu einem beispiellosen Rundumschlag gegen die deutschen Medien aus.

Als noch viele Fragen offen waren, zog der FC Bayern lieber einen Schlussstrich. Man werde die Runde nun beenden, entschied Pressesprecher Dieter Nickles, „weil das zu sehr ins Detail gehen würde“. Es war ein von Amts wegen nachvollziehbarer Schutzreflex, nachdem die Nachfragen Präsident Uli Hoeneß, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic zu unvorteilhaften Antworten hätten verleiten und ihren Auftritt konterkarieren können.

Das war allerdings ohnehin teilweise passiert, nachdem das Führungstrio die seiner Meinung nach „unverschämte, respektlose und polemische Berichterstattung“ (Rummenigge) gegeißelt und unverhohlen mit juristischen Schritten und öffentlicher Brandmarkung der entsprechenden Medien und deren Vertreter gedroht hatte. Bereits erwirkt worden seien zwei Unterlassungserklärungen gegen den Springer-Konzern. „Es ist ein wichtiger Tag für den FC Bayern, weil wir Ihnen mitteilen möchten, dass wir uns das ab sofort nicht mehr gefallen lassen“, sagte Rummenigge, „Polemik scheint keine Grenzen mehr zu kennen“, bei Medien wie Experten. Er sagte: „Wir werden unsere Spieler, unseren Trainer und unseren Klub schützen.“ 

Rummenigge bezog sich dabei auf die seiner Meinung nach „herabwürdigende, hämische Berichterstattung“ und ebensolche Expertenkommentare über einzelne Spieler wie Manuel Neuer, Jerome Boateng, Mats Hummels, Franck Ribéry und Arjen Robben. 

Auf die Frage, ob sich die Macher künftig zurücknehmen und ihre zuweilen als herabwürdigend bis polemisch empfundenen Einlassungen unterlassen würden, sagte Rummenigge knapp: „Wenn despektierliche Kritik an unseren Spielern und Trainern geäußert wird, werden wir einschreiten.“ 

Hoeneß räumte zumindest ein, seine derbe Kritik am Ex-Nationalspieler Mesut Özil, dieser habe seit Jahren „einen Dreck gespielt“, und an Leverkusens Karim Bellarabi, dessen Foul an Rafinha sei „geisteskrank“ gewesen, sei in der Wortwahl übertrieben gewesen. Allerdings sei es etwas anderes, ob man sich nach einem emotionalen Spiel äußere oder einen Artikel schreibe, rechtfertigte sich Hoeneß.

Es ging dann noch um Juan Bernat, über den Hoeneß wenig respektvoll sagte, dieser habe in der Vorsaison einen „Scheißdreck“ in Sevilla gespielt, wonach man sich direkt zum Verkauf des Außenverteidigers entschlossen habe. Und es ging ebenso um den womöglich zu knapp kalkulierten Kader, um Altersdebatten und das Ausbleiben öffentlicher Rückendeckung von Salihamidzic für Trainer Niko Kovac, was der Sportdirektor mit den Worten kommentierte: „Wir müssen uns doch nicht öffentlich ein Küsschen geben.“ 

Es war aber vor allem ein erstmaliger Auftritt des Trios nach mehr als einem Jahr, der als Rückendeckung für Trainer und Team gedacht war und eine Wagenburgmentalität zum Ausdruck brachte. Dass die Macher diese Geste für nötig hielten, erzählt von ihrer Annahme, dass Trainer und Spieler diese Unterstützung brauchen. Es ließ sich als polterndes Mia san mia nervöser Bayern werten, als Ablenkungsmanöver, mit dem sie sich womöglich keinen Gefallen getan haben.

Auch Hoeneß, Rummenigge und Salihamidzic dürften ja registriert haben, dass Kovac zuweilen keinen leichten Stand bei seiner Belegschaft hat. Das zeigen durchgesteckte Interna ebenso wie die offenen Äußerungen diverser Spieler, wonach sie flexible Vorgaben und Offensivkonzepte vermissen. Rummenigge und Hoeneß räumten selbst ein, dass ihnen nach der „sechsjährigen Dauerparty“ mit vielen Titelgewinnen seit 2012 die jüngsten vier Spiele „nicht gefallen haben, weder vom Ergebnis noch von der Spielweise“ (Rummenigge).

Das soll sich an diesem Samstag (15.30 Uhr) in Wolfsburg ändern. Trainer Kovac kündigte an, auch in den kommenden Wochen viel rotieren zu wollen. „In welcher Form und wie viel, werden wir schauen“, so der Ex-Frankfurter. 

„Viel Spaß“ hatte Kovac vor dem Auftritt von Hoeneß, Rummenigge und Salihamidzic gewünscht und klargestellt, dass er „nicht alles auf links drehen“ werde. Kovac verwies zudem auf eine Statistik, wonach die Bayern und ihre Gegner in den ersten sieben erfolgreichen Spielen jeweils die gleiche Anzahl von Chancen gehabt hätten wie in den folgenden vier sieglosen Spielen. 

Die Chancen seien jeweils nur unterschiedlich effektiv genutzt worden. Zudem hätten sich „in den letzten Spielen zu viele und schwere Fehler“ eingestellt, auch, weil man „nicht als Einheit“ agiert habe. Diese Makel müssten abgestellt werden, um erfolgreich zu sein. „So einfach ist das“, sagte Kovac und legte Wert auf eine grundsätzlich positive Bestandsaufnahme: „Ich sehe, dass das Gegenpressing gut ist, unsere Schemen und Angriffsmuster greifen. Nur das Quäntchen fehlt.“ Dass es zuletzt hauptsächlich am fehlenden Glück lag, sehen allerdings die wenigsten so. Nicht einmal das Führungstrio.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion