Da der FC Bayern mit dem Meisterteam in der Bundesliga kickt, kann die Zweitvertretung nicht ins Unterhaus aufsteigen.
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Da der FC Bayern mit dem Meisterteam in der Bundesliga kickt, kann die Zweitvertretung nicht ins Unterhaus aufsteigen.

Dritte Liga

Zweieinhalb aus Sieben

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Die Aufstiegskandidaten der Dritten Fußball-Liga im Überblick.

Weil Tabellenführer Bayern München II nicht hoch darf, kämpft eine ganze Reihe weiterer Drittligaclubs um die begehrten Aufstiegsplätze. Der 1. FC Nürnberg steht als Relegationsgegner fest.

Würzburger Kickers

Jüngst beim 3:1-Heimsieg im Spitzenspiel gegen Hansa Rostock stattete er den Würzburger Kickers mal wieder einen Besuch ab. Flankiert von den wichtigsten Leuten des Drittligaklubs, dem Chef des Hauptsponsors und dem Vizepräsidenten, beobachtete er von der Terrasse der Vereinsgaststätte aus die Szenerie auf dem Rasen. Da stand er also, konzentriert, wortkarg, stoisch: Felix Magath.

Mitte Januar war der einstige Meistertrainer des FC Bayern und des VfL Wolfsburg zum Boss des neugeschaffenen Bereichs „Global Soccer“ beim Würzburger Geldgeber „Flyeralarm“ befördert worden. Seitdem ist er der starke Mann im Hintergrund, der Macher, nicht nur bei den Kickers, auch beim österreichischen Erstligisten und Partnerklub Admira Wacker. Seitdem geht es stetig bergauf, gerade beim Verein vom Main, rascher sogar, als sie es sich alle ausgemalt hatten in Würzburg. Im Januar nämlich sprach Magath zwar vom Ziel Aufstieg, gemeint war aber nicht die laufende Saison. Schließlich sollte der 66-Jährige ja als Hauptaufgabe die Strukturen für den Sprung nach oben überhaupt erst schaffen. „Das eine oder andere wird und muss sich hier verändern“, sagte Magath damals, „sonst wäre ich ja nicht hier.“

Doch seit der Winterpause läuft es prächtig für die Würzburger, von Rang 13 ging es im Eiltempo hinauf bis auf Position zwei. Satte fünf Punkte Vorsprung sind es mittlerweile auf den ersten Nichtaufstiegsplatz, und immerhin auch drei auf den Relegationsrang (siehe auch Infobox). Selbst wenn die Konkurrenz konstant gewinnen sollte, würden den Kickers zwei Punkte aus den verbleibenden beiden Spielen gegen Viktoria Köln und den Halleschen FC für die Relegationsteilnahme genügen, maximal vier für den direkten Aufstieg. Klingt machbar.

Nun ist der Aufschwung weniger auf das Engagement von Felix Magath zurückzuführen, der übrigens seinen Hauptwohnsitz in München beließ, sondern vielmehr auf die herausragende Arbeit von Trainer Michael Schiele. Der gebürtige Heidenheimer, 42 Jahre alt, formte in Unterfranken eine leidenschaftliche, spielstarke Truppe, seitdem er 2017 vom Co- zum Cheftrainer befördert wurde. Mit einem starken Punkteschnitt von 1,8 ist er gar erfolgreicher als Vereinsikone und Magath-Kumpel Bernd Hollerbach (1,74), mit dem den Kickers vor vier Jahren zuletzt der überraschende Aufstieg in die zweite Liga gelungen war. Nun also ist die nächste Chance vorhanden, der Aufstieg greifbar.

Felix Magath ist seit Januar Chef in Würzburg, seitdem läuft es. Ob es wirklich an Magath liegt?

Das Skurrile: Michael Schiele ist – Stand jetzt – in einer knappen Woche kein Würzburger Trainer mehr, sein Vertrag läuft aus. Die allermeisten Fans fordern zwar die Verlängerung des Arbeitspapiers, was bei diesem sportlichen Erfolg ja recht logisch und marktüblich wäre, der Verein und Felix Magath aber schweigen bisher beharrlich.

„Gespräche mit Felix Magath sind immer sehr interessant. Er hat immer viele Ratschläge und einen großen Erfahrungsschatz“, äußerte sich Michael Schiele vor einigen Wochen salbungsvoll über seinen Oberboss, ehe er jetzt angesprochen auf die ungewöhnliche Situation knapp erklärte: „Ich bin die letzten Monate gut damit gefahren, mich aufs Sportliche zu konzentrieren. Das andere müssen dann andere Leute machen.“ Felix Magath zum Beispiel. Genau beobachtet hat er die Entwicklung der Kickers in den vergangenen Wochen jedenfalls.

FC Ingolstadt

Im Frühjahr war die Mannschaft des FC Ingolstadt nicht ganz dicht. Keine Panik, den Verstand hatten sie natürlich schon beisammen im Süden Deutschlands, ihre Abwehr dagegen nur noch selten. Folglich kriselte es beim FCI aufgrund vieler Gegentore im Februar und März gehörig, dabei war der Klub ja lange Zeit auf bestem Wege, nach nur einem Jahr wieder zurückzukehren in Liga zwei. Trainer Jeff Saibene musste gehen und unmittelbar vor der Pandemie-Unterbrechung seinem Vorgänger Platz machen. Tomas Oral kehrte zurück, bereits zum dritten Mal ließ er seine Frankfurter Heimat zeitweise zurück, um in Ingolstadt anzuheuern. Zwar lief es nach dem Re-Start nicht immer perfekt, das mit dem Dicht-Sein aber haben Oral und seine Truppe mittlerweile hinbekommen.

Sechs Spiele nacheinander sind die Ingolstädter nun schon ohne Gegentor – Vereinsrekord. Durch den 2:0-Erfolg am vergangenen Sonntag in Meppen festigten die Schanzer daher nicht nur den Relegationsplatz, sondern schoben sich an den ersten direkten Aufstiegsplatz, den momentan Eintracht Braunschweig innehat, bis auf einen Zähler heran. Abschließend müssen die Ingolstädter noch gegen den 1. FC Magdeburg und in Giesing beim TSV 1860 München ran. Für Oral jedenfalls würde sich mit dem Aufstieg ein Kreis schließen, war er doch auch der Chef an der Seitenlinie, als der FCI im vergangenen Jahr in der Relegation am SV Wehen Wiesbaden scheiterte.

Eintracht Braunschweig

Die Braunschweiger Fans hatten sich daran gewöhnt, dass sich ihre Jungs durch konsequente Abwehrarbeit nach oben mauern. Zitterpartien gab es reichlich seit dem Re-Start, stets blieb man unbesiegt – bis am Samstag plötzlich Abstiegskandidat Zwickau in der Nachspielzeit doppelt zuschlug und der Eintracht statt einem Dreier einen Nuller einbrockte. Blöd gelaufen. Gut ist dagegen, dass die Eintracht noch immer Dritter ist und den direkten Aufstieg vor den Spielen gegen Mannheim und Meppen in der eigenen Hand hat. Entsprechend fiel die Wortmeldung von Coach Marco Antwerpen aus: „Einmal schütteln und weiter geht’s.“

MSV Duisburg

Mitten ins enge Aufstiegsrennen hinein platzierte Ingo Wald einen Wachmacher der Marke Glockenschlag. Ganz nach dem Motto: Versagen verboten, liebe Fußballer des Meidericher SV.

Paragraf 55 

Der FC Bayern ist das Maß aller Dinge, eine Feststellung, die nicht nur für das Vorzeigeteam in der Bundesliga gilt, sondern auch für die Reserve in Spielklasse drei. Das jüngste Team der Liga führt die Tabelle an, und darf doch nicht aufsteigen. Die DFB-Spielordnung, Paragraf 55, besagt: „Das Recht zum Aufstieg in die Zweite Bundesliga entfällt für den Verein, der bereits mit einer Mannschaft am Spielbetrieb der Lizenzligen teilnimmt.“ Im Klartext: Da der FC Bayern mit dem Meisterteam in der Bundesliga kickt, kann die Zweitvertretung nicht ins Unterhaus aufsteigen.

Der Duisburger Präsident zeichnete für seinen Klub eine düstere Zukunft, sollte der Sprung in die zweite Liga nicht gelingen. Dass sich die Zebras bedingt durch die Corona-Krise und die fehlenden Zuschauereinnahmen in einer kritischen Situation befinden, solle jedem klar sein, so Wald. Zumal es ja in der Dritten Liga ohnehin kompliziert ist, finanziell alles gut hinzubekommen. „Wir hatten den Etat so aufgestellt, dass wir mit einem siebenstelligen Verlust geplant haben. Jetzt wurden wir noch mal zurückgeworfen.“ Der Duisburger Fehlbetrag erhöht sich durch die Geisterspiele von 1,1 auf rund 1,8 Millionen Euro. Eine „schwere Hypothek“ sei das, so Wald: „Wir werden darum kämpfen, eine Kleininsolvenz zu vermeiden.“

Insofern würde ein Aufstieg des derzeitigen Tabellenfünften, der auf die vor ihnen platzierten Teams aus Ingolstadt und Braunschweig nur zwei, respektive drei Punkte Rückstand hat, die finanzielle Lage entspannen. Den sportlichen Wert eines Aufstiegs hat Trainer Thorsten Lieberknecht im Blick. Er sagt vor den beiden finalen Duelle gegen Bayern II und Unterhaching: „Es tut gut, dass wir voll bei der Musik dabei sind.“

1860 München

Bei den Sechzigern laufen längst die Planungen für eine weitere Drittligasaison, verständlich, sogar nötig, alles andere wäre fahrlässig. Schließlich müssten die Münchner als Tabellensiebter in zwei Spielen drei Plätze und fünf Punkte aufholen, um in die Relegation zu kommen. Sie befinden sich vor den abschließenden Begegnungen gegen Großaspach und Ingolstadt ähnlich wie Mannheim nur noch in der Rolle des absoluten Außenseiters im Aufstiegsrennen. Michael Köllner, Trainer des TSV 1860, sprach seinen Jungs daher gar ein Aufstiegskampf-Ausrufverbot aus. „Es wäre fatal, vom Aufstieg zu sprechen“, sagte der Fußballlehrer, der trotz der durchwachsenen Runde hohe Ziele für die kommende hat. „Jetzt geht es darum: Wo will der Verein in der Zukunft hin? Ich habe sicherlich Ambitionen, das ist klar. Ich will 1860 in die zweite Liga bringen“, sagte Köllner unlängst, auch, weil er dieser Tage selbst in den Mittelpunkt von Spekulationen gerückt war. So halten sich Gerüchte, der gerade von Coach Jos Luhukay geschiedene Zweitligist FC St. Pauli wolle sich die Dienste von Köllner sichern. Der erwiderte darauf nur: „Ich habe hier in München nächstes Jahr Vertrag und ich glaube, ich erwecke nicht den Eindruck, dass ich fahnenflüchtig bin.“

Hansa Rostock

Bescheiden waren sie bei Hansa Rostock in dieser Saison ziemlich lange, eigentlich bis in den Juni hinein. Nachdem im Vorjahr das erklärte Ziel Aufstieg recht deutlich verpasst wurde, hielten sie sich diesmal bewusst zurück mit öffentlichen Träumereien - bis Kapitän Julian Riedel vergangene Woche rausposaunte: „Jetzt brauchen wir nicht mehr rumeiern, das Ziel liegt auf der Hand.“ Der Aufstieg also. Bloß: Das sich anschließende Spiel gegen Würzburg ging mit 1:3 verloren, für den Sechsten aus Rostock ist bei den noch ausstehenden Begegnungen gegen Uerdingen und Chemnitz quasi nur noch der Relegationsrang drin.

Waldhof Mannheim

Im Grunde erteilte Bernhard Trares den Aufstiegsträumen seiner Mannschaft schon vor einer Woche eine Absage, nach der 0:2-Niederlage in Ingolstadt war das. „Das hat uns den Aufstieg gekostet“, sagte der knorrige Ex-Profi. Die Mannheimer hatten da nicht nur aufgrund einer mäßigen Leistung, sondern auch bedingt durch seltsame Schiedsrichterentscheidungen beim bayerischen Konkurrenten verloren. Trares zeterte anschließend wild drauf los, sprach dem Pfeifenmann gar seine Unparteilichkeit ab: „Ich weiß nicht, ob es was mit dem DFB zu tun hat, weil wir immer klagen. Und der Koch (DFB-Vize Rainer Koch, Anm. d. Red.) hier von Bayern ist. Vielleicht kommen da Sympathien auf.“ Rumms, das hatte ordentlich gesessen und brachte Trares beim folgenden Spiel gegen Münster prompt einen Tribünenplatz als Strafe ein. Weil sich die cheftrainerlosen Waldhöfer dann auch noch torlos von den Preußen trennten, sind die Chancen auf den direkten Durchmarsch von Liga vier in zwei für den Tabellenachten quasi nur rechnerisch vorhanden. Viel eher geht es für die Überraschungsmannschaft darum, die Planungen für die nächste Drittklassensaison rasch voranzutreiben. Zwölf Spielerverträge laufen aus, zudem der von Wüterich Trares. Die Verhandlungen mit dem Coach ziehen sich schon seit der Winterpause hin.

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