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Zu spät: Mats Hummels (rechts) beim Ausgleich von Yussuf Poulsen. Foto: dpa
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Zu spät: Mats Hummels (rechts) beim Ausgleich von Yussuf Poulsen.

DFB-Auswahl

Dreier- oder Viererkette? Löw sollte genau überlegen

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Bundestrainer Joachim Löw sollte mit seinen Analysten genau schauen, ob das System mit drei Innenverteidigern für dieses Team eine gute Idee ist. Ein Kommentar.

Testspiele der Nationalmannschaft vor großen Turnieren sind bestenfalls dazu da, Selbstvertrauen zu tanken und Erkenntnisse zu gewinnen. Vor der WM 2018 gab es beim 1:2 in Klagenfurt gegen Österreich null zusätzliche Sicherheit und umso mehr neue Einsichten. Doch daraus wurden die falschen Schlüsse gezogen. Bundestrainer Joachim Löw warf Leroy Sané aus dem Kader und hatte dann in Russland Mangel an schnellen Dribblern. Das Ergebnis ist bekannt.

Aus dem 1:1 drei Jahre später ins Innsbruck 2021 gegen Dänemark sollten die richtigen Konsequenzen gezogen werden. Zum Beispiel diese: Mats Hummels ist ein guter zentraler Abwehrorganisator, aber nicht der richtige Mann links in einer Dreierkette. Zumal dann nicht, wenn der 32-Jährige wegen offenkundiger Kniebeschwerden nicht mehr in dem Tempo unterwegs sein kann, das selbst Mats Hummels als Sprint bezeichnet. Einen Hummels mit Patellasehnenbeschwerden werden die flinken Franzosen beim deutschen EM-Auftakt als dankbares Opfer für Überfälle auskundschaften. So macht das keinen Sinn.

Dreier- oder Viererkette?

Joachim Löw hat jahrelang, unter anderem bei der WM 2014, auf eine Viererkette mit zwei zentralen Abwehrspielern gesetzt. Weil er aber seiner letzten Reihe inzwischen nicht mehr traut, baut er regelmäßig einen dritten Innenverteidiger ein. Gegen Dänemark waren es Matthias Ginter rechts, Niklas Süle zentral und Hummels links, flankiert zur Fünferkette von Lukas Klostermann rechts und Robin Gosens links. Für internationalen Topfußball reicht das so nicht, Antonio Rüdiger könnte immerhin Abhilfe schaffen.

Das Problem mit einer Dreierkette hat Löw während der EM 2016 in einer Analyse konkret benannt, später aber eine neue Kosten-Nutzen-Rechnung aufgemacht: lieber einen mehr hinten und einen weniger weiter vorn. Der zusätzliche Innenverteidiger rückt nämlich auf Kosten eines Mittelfeldspielers in die Mannschaft. Das muss aber keine gute Idee sein, um offensivstarke Mannschaften im Zaum zu halten.

Das Tor der Dänen ließ zwar Süle und Hummels mies aussehen, der eine war schlecht postiert und grätschte ins Leere, der andere kam mit seinem lädierten Knie im Sprintduell mit dem Torschützen Yussuf Poulsen nicht mehr mit. Aber die Entstehung im zentralen Mittelfeld hätte dringlich schon verhindert werden müssen. Dort hatte der dänische Spielmacher Christian Eriksen nämlich plötzlich viel zu viel Raum und konnte ohne Gegnerdruck präzise passen. Dort fehlte es an der entscheidenden Verdichtung. Dort müssen die Passwege schon so zugestellt werden, dass einer wie Hummels gar nicht mehr in ein derart aussichtslosen Zweikampf geschickt werden muss wie in den gegen Poulsen.

Löw sollte mit seinen Analysten genau schauen, ob das System mit drei Innenverteidigern für dieses Team eine gute Idee ist oder ob er nicht besser einen der starken Mittelfeldspieler mehr einbaut. Nach dem Dänemark-Spiel sagte er: „Ich wollte das Zentrum mit drei Innenverteidigern schließen. Das ist uns gut gelungen.“ Das Endergebnis mit der Entstehung des Ausgleichs beweist das Gegenteil.

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